Rhein-Pfalz Kreis Hart, schnell, laut
Mutterstadt. Was die Bands beim Waldpark Open Air in Mutterstadt ihrem Publikum auf die Ohren geben, ist gewiss nichts für musikalische Weicheier. Denn Punk- und Metal-Freunde mögen es hart, schnell und laut. Und genau diese Klangkulisse haben die 355 Gäste auch bei der inzwischen 13. Auflage am Samstag wieder genießen dürfen.
„Ich wusste gar nicht, dass es so etwas hier gibt“, gesteht Hannes. Er kommt eigentlich aus Heidelberg, wohnt aber seit drei Jahren in Limburgerhof. Durch den Facebook-Post einer Freundin ist der 33-Jährige auf das Waldpark Open Air aufmerksam geworden und hat mit seinen Leuten gleich mal vorbeigeschaut. Denn Hannes hört gerne Hardcore-Metal. Das spielen einige der insgesamt zehn Bands zu seiner Freude. „Am Nachmittag war noch nicht so viel los, aber die Musik war schon gut“, erzählt er. Die anfänglich überschaubare Besucheranzahl stört ihn nicht, da er so gemütlich bei einem ersten Bierchen mit seinen Freunden plaudern konnte, von denen er manche länger nicht mehr gesehen hatte. Der Gruppe gefällt es hier, wenn sie Zeit haben, wollen Hannes und seine Freunde daher nächstes Jahr wiederkommen. Damit stehen sie stellvertretend für viele, die sich im Waldpark treffen und sich unterhalten, während Nachwuchsbands aus der Region erste Bühnenerfahrung sammeln. Die eigentliche Party beginnt gegen 20 Uhr, wenn die Headliner auftreten – dieses Mal Second Aid, Raw, Loaded und Spheron – und die Fläche vor der Bühne sich füllt. Als Open-Air-Mitgründer Christian Becht mit seiner Band Second Aid loslegt, tummeln sich bereits mehr als 200 Metal-Anhänger auf dem Gelände. Der Großteil der überwiegend in schwarz gekleideten Zuhörer begnügt sich noch mit leichtem Kopfnicken und Mitwippen, einige Headbanger in der ersten Reihe kommen aber schon sichtlich in Fahrt. Dass Drummer Marcel versehentlich einen Teil seines Schlagzeugs zerlegt, bringt niemanden aus der Ruhe. Sänger Sandro stichelt ein bisschen gegen Schlagzeuger allgemein und verteilt kurzerhand Bier an die Fans, ehe flugs Ersatz gefunden ist und die Show weitergeht. „Irgendwas ist eben immer“, hat Becht vor dem Auftritt noch gegenüber der RHEINPFALZ erklärt – und prompt recht behalten. Abseits der Bühne gehört er zu dem Team, das zusammen mit dem Förderverein und dem Mutterstadter Jugendtreff das Metal-Spektakel organisiert. Der Erlös wird anteilig verteilt und fließt überwiegend in die örtliche Jugendarbeit. „Das ist uns ein besonderes Anliegen“, sagt er. Die zahlreichen Helfer geben Essen und Getränke aus. Am Eingang bieten sie Gehörschutz an und Fan-Artikel der Bands. Ein kleines Team betreut zudem die Musiker und hilft beim Bühnenumbau. Raw überzeugen laut Becht mit einem monströs guten, unglaublich schnellen Schlagzeuger und spielen feines Thrash-Metal. „Wie Metallica und Slayer in brutal“, beschreibt er die Stilrichtung. Mit Loaded ist es den Veranstaltern zum dritten Mal gelungen, eine deutschlandweit gebuchte Party-Band nach Mutterstadt zu holen. Wie bei ihren bisherigen Auftritten markieren die Punkrocker den Höhepunkt des gelungenen Open Airs. 355 Metaller feiern begeistert mit, eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. „Wir sind rundum glücklich“, sagt Becht. Die härteste Band des Abends kommt zum Schluss: Spheron spielen Death-Metal. „Sie haben unheimlich gute Gitarristen, sind technisch sehr stark“, schwärmt er. In den nächsten Wochen laufen die Vorbereitungen für das nächste Waldpark Open Air an, verraten der Förderverein-Vorsitzende Stefan Marx und Jugendtreffleiter Klaus Schemmel. Denn die begehrten Bands müssen möglichst früh angefragt werden.