WALDSEE
Häuser auf Wolfgangsee: „Wasser-Burgen“ für die Reichen?
Robert Gard, Prokurist der Firma Rohr erklärt, warum und wie das Unternehmen die Häuser auf dem Wasser bauen möchte. Kies und Sand seien Rohstoffe, die immer gebraucht würden. Das Problem sei, dass es mineralische Rohstoffe nur an Flüssen gebe, dort wo auch viele Menschen leben und viele berechtigte Interessen bestünden. „Alle Flächen werden in irgendeiner Form genutzt. Für die Landwirtschaft, als Siedlung oder für Straßen“, so Gard.
Die Gewinnung von Kies und Sand verändert die Landschaft für immer. Mit den Häusern auf dem Wasser möchte die Firma Rohr in einem Pilotprojekt eine Folgenutzung für die Wasserflächen vorstellen. Geplant ist am Ostufer des Wolfgangsees südlich des Kieswerks, zehn Häuser auf dem Wasser auf Pontons zu errichten. Sie würden über einen Steg mit dem Land verbunden. Die Häuser sollen weitgehend energieautark sein und Strom von einer schwimmenden Fotovoltaikanlage beziehen, die ebenfalls in Planung ist. Gard betont, dass es sich dabei ausschließlich um Häuser für die Wochenendnutzung handele und dass auch für die Zukunft auf keinen Fall mehr Häuser geplant seien. Man wolle einfach zeigen, was möglich ist. Das Gelände befinde sich im Besitz der Firma Rohr und sei schon erschlossen.
Bebauungsplan auf dem Weg
Im Mai 2020 hat der Gemeinderat Waldsee gegen die Stimmen der SPD beschlossen, dass ein Bebauungsplan für die Häuser aufgestellt werden soll. Die Firma Rohr hat nun einen Entwurf vorgestellt. Gard erklärt, dass es in Deutschland lediglich zwei Anbieter für Häuser auf dem Wasser gebe, man habe sich für zwei Modelle von Floating Home entschieden. Die beiden ausgewählten Haus-Typen sind eingeschossig. Haus Typ A hat laut Bebauungsplanentwurf eine Grundfläche von 67,3 Quadratmetern, eine Wohnfläche von 44,3 Quadratmeter, eine Terrasse von zehn Quadratmetern und eine 15 Quadratmeter große Dachterrasse. Haustyp D hat 154 Quadratmeter Grundfläche, 117 Quadratmeter Wohnfläche und 60 Quadratmeter Dachterrasse.
Bauamtsleiter Frank Juchem erklärt, dass laut Bundesgesetzgeber die Grundfläche von Wochenendhäusern üblicherweise zwischen 30 und 60 Quadratmetern beträgt, aber auch noch Grundflächen bis zu 120 Quadratmetern zulässig sein können. Bei den Häusern auf dem Wasser könne man noch ein bisschen zugeben, denn es gebe ja keine Grundstücke, die mit genutzt werden können. „120 Quadratmeter Grundfläche plus Terrasse wäre meiner Meinung nach vertretbar“, sagt Juchem.
Recht üppig: 154 Quadratmeter Grundfläche
Beim Haustyp D liege zwar die Wohnfläche unter der 120 Quadratmetergrenze, maßgeblich sei aber die Grundfläche und die sei mit 154 Quadratmetern eindeutig zu hoch. So sehen das auch die Ratsmitglieder: Sie zeigen sich erschrocken über die Maße von Haustyp D, der 22 Meter lang und sieben Meter breit ist.
„Das sind Luxus-Villen für reiche Leute“, sagt Christel Hamleser-Kunz (FWG) in Hinblick auf das größere Modell. Als sie zum ersten Mal von den Plänen gehört habe, sei die Vorstellung, Energieautarke Häuser zu errichten, das Zugpferd gewesen. Dieser Aspekt sei nun aber in den Hintergrund getreten. Harald Wiesenberger (SPD) betont, dass seine Fraktion die einzige gewesen sei, die schon 2020 gegen das Projekt gestimmt habe: „Das soll noch monströser werden als gedacht. Nur Spitzenmanager mit entsprechendem Gehalt können sich so eine Burg leisten.“
Auswirkungen auf die Natur noch offen
Armin Raquet (gkL) hätte sich ein ressourcenschonenderes Vorgehen gewünscht. Die Auswirkungen für die Natur seien noch offen. Wolfgang Kühn (SPD) findet, es sei eine Illusion zu glauben, dass ein Haus mit 155 Quadratmetern Fläche nur am Wochenende genutzt wird. Für die CDU signalisiert Michael Fouquet Zustimmung zu dem kleineren Modell. Wolfgang Berl (CDU) besteht darauf, dass die Besitzer Grundsteuer zahlen. „Was hat sonst die Gemeinde davon?“ Dazu könne aber noch keine Aussage gemacht werden, so Juchem: „Die Finanzverwaltung beantwortet diese Frage nur, wenn alle Details feststehen.“
Die Firma Rohr wird nun den Entwurf des Bebauungsplans für die Häuser anpassen. Das hat der Ortsgemeinderat gegen die drei Stimmen der SPD und eine Stimme der FWG mehrheitlich beschlossen. Die Nachfrage nach den Häuern sei schon groß, sagt Robert Gard.
Zur Sache
Bei einem anderen Projekt zur Nutzung von bei Kiesabbau entstandenen Wasserflächen ist die Firma Rohr schon ein Stück weiter: mit dem Bau einer schwimmenden Fotovoltaikanlage wird nach Angaben von Prokurist Robert Gard voraussichtlich im Oktober begonnen. Insgesamt sollen zwei 80 auf 80 Meter große Fotovoltaik-Module in der Drecklache auf einem Gelände in Firmenbesitz installiert werden. Das ist der Teil, der am südöstlichen Ufer der Schlicht – nördlich des Wolfgangsees – gerade ausgebaggert wird.
Erst war geplant, die Anlage in der Schlicht zu errichten und dann an den endgültigen Standort zu verlagern. Das sei jetzt nicht mehr nötig, die Module würden gleich am endgültigen Standort verankert. Jedes der Modulflöße habe eine Leistung von 750 Kilowatt-Peak. Damit ist die Firma Rohr nach Auskunft von Gard bei der Rohstoffgewinnung und -aufbereitung in Waldsee zu 50 Prozent energieautark. Nur unvermeidliche Überschussmengen an produziertem Strom flössen ins öffentliche Netz. Die gesamte Anlage hat die Kreisverwaltung inzwischen genehmigt.