Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Handharmonika-Konzert: Das biedere Image wegmusiziert

Das „Take Five“-Ensemble des Handharmonika-Clubs Mutterstadt: (von links) Monika Keller, Martina Gerber, Kristina Franz, Rolf Dö
Das »Take Five«-Ensemble des Handharmonika-Clubs Mutterstadt: (von links) Monika Keller, Martina Gerber, Kristina Franz, Rolf Dörner und Wendelin Magin.

Gemeinsam sind sie stark: Weil der Mutterstadter Handharmonika-Club und der Harmonika-Club Rheingold Käfertal kleiner geworden sind, haben sie sich zusammengetan. Das gemeinsame Konzert in Mutterstadt zeigte, dass sich das lohnt.

„So hab ich die Quetschkommod’ noch nie gehört – wenn sie das nach dem Konzert denken, haben wir unser Ziel erreicht“, sagte Rolf Dörner, der Moderator des Abends, dem Publikum im Mutterstadter Pfarrer-Fuchs-Haus. Das biedere Image des Instruments trägt sicher dazu bei, dass es kaum Nachwuchs in den Reihen der Akkordeonisten gibt. Das ist schade, denn tatsächlich ist das Akkordeon ein sehr vielseitiges Instrument, das sich in vielen Stilrichtungen spielen lässt. Das zeigte auch dieses Konzert.

Aufgetreten sind das gemeinsame Orchester des Mutterstadter HHC und des Käfertaler HC Rheingold. „Früher hat jeder der beiden Harmonika-Clubs alleine ein Orchester von 30 Mitspielern auf die Bühne gebracht. Diese Zeiten sind leider vorbei“, sagt Wendelin Magin, der Vorsitzende des Mutterstadter HHC, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Vor drei Jahren habe man sich deshalb zusammengetan, Corona tat ein übriges, die Orchestergrößen weiter zu verkleinern. Doch den Trend weg vom Akkordeon habe es schon vorher gegeben, sagt Magin.

Spezialist als Dirigent

Dirigent Vladimir Korol, Spezialist für Akkordeon-Ensembles, dirigiert die Orchester beider Vereine, da habe das Zusammenlegen nahegelegen. Korol stammt aus Russland, dort ist das Akkordeon in der Knopfgriff-Variante hoch angesehen und kann an Musikhochschulen wie andere klassische Instrumente studiert werden. Hierzulande verbindet man damit eher Kameradschaftsabende, Volkslieder und Schlager. Es geht aber auch anders.

Das Konzert begann mit dem gemeinsamen Orchester und der Titelmelodie aus dem Musical „A Chorus Line“ und einem Medley von Simon & Garfunkel-Hits, darunter „Sound of Silence“, „The Boxer“ oder auch „Mrs. Robinson“. Beides sind keine Akkordeon-Originale, sondern leichte Arrangements. Die Rheingold-Spieler brachten dann mit „Künstlerleben“ und „Unter Donner und Blitz“ einen Walzer und eine Polka. Die Arrangements der Orchester-Kompositionen von Johann Strauß Vater und Sohn ließen sich mit den Klangfarben der Akkordeone schön farbig abbilden.

Es gibt auch ein Senioren-Ensemble

Das Auswahl-Ensemble des HHC Mutterstadt gibt es schon länger, doch an diesem Abend trat es erstmals unter dem neuen Namen „Take Five“ auf, Sechster im Bunde war Schlagzeuger Ralf Schnieber, der hier, wie beim ganzen Programm, für zuverlässigen Rhythmus sorgte. Der „New York Tango“ stammt von Richard Galliano, einem zeitgenössischen Akkordeon-Virtuosen. Das Stück erfordert flinke Finger und ist mit seinem Jazz-Tango-Stil recht anspruchsvoll. Es kam aber offensichtlich sehr gut an, denn das Publikum applaudierte besonders kräftig. Mit Pop und Latin ging es weiter. Im letzten Abschnitt spielte das großer Orchester nochmals und legte noch ein, zwei Schippen mit anspruchsvollen und mitreißenden Stücken drauf, die in zwei Zugaben mündeten. Und an diesem Abend gab es sicher auch das ein oder andere Stück, das die Zuhörer angenehm überrascht hat.

Die Proben der beiden Clubs finden montags in Mutterstadt und donnerstags in Käfertal statt. Vor dem Konzert haben die meisten auch beide Proben besucht und alle ein gemeinsames Probenwochenende absolviert. Da seien viele Kilometer und Probenstunden zusammengekommen, sagte Magin. Da das Akkordeon eher bei der älteren Generation beliebt ist, gibt es auch ein Senioren-Ensemble in Mutterstadt. 16 Mitspieler gebe es derzeit, geprobt wird dienstags ab 17 Uhr im Haus der Vereine in Mutterstadt. Das Ensemble hat auch einige Auftritte übers Jahr, bei denen Unterhaltungsmusik gespielt wird. Ob jung oder alt – Mitspieler seien immer gerne willkommen. Wer Interesse hat, kann laut Magin gerne bei den Proben reinschnuppern.

Kontakt

Wendelin Magin, Telefon 06236 465688

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