Im Geschichtsbuch geblättert
Hanhofen vor 200 Jahren: Augenmerk auf sparsame Haushaltsführung
Die Bürgermeisterei-Rechnungen wurden doppelt erstellt, von der Gemeinde – vertreten durch den jeweiligen Bürgermeister beziehungsweise Schultheiß vom Gemeinderat – revidiert, unterschrieben und anschließend zur Prüfung dem königlichen Landkommissariat Speyer vorgelegt, später königliches Bezirksamt, dem Hanhofen verwaltungsmäßig unterstellt war. Nach vollzogener Prüfung erhielt die Gemeinde ein Exemplar der Jahresrechnung zurück, wenn notwendig mit Beanstandungen.
Daraus ist ersichtlich, dass man zu jener Zeit schon ein Augenmerk auf eine sparsame und pflegliche Haushaltsführung legte. Die sogenannten Rechnungsführer, sicherlich meist wohlhabende oder auch angesehene Bürger, waren für gewöhnlich die Gemeinderechner, früher auch Dorf- oder Bürgermeister genannt, jedoch nicht zu verwechseln mit der heutigen Bezeichnung Bürgermeister. Hatte man aus Gründen einer wahrhaften Rechnungsführung anfänglich die Rechnungsführer oft gewechselt, so wurden im 19. Jahrhundert die mit dem nun bezeichneten Amt des Gemeindeeinnehmers verbundene Stelle nicht mehr als „Ehrenamt“ versehen, sondern als solche vergütet.
Reichlich Überschuss
Die Gemeinderechnung des Jahres 1822 gibt nicht nur Auskunft über die örtliche Finanzwirtschaft, sondern lässt auch Rückschlüsse auf die Dorfgeschichte zu. Schon ein Blick auf das Deckblatt verrät, dass Hanhofen vor 200 Jahren zum Bayerischen „Rheinkreis Landcommissariat und Canton Speyer“ gehörte. Die „Hauptrechnung“, wie die Gemeinderechnung in jener Zeit bezeichnet wurde, verzeichnete alle Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde während des Jahres 1822, erstellt durch Carl Braun aus Berghausen, Steuereinnehmer der Gemeinde Hanhofen von 1815 bis 1856. Ein Blick auf das Ergebnis, also auf den Rechnungsüberschuss, zeigt, dass die Einnahmen zirka 40 Prozent höher als die aufgeführten Ausgaben waren. Ein Wert, von dem heute fast jede Verwaltung nur träumen kann. Ferner ist auffällig, dass die Betragsangaben der Währung in Gulden und Kreuzer vermerkt sind.
Neben Grund- und Personalsteuer sowie der Gewerbesteuer sind unter anderem Geld aus der Versteigerung alter Schultische, eine Zahlung von Adam Flörchinger und anderen wegen verübter Forstfrevel sowie Pacht von Franz Becker für Fischerei als Einnahmequellen aufgeführt. Elf Gulden und zwölf Kreuzer zahlten Philipp Morgenstern und Franz Sebastian Grüner, Wirte der Gasthäuser „Zum Adler“ und „Zum Hirschen“, für Tanzbelustigungen an Kirchweih, Nachkirchweih und Fasnacht (ab 1823 auch Erntedankfest). 96 Gulden und 15 Kreuzer kamen von den schulpflichtigen Kindern beziehungsweise von deren Eltern.
Polizeiglocke und Kirchhofbrücke
Eine der größten Ausgabepositionen, 140 Gulden, resultierte aus der Besoldung von Gemeindeschreiber Ludwig Bettinger. Kanzleikosten für Bürgermeister Nepomuk Groß, Botenlohn an die Kantonsbotin, Gehalt für Gemeindediener Conrad Janz und Hebamme Elisabeth Wagenblatt sind weitere Verwaltungs- und Ausgabenpositionen. Einen Gulden und acht Kreuzer bekam Sattler Ludwig Grieser für einen neuen Riemen an der Polizeiglocke, zwei Gulden und 24 Kreuzer Zimmermann Balthasar Forler für die Fertigung eines Brunnenstocks in der Geilergasse, Balthasar Forler 29 Gulden für die Reparatur der steinernen Kirchhofbrücke in der heutigen Alten Kirchstraße, jene über den Speyerbach und Strietbach.
Die übrigen ausgewählten Ausgabepositionen lassen sich thematisch grob in die drei Rubriken Kirche, Schule und Rathaus wie folgt einordnen: Schullehrer Joseph Sandlar bekam Geld fürs Aufziehen und Schmieren der Kirchenuhr, Adam Schmitt für Schmiedearbeiten an der Uhr und Uhrmacher Franz Böston für verschiedene Reparaturen sowie Glaser Bartholomäus Day aus Schifferstadt wegen Arbeiten an der Kirche.
Neue Bänke für Schüler
In Zusammenhang mit der Schule flossen Gemeindemittel als Gehalt an Lehrer Joseph Sandlar, für Glaserarbeiten am Schulhaus an Bartholomäus Day und an Schreiner Jacob Birkle aus Harthausen für die Fertigung von Schulbänken und einem neuen Lehrerpult. Für verschiedene Schmiedearbeiten am Schul- und Rathaus, dem heutigen Gemeindehaus, wurde Adam Schmitt bezahlt, für zwei neue Bänke im Rathaussaal Johannes Braun und für 13 Sessel oder Stühle aus Nussbaum für das Rathaus Schreiner Johann Baptist Braun aus Iggelheim.