Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Hans-Jürgen Veil war über 30 Jahre im Dienst des KWV – und ein bekannter Ringer

Hans-Jürgen Veil mit einer Collage aller Landräte und Geschäftsführer, für die er arbeitete.
Hans-Jürgen Veil mit einer Collage aller Landräte und Geschäftsführer, für die er arbeitete.

„Hallo, Herr Veil!“ Wenn Hans-Jürgen Veil in den 1970er-Jahren bei einem Mieter des Kreiswohnungsverbands (KWV) an der Tür klopfte, wusste jeder, wer er war: ein erfolgreicher Ringer. 1972, auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Karriere, wurde er Hausverwalter beim KWV. Ein vielseitiger und spannender Job sei das gewesen, sagt er und plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen.

Lockiges, schwarzes Haar, dazu ein schwarzer Schnauzbart und eine athletische Figur: Hans-Jürgen Veil war schon eine Erscheinung – auf der Ringermatte und wohl auch, wenn er bei den Mietern nach dem Rechten sah. Er lacht: „Na ja, vorstellen musste ich mich meistens nicht“, sagt der heute 73-Jährige. Die Frage, ob er denn auch Autogramme geben musste, bejaht er etwas verlegen. Bescheiden muss er aber nicht sein: 1972 war Veil der erfolgreichste Ringkämpfer der Bundesrepublik bei den Olympischen Spielen in München, er gewann Silber. „Der Sport bestimmte neben der Familie damals mein Leben“, sagt er. Mit zunehmendem Erfolg suchte der gelernte Schlosser einen Job, der körperlich weniger kräftezehrend war. Der Kreis fühlt sich seit jeher den Ringern verbunden, viele waren Mitarbeiter des KWV und auch Fahrer der Landräte – berühmtestes Beispiel: Wilfried Dietrich. So fand auch Veil eine Anstellung als Hausverwalter beim Kreis.

Ab 1972 kümmerte er sich um die KWV-Wohnungen unter anderem in Mutterstadt, Limburgerhof, Neuhofen und Dannstadt-Schauernheim. Er nahm diese ab und übergab sie an neue Mieter, überwachte die Pflichten der Mieter und organisierte Reparatur-, Garten- sowie Sanierungsarbeiten. „Da hatte ich es mit vielen Menschen aus verschiedenen Schichten und Kulturen zu tun“, erzählt er. Immer mal wieder mussten Konflikte gelöst und kulturelle Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden. Etwa wenn sich Berge von Schuhen vor der Haustür türmten, weil es in muslimischen Familien üblich ist, diese vor der Wohnung auszuziehen. „Der, der Kehrwoche machte, hatte dann aber ein Problem“, erzählt er und muss schmunzeln. Es habe aber nichts gegeben, was nicht mit Worten zu klären war. Freundlich, aber dennoch beharrlich musste er sein, erzählt er, selbstbewusstes Auftreten sei dabei wichtig gewesen. „Da hat mir mein Sport schon geholfen.“ Seine Ringerkünste musste er aber nie einsetzen, um sich zu verteidigen.

Leichenteile im Koffer gefunden

Jemanden in Angst und Schrecken versetzt habe er dennoch einmal – aber ganz ohne Absicht. Er musste in die Wohnung einer Dame gehen, die ihre Miete nicht gezahlt hatte und auch länger nicht erreichbar gewesen sei. Drinnen hörte er etwas im Bad, ging hinein – in der Badewanne badete die Mieterin. „Die schrie natürlich ganz fürchterlich und schimpfte, ich verließ schnell die Wohnung, doch bevor ich alles erklären konnte, hatte sie schon die Polizei gerufen“, sagt er und muss heute darüber lachen.

Einer der schlimmsten Momente war, als eine Mieterin tot in der Wohnung aufgefunden wurde. Auch sie sei länger nicht erreichbar gewesen. „Mein Kollege und ich öffneten die Wohnung, die wie plötzlich verlassen wirkte. Schmutziges Geschirr stand in der Spüle, auf dem Boden eine eingetrocknete Lache, wir vermuteten von ausgelaufener Suppe“, erzählt er. Bei der späteren Räumung dann der schreckliche Fund – ein Koffer mit Leichenteilen. „Wie sich später herausstellte, hatte der Ehemann die Frau getötet“, erzählt er. Durch die Presse ging die Tote als „die Kofferleiche von Schauernheim“.

Das sind besondere Erlebnisse, überwiegend habe er aber viel Schönes erlebt in all den Jahren: „Ich habe meine zweite Frau bei der Arbeit kennengelernt und viele tolle Momente mit meinen Kollegen gehabt, die privat zu Freunden geworden sind“, erzählt er.

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