SPEYERER UMLAND RHEINPFALZ Plus Artikel Hamstern muss hier keiner: Hofläden zu Corona-Zeiten

Obst- und Gemüse: Wer auf regionale Produkte setzt, ist in Hofläden an der richtigen Adresse.
Obst- und Gemüse: Wer auf regionale Produkte setzt, ist in Hofläden an der richtigen Adresse.

Die Hofläden landwirtschaftlicher Betriebe sind eine beliebte Einkaufsmöglichkeit im Speyerer Umland. Was bedeutet die Corona-Krise für sie? Sind Obst und Gemüse knapper und teurer geworden? Zwei Inhaber berichten über Einbußen, Möglichkeiten und kreative Ideen.

„Die Preise sind stabil“, betont Markus Zürker, Inhaber des gleichnamigen Hofladens in Dudenhofen. Die Ernte sei bisher gut, seit einer Woche verkaufe er Spargel und Erdbeeren an der Straße vor dem Laden. Bei ihm sei der Verkauf von Anfang an bei Einhaltung bestehender Auflagen weitergegangen, sagt er. Auch die Geschäftszeiten, Montag bis Sonntag zwischen 7 und 20 Uhr, habe er beibehalten. Deshalb ist Zürker zufrieden mit seinem Umsatz.

Die Abstandsregeln hielten seine Kunden zum größten Teil ein, beschreibt Zürker geordnete Abläufe vor dem und im Laden. Vor den Ostertagen habe es hin und wieder leichtes Gedränge gegeben, räumt er ein. Dabei sei das gar nicht nötig. „Bei uns braucht niemand auf Vorrat zu kaufen“, betont Zürker. „Wir haben von allem genug vorrätig.“ Hinweise, das Geschäft nur einzeln zu betreten und sich auch im Hof davor nicht zu nahe zu kommen, seien eingehalten worden. Ein Thekenschutz zwischen Verkäufer und Kunde sorge für mehr Sicherheit.

Einen Vorteil sieht Zürker darin, dass es bei ihm keine Selbstbedienung gibt. „Damit ist ausgeschlossen, dass andere Kunden vorher schon das Produkt angefasst haben“, erklärt er. Empfehlungen, Obst und Gemüse vor dem Verzehr zu waschen, gälten immer. Seine überwiegend älteren Teilzeitkräfte blieben derzeit zu Hause, sagt der Hofladen-Inhaber. Grundsätzlich überlasse er es seinen Mitarbeitern und Kunden, auf welche Weise sie sich vor Ansteckung mit dem Coronavirus schützen wollten. „Wir sind alle erwachsen und können darüber selbst entscheiden“, ist Zürker überzeugt. Er lege Handschuhe und Mundschutz für seine Mitarbeiter aus, betont er. Auch viele Kunden schützten sich beim Einkauf mit Handschuhen und Masken, einer sogar mit Ohrenschützern, berichtet Zürker von ungewohnten Anblicken in seinem Hofladen.

Einbußen muss Zürker mit der Schließung seiner angeschlossenen Hofschänke hinnehmen. „Für Mai waren wir voll ausgebucht“, berichtet er von so vielen Reservierungen wie nie zuvor. Da nicht klar sei, ob und wann die Restauration wieder geöffnet werden könne, seien seine Gäste zu Stornierungen ihrer Anmeldungen bis zu drei Tagen vorher berechtigt. „Wir werden alle gesetzlichen Vorgaben befolgen“, betont Zürker. Das sei ihm wichtig. „Wir vertrauen der Politik, dass sie die richtigen Entscheidungen trifft.“

Vorne bezahlen, hinten abholen

Schon die erste Saison bringt dem im November eröffneten Laden des Schmitthofs in Lingenfeld ungeahnte Probleme. „Seit Corona improvisieren wir“, sagt Inhaberin Carolin Schmitt auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Bis zum gestrigen Montag hat sie ihre ausschließlich regionalen Produkte durchs Fenster verkauft. „Vorne wurde bezahlt, hinten abgeholt“, beschreibt sie das neue Verfahren. Für Carolin Schmitt ist die Wiedereröffnung ihres 40-Quadratmeter-Hofladens am Montag ein guter Schritt – selbstverständlich unter Einhaltung sämtlicher Abstands- und Sicherheitsregeln. So lasse sie jeweils nur drei Kunden in den Hofladen, die Trennwand vor der Theke schütze Käufer und Mitarbeiter. „Wir haben zusätzlich zur Abstandseinhaltung ein kleines Einkaufswagensystem eingeführt“, erklärt Schmitt.

Zwei Aushilfen unterstützten den Familienbetrieb, berichtet die Inhaberin. „Gut, dass unser Angebot zum Teil noch auf dem Feld wächst“, blickt Schmitt auch auf die Vorteile. Landauer Ziegenkäse, Kohl, Blattsalate, Spargel, Rhabarber und Eier – das Hauptprodukt im Schmitthof – seien hingegen derzeit montags bis samstags im Lingenfelder Hofladen erhältlich – Eier übrigens auch im Automaten in der Landauer Straße in Speyer.

Einbußen habe es während der Schließzeit gegeben, räumt Schmitt ein. „Senf, Öl, Nudeln oder Pesto haben die Kunden nicht mitgenommen, weil sie diese Mitnehmprodukte durchs Fenster nicht gesehen haben“, erklärt sie. „Aber teurer ist in der Krise nichts geworden“, sagt die Inhaberin. Und grundsätzlich sei ihr der Gesundheitsschutz wichtiger als ein paar Euro mehr in der Kasse. Engpässe gebe es im Schmitthof nicht, nicht einmal in puncto Kartoffeln, betont Schmitt. „Wir haben noch genügend Restbestände, und die neuen sind im Werden.“

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