Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Halloween-Rock-Party: Urlaub für die „Höllenbar“

Gute und gruselige Stimmung: Halloween-Party in Waldsee.
Gute und gruselige Stimmung: Halloween-Party in Waldsee.

20 Jahre Halloween-Tradition mit der „Halloween-Rock-Party“ des MGV Concordia und zehn Jahre Musik von „Grand Malör“ dazu – das zieht Jung und Alt an. Auch 2024 ist die Großveranstaltung in der Sommerfesthalle ein voller Erfolg. „Wir haben uns immer weiter gesteigert“, jubelt der Verein.

„658 Kilometer!“ Reinhard Spindler, Vorstandsvorsitzender des MGV Concordia, ist begeistert. Denn die Menschen, die die jährlich von seinem Verein organisierte Halloween-Party besuchen, kommen nicht nur aus Waldsee und Umgebung, sondern auch von weit her. Wie in diesem Fall aus Boostedt oder aus München.

Und sie werfen sich entsprechend in Schale, wie Uwe van Vlijmen aus Hochdorf und seine Freundin Franzisca Hein. Acht Stunden haben beide gebraucht, um van Vlijmens Halloween-Look 2024 zu perfektionieren. „Vier Stunden Vorbereitung und vier Stunden für das Kostüm.“ Denn das ist feinteilig, soll es doch einen mit Nägeln bestückten, blutigen Kopf darstellen. 180 Pins aus Holzstäbchen hat der Grusel-Fan dafür gestaltet, 140 davon sind auf seinem Kopf mit Heißklebepistole befestigt. Mit dieser Verkleidung fällt er unter all den Hexen, Skeletten, Vampiren und Teufeln definitiv auf. „Das ist jedes Jahr eine Gaudi“, betont er. Der Halloween-Begeisterte ist nicht nur zum Feiern da: Vor und nach der Party wartet eine Menge Arbeit beim Auf- und Abbau, und van Vlijmen hilft tatkräftig mit. „Dafür nehme ich mir extra Urlaub.“

Helfer essen Ochsenbäckchen

Sein Freund Christian Hein, der van Vlijmen zur Concordia gebracht hat, betreut an diesem Abend die Küche. Er ist für das leibliche Wohl der helfenden Chormitglieder und für das der Band zuständig. Nach getaner Arbeit werden die Aktiven richtig verwöhnt: Dieses Jahr gibt es geschmorte Ochsenbäckchen mit Spätzle. Und „Grand Malör“ ist nicht zuletzt wegen des Essens hier. Um 3 Uhr nachts tafelt die Band mit blutroter Spaghetti Bolognese. „Wir müssen die Tradition wahren“, betont der Koch. Er weiß außerdem, was Schlagzeuger und Keyboarder am liebsten trinken: Whiskey. Der steht auch schon bereit, ebenso wie die Bolognese-Sauce.

Hein und van Vlijmen schätzen das rege Vereinsleben in Waldsee. Die Bürgermeisterin selbst habe bei der Halloween-Dekoration für die Party Hand angelegt, betonen sie. „Sie ist als Letzte raus. Sowas ist selten.“

Auch der Vorsitzende freut sich über das Engagement der Vereinsmitglieder. Sie sind auch während der Party selbst im Einsatz, und zwar unter anderem an der „Höllenbar“ und an der „Gruft-Schenke“. Letztgenannte, das hat sich so ergeben, wird von Senioren über 70 betrieben. Da bekommt man augenzwinkernd makaber „Drinks aus der Leichenschenke“ wie den „Spiderpiss“ (Weißwein) und das „Gruselwasser“ angeboten. Oder „Flöhe für den Magen“. „Das alles haben wir im Laufe der Zeit erfunden“, heißt es. Jetzt wird es ganz modern mit elektronischen Tafeln angezeigt.

Aus allen Nähten geplatzt

Die Party hat in der Kulturhalle „rudimentär angefangen“, erinnert sich der Vorsitzende. Da diese wegen des regen Zuspruchs schon bald aus allen Nähten platzte, zog man in die Sommerfesthalle um. Rund 800 Leute kommen mittlerweile. Begonnen hat die Party-Tradition der Concordia an Fasching mit Maskenbällen und dem Rosenmontagsball in den 1970er-Jahren. „400 Frauen suchten sich ihre Männer aus. Aber da es danach zu Ehekrächen und anderen Schwierigkeiten kam, wollte man keine Fasnacht mehr“, erinnert sich Spindler.

Und so wurde als Ersatz die Halloween-Party geboren. Die Einnahmen stützen den Verein, denn die Mitgliederbeiträge reichten für den Betrieb nicht aus. Und das finanzielle Vermächtnis von seinem Vorgänger will Spindler nicht angreifen: Was der Verein braucht, erwirtschaftet er selbst. Auch „Grand Malör“ trägt mit seiner treuen Fangemeinde seit zehn Jahren zum Gelingen der Party bei.

Dekoration bewährt sich

Die Deko hat sich immer wieder bewährt. „Manche sind fast in Ohnmacht gefallen wegen unserer Deko“, erzählt Spindler. Schwebende Hexen und Fledermäuse, der Henker sowie Hellboy an der Höllenbar, Gräberfelder und riesige Spinnweben überall an der Decke mit blutroter, giftgrüner und schummriger Beleuchtung lassen Grusel-Gefühl aufkommen. „Wir haben uns immer weiter gesteigert. Seit über fünf Jahren sind wir von den Besuchern her in der Sättigung“, so Spindler. Und: „Die Veranstaltung läuft immer äußerst friedlich ab.“

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