Mutterstadt / Fussgönheim
Gute Zeiten für Pharma-Logistiker – Frigo-Trans wächst weiter
Frigo-Trans wächst! Gewaltig! Das wird einem bewusst, wenn man mitten in einer der neuen 9800 Quadratmeter großen, 13,80 Meter hohen Halle steht. Noch sind diese leer, erst kommenden Monat soll der Innenausbau beginnen. Doch hört man Reiner Roß, einer der Geschäftsführer der Fußgönheimer GmbH, aufmerksam zu, kann man die Reihen, Regalfelder und Paletten schon genau vor Augen sehen. Blitzschnell rechnet er vor: 32.500 Paletten haben künftig Platz in dieser und einer weiteren Halle gleichen Ausmaßes.
„Nein, hier wird kein Impfstoff gelagert“, nimmt er gleich die Frage vorweg, die sich viele gestellt hätten, nachdem Frigo-Trans auch mit dem Corona-Impfstoff in Verbindung gebracht wurde. Dazu wäre es in den Hallen zu warm. Impfstoffe müssen in der Regel bei Temperaturen zwischen zwei bis acht Grad Celsius aufbewahrt werden. Das ist unter anderem im Lager am Hauptsitz in Fußgönheim möglich. „Hier in Mutterstadt entsteht ein sogenanntes Warmlager“, erläutert die Unternehmenssprecherin Elke Hauck, was aber nicht bedeute, dass es im Sommer nicht auch gekühlt werden muss. Dafür wird hier eine neue Temperiertechnik verbaut und die Hallen aufwendig gedämmt. Allein die Dämmung ist laut des Geschäftsführers eine Investition im sechsstelligen Bereich. Die pharmazeutischen Produkte werden hier bei 15 bis 25 Grad gelagert und umgeschlagen. Das können beispielsweise Verpackungsmittel, Spritzen, Kanülen, Tablettenformen, aber auch Nährlösungen sein.
Große Flächen sind rar
Von Mutterstadt aus werden diese Waren dann über den Landweg nach ganz Europa verbracht oder für den Flug zu Unternehmen in der ganzen Welt abgefertigt. Dieser Service sei ein Beispiel dafür, wie man sich auf die Bedürfnisse der Kunden einstellen könne, sagt Reiner Roß. Frigo-Trans sei unter anderem berechtigt, Luftfracht so transportfähig zu machen, dass die Waren direkt in den Flieger geladen werden dürfen und sich der Sicherheitscheck am Flughafen erübrige. Auch das werde in Mutterstadt durchgeführt. „Die Zertifizierung erfordert hohe Sicherheitsstandards, denn letztendlich geht es um Terrorschutz“, erklärt Elke Hauck.
Dies, aber auch Angebote wie Kleinst-Kommissionierungen oder Caches (vom Kunden separat buchbarer Bereiche im Lager) seien nur einige Beispiele für die auf die Kunden zugeschnittenen Logistik-Konzepte. Denn: „Pharmazeutische Prozesse sind eine Herausforderung für ein Logistik-Unternehmen“, sagt der Geschäftsführer. Und genau diese Spezialisierungen seien die Gründe, warum Frigo-Trans nach seinen Aussagen als Pharma-Logistiker zu den Marktführern in Europa zählt.
Und die Marktführung könnte nun noch ausgebaut werden. Zu den bestehenden Lagerflächen von 31.000 Quadratmetern in Fußgönheim und 2000 Quadratmetern am ursprünglichen Standort in Frankenthal kommen nun noch einmal 19.500 Quadratmeter in Mutterstadt oben drauf. „Die Pharmabranche wächst, wir wissen, was da noch mit unseren Kunden möglich ist“, nennt der Geschäftsführer den Grund, warum das Unternehmen mit derzeit 160 Mitarbeitern nach nur sechs Jahren wieder expandiert. 2015 hat Frigo-Trans seinen Firmensitz von Frankenthal nach Fußgönheim verlegt. Der Grund war damals der gleiche: „Wir brauchten mehr Flächen“, sagt er. Doch die gab es in der Stadt nicht. In Fußgönheim hatte das Unternehmen nun wieder das Problem. „Eigentlich wollten wir schon viel früher erweitern“, berichtet er. Doch Frigo-Trans fand einfach keine Flächen in der benötigten Dimension zum Kauf.
Moderater Lkw-Verkehr
Haus und Co, eine Heidelberger Projektmanagement GmbH, hatte die Flächen von 3,25 Hektar im Erweiterungsgebiet des Mutterstadter Gewerbegebietes. „Sie baut die Halle und wir werden Langzeitmieter“, sagt Elke Hauck. Dennoch investiere Frigo-Trans einen siebenstelligen Betrag in den Lagerhallenkomplex, um diesen an die Firmen-Bedürfnisse anzupassen. Dort werden dann etwa 30 Arbeitsplätze für neue Mitarbeiter entstehen. Und auch Firmen aus Mutterstadt und der Region würden profitieren, wie etwa ein Getränkezulieferer oder ein Reinigungsunternehmen. Man verstehe sich als regionales Unternehmen.
Die Arbeit des neuen Frigo-Trans-Teams in Mutterstadt werde erst einmal sein, einen Teil der Produkte von Fußgönheim nach Mutterstadt auszulagern, denn dort seien die Lagerkapazitäten erschöpft. Dafür und für die neuen Aufträge stehen zudem 19 Laderampensysteme zur Verfügung, von wo aus die Lkw an- und abfahren. Das Verkehrsaufkommen hält der Geschäftsführer für moderat. „Zu Spitzenzeiten könnten es etwa 20 bis 30 Lkw pro Tag sein, wir sind kein volumenträchtiges Unternehmen“, sagt er. In Betrieb soll die Halle zum 1. September genommen werden, da sei man im Zeitplan.
Und die weitere Zukunft ist geplant, denn mit der Erweiterung in Mutterstadt sei längst nicht Schluss. Frigo-Trans prosperiert: „Wir suchen schon jetzt weitere Flächen von sieben bis acht Hektar im Umkreis von 30 bis 40 Kilometern von unserem Standort aus.“ Man sei schon intensiv mit den umliegenden Kommunen in Gesprächen. Corona habe dem Unternehmen, das nach eigenen Angaben 2020 etwa 31,5 Millionen Euro umgesetzt hat, nicht wirklich geschadet. „Wir haben gut daran getan, uns bereits 2002 auf Pharma zu spezialisieren“, sagt Reiner Roß.