Rhein-Pfalz Kreis Hälfte der Jungstörche in Nestern verendet

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Am Ende konnten die Vogelhüter das Elend nicht mehr mit ansehen und schritten zur Tat. Ein Jungvogel im Vogelpark, der völlig verschmutzt im Horst zu verenden drohte, wurde von den Mitarbeitern aus dem Nest geholt und in den letzten vier Wochen gepflegt. „Das macht man eigentlich heute nicht mehr, weil sich die Population der Störche inzwischen erholt hat. Früher hätte man jeden Jungvogel zu retten versucht“, erzählt Rainer Berenz vom Vogelpark. Doch dieses Jahr seien so viele gestorben, dass man sich nun doch um einen kümmerte. „Er war so lädiert, er hätte das nicht überlebt.“ Seine Eltern fütterten ihn zwar, aber der Schnabel war so voller Schlamm, dass er gesäubert werden musste. Madenbefall wurde rausgewaschen. Dank Eintagsküken und Fischen kam das Tier wieder zu Kräften. Fragt sich, wie ein Horst so verschlammen kann, dass die Kleinen darin umkommen können? „Die Störche verbauen alles Mögliche: Plastiktüten, Grasbüschel, an denen noch Erde hängt. Bei starkem Regen kann dann das Wasser nicht ablaufen und sammelt sich im Nest“, erklärt Berenz. Vor allem die ersten vier bis sechs Wochen nach dem Schlüpfen seien für die Storchenbabys kritisch. Denn dann fehlt ihnen noch das Federkleid, dass sie später vor der Witterung schützt. „Wenn es dann immer wieder regnet, unterkühlen die Tiere“, sagt Berenz. Vor allem um die Eisheiligen im Mai herum, wenn nach alter Bauernregel noch einmal der Frost droht, gebe es immer Verluste beim Storchennachwuchs. Andere Faktoren, die die Vögel schwächen können, kommen noch dazu: Parasitenbefall oder Unterernährung, falls die Eltern aufgrund des Wetters wenig Geeignetes finden. Dabei kann Bobenheim-Roxheim stolz sein auf seine „mittlerweile stattliche Storchenpopulation“, meint Berenz. „In diesem Jahr besetzten die Vögel 18 Horste in unserer Gemeinde, wobei immer mehr Nester auch außerhalb des Vogelparks gebaut werden.“ In neuen Nestern in der Dammstraße und der Franz-Voll-Straße hätten sich die Wandervögel nach ihrer Rückkehr aus südlichen Gefilden niedergelassen – auf einem Haus und einem Baum. Auch auf einer gekappten Tanne in der Bürgermeister-Fügen-Anlage fanden sie einen Platz sowie auf dem Schornstein der ehemaligen Gärtnerei Krill. Mehrere Masten, unter anderem beim Heimatmuseum, wurden in den vergangenen Jahren extra aufgestellt, um die Tiere wieder im Ort anzusiedeln (wir berichteten). Weit mehr als 30 dieser Wandervögel brüten inzwischen in Bobenheim-Roxheim. Ein Paar legt normalerweise zwei bis sieben Eier und zieht seinen Nachwuchs zwei Monate lang im Horst groß. Gefüttert werden die im Ort ansässigen Störche nicht, betont Rainer Berenz. „Wir versorgen nur unsere Vereinsvögel mit Eintagsküken. Es kann natürlich sein, dass andere zum Stibitzen kommen, denn sie wollen es sich bequem machen. Aber was sie klauen, reicht für die Altvögel nicht.“ Mit ihrem breiten Nahrungsspektrum können sie sich normalerweise gut durchfuttern, beispielsweise Mäuse fangen oder auf umgepflügten Feldern nach Insekten und Würmern suchen. Berenz hat beobachtet, dass sie auf Nahrungssuche auch weitere Wege zurücklegen und beispielsweise schon im Westen Richtung Offstein oder im Norden Richtung Nierstein hinter Worms angetroffen wurden. Bis es sie in den Flügeln zuckt und sie zum Überwintern noch weiter nach Süden auf die iberische Halbinsel oder jenseits der Sahara nach Senegal fliegen. Der Jungvogel, der gerettet wurde, darf jetzt mitziehen. „Er will schon raus, das merkt man. Bestimmt fliegt er in den nächsten vier Wochen ab“, sagt Berenz. „Aber er ist noch ein ungeübter Flieger.“ Einen Namen bekam er nicht von seinen Pfleger, aber er wurde wie die anderen 16 überlebenden Jungvögel beringt und mit einer Nummer versehen. Die will sich Berenz merken, bevor er das Tier freilässt. Denn wer weiß, wo es im nächsten Jahr wieder auftaucht? Ein anderes aufgepäppeltes Exemplar fand ein neues Sommerdomizil bei Rostock.

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