Rhein-Pfalz Kreis
Gymnasium Schifferstadt: Die Arbeiten nach dem großen Juli-Unwetter
Ein Sturm hat in der Nacht zum 21. Juli schwere Schäden am Dach des Schifferstadter Gymnasiums angerichtet. Das Unwetter hat nun aber einen positiven Effekt für Schüler und Lehrer: Das bisher nur schlecht isolierte Obergeschoss soll im Zuge der Reparaturarbeiten klimatisiert werden.
„Wir brauchen eine Perspektive.“ Gabrielle Steinbach spricht mit Nachdruck. „Wir brauchen eine große Lösung, die langfristig angelegt ist, um den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten.“ Die Leiterin des Schifferstadter Gymnasiums sitzt mit Mitgliedern des Bau- und Kreisausschusses in der Klasse 10b der Schule. Im Raum im Obergeschoss steht die Luft. Im Sommer wird es in den aufgestockten Räumen schnell mal zu warm. Und zwar nicht erst seit ein Drittel des Schuldachs in der Nacht zum 21. Juli von einem Sturm weggefegt wurde.
Nun, wo die oberste Dachhaut fehlt, die Stelle mit einer Plane abgedeckt ist, wird endlich über das gesprochen, was Schüler und Lehrer schon so lange belastet. Die Temperatur. „Im Winter kann man heizen, bis die warme Luft nach oben raus geht – aber die Kinder haben es warm“, sagt Landrat Clemens Körner (CDU). Und im Sommer? Da wird es einfach erbarmungslos heiß. Ganz ohne Abkühlungsmöglichkeit. Bis zu 40 Grad Celsius wurden in den Räumen gemessen.
Schlecht gedämmt
Vor zirka 19 Jahren ist das Geschoss laut Kreisverwaltung aufgesetzt worden. Aus statischen Gründen in Leichtbauweise mit „minimaler Isolierung und Dämmung“. Diese entspreche den heutigen Anforderungen nicht. Das Temperaturproblem bestehe von Anfang an, berichtet Körner. Doch nachträglich einen Hitzeschutz aufzubringen, sei aufgrund der Mehrlast nicht möglich. Zudem würde eine zusätzliche Wärmedämmung die Hitze nur noch mehr stauen.
Eine Klimatisierung soll nun her, sogenannte Klimasplitgeräte – zumindest als Übergangslösung für die nächsten Jahre. Denn: Ein Neubau am Gymnasium ist in Planung. Die naturwissenschaftlichen Räume sollen ausgelagert werden. Im Zuge dessen wird nun geprüft, ob es wirtschaftlicher ist, das Obergeschoss komplett auf Vordermann zu bringen oder den Neubau aufzustocken. Statiker und Bauphysiker sollen nun auf Ausschussbeschluss prüfen, welche Arbeiten am Dach erforderlich sind, damit die Standards der aktuellen Energieeinsparverordnung (Enev) erfüllt werden. Sprich: Welcher Aufwand muss finanziell betrieben werden, um ein Dach hinzubekommen, das einerseits der Enev entspricht und andererseits statisch möglich ist? Daher könnte es sein, dass das Dach lediglich provisorisch mit einer Bitumenschicht abgedichtet wird, statt ein neues Blech aufzutragen. Ein Ingenieurbüro soll zudem feststellen, welche Art von Klimaanlage im Obergeschoss möglich ist. Die Ergebnisse werden in einer nächsten Sitzung präsentiert.
Dachteile sind weit geflogen
Trotz des erheblichen Schadens – der Kreis rechnet mit einem mittleren sechsstelligen Betrag – läuft der Schulbetrieb. Derzeit sind ein Klassenraum sowie zwei Musiksäle nicht nutzbar. Die Klassen sind ausgelagert. In zwei Chemieräumen im Obergeschoss kann nur Theorieunterricht abgehalten werden, da die Chemikalien aufgrund der Temperaturen entfernt wurden. „Ein Musiksaal kann bald wieder in Betrieb genommen werden“, sagt Michael Pack, Referatsleiter für kreiseigenes Bauen bei der Kreisverwaltung. „Bei dem anderen muss aber das Dach noch neu gemacht werden.“ Und das dauere.
Das komplette Ausmaß des Unwetters habe sich erst im Laufe der Zeit gezeigt. Zum anfänglichen Großschaden am Dach, im Obergeschoss, an den Musiksälen und auf dem Zwischendach sowie den Wasserschäden kamen noch weitere Baustellen hinzu. Die Lamellendecke im Eingangsbereich der Schule ist beschädigt. Dachteile sind bis zu den hintersten Bereichen der benachbarten Dächer geflogen. Dort muss nun geprüft werden, ob etwas beschädigt wurde.
In den vergangenen Wochen ist in und an der Schule schon einiges passiert. Auf dem Dach wurde eine Plane verlegt, lose Teile sind entfernt, kaputte Scheiben verschlossen worden. Die geknickten Bäume auf dem Schulhof wurden entfernt, die restlichen kontrolliert – auch jene auf der rückwärtigen Seite des Gebäudes. Vor dem Winter soll das Dach dann noch besser abgedichtet werden. Und im Idealfall die Klimageräte bestellt werden, damit Schüler und Lehrer im Obergeschoss des Gymnasiums auch im nächsten Sommer einen kühlen Kopf bewahren können.