Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Gute Stimmung auf den Wertstoffhöfen im Frankenthaler Umland

Erleichtert brachten am Samstag viele Bobenheim-Roxheimer ihre Gartenabfälle zum wieder geöffneten Wertstoffhof.
Erleichtert brachten am Samstag viele Bobenheim-Roxheimer ihre Gartenabfälle zum wieder geöffneten Wertstoffhof.

Die Wertstoffhöfe in der Region sind – unter Auflagen – wieder geöffnet. Ein erster Schritt in Richtung „altes Leben“. Auf den Sammelplätzen in Bobenheim-Roxheim, Heßheim und Lambsheim ging es am Samstag überraschend friedlich zu. Und die Bürger erzählten, was sie in den vergangenen Wochen so alles erledigt haben.

Kurz nach 9 Uhr am Samstag stehen Bürgermeister Michael Müller (SPD) und sein Stellvertreter Frank Peter (CDU) entspannt auf dem Bobenheim-Roxheimer Wertstoffhof. In der Spitze hätten die Bürger rund eine Stunde Wartezeit in Kauf nehmen müssen, berichten sie. Das sei kurz nach der Öffnung um 7.30 Uhr gewesen. Jetzt herrsche „ganz normaler Betrieb“, sagt Müller. Vergleichbar mit einem Samstag vor der Corona-Krise, ergänzt Betriebshofleiter Peter Barthmann. Von den Mengen her sei es ebenfalls nicht viel mehr. Die Autos seien nicht überladen. Es gibt gegen 9.30 Uhr keinen Rückstau auf die Industriestraße mehr.

Die Leute sind entspannt, scherzen miteinander. „Abstand halten“, meint ein Zulieferer beim Aussteigen zu seinem Hintermann, breitet die Arme aus und lacht. „Mein Auto hat doch kein Corona“, ruft es aus dem Wageninnern spöttisch zurück. Selbst als die Wagen bis zum ehemaligen Lekkerland-Gelände und darüber hinaus gestanden hätten, seien alle Bürger freundlich gewesen und geduldig geblieben, berichtet die Ortsspitze. Das bleibt so bis zum Betriebsende gegen 13 Uhr. „Viele Leute haben Süßigkeiten und Eis mitgebracht“, sagt Müller, als er sich erleichtert auf den Heimweg macht. Er und Peter hatten mit größeren Problemen wegen Andrangs gerechnet, aber möglicherweise haben die Appelle an die Bürger etwas bewirkt.

Manche kommen mehrmals am Tag

Judith Karl ist schon zum dritten Mal mit Fahrrad und Anhänger gekommen. Sie arbeitet im Schichtdienst in der Stadtklinik Frankenthal, hat an diesem Tag frei – das passt. Da muss alles an Grünschnitt raus. Dieter Kraus hat auch den Grünabfall seines Nachbarn dabei. Er hat mit mehr Andrang gerechnet. Jürgen Heinrich ist „heilfroh“, dass wieder offen ist. Er hat einen großen Garten und wird an dem Tag mehrere Anhängerfahrten mit dem Rad absolvieren. Hubert Feldmann versenkt einen kleinen Mixer im Container: „Der ist in der Corona-Zeit zu Hause auffällig geworden“, sagt er und lacht. Christa Knauth freut sich über mehr Bewegungsfreiheit, und bei Hamid Chamki hat sich wegen der Terrassenrenovierung der Bauschutt „akkumuliert“. Er ist froh, dass der nun wegkommt.

Auch in Heßheim und Lambsheim wird bei Übermengen oder mehrmaliger Anlieferung nicht gemeckert. Michael Reith (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim, habe die Mitarbeiter gebeten, kulant zu sein, informiert der Lambsheimer Bauhofleiter Marcel Schier. Ähnlich ist die Lage im Heßheimer Wertstoffhof an der Deponie bei Süd-Müll. Mitarbeiter Thomas Eck spricht von normalem Betrieb. Etwas mehr Grünschnitt, aber das verwundere ja nicht, nachdem vier Wochen geschlossen gewesen sei. In Heßheim ist es zudem nicht der erste Öffnungstag. Viele haben schon unter der Woche ihren Grünschnitt abgeliefert.

Bürger nehmen häusliche Projekte in Angriff

Fritz Christmann aus Beindersheim kann über jene, die wegen der Schließung der Wertstoffhöfe auf die Barrikaden gingen, Leserbriefe schrieben, nur schmunzeln. Er rät zu mehr Gelassenheit. Trotzdem findet er es gut, dass wieder offen ist, weil der Müll sonst womöglich in der Landschaft lande. Er kam bisher regelmäßig mit E-Bike und Anhänger zum Wertstoffhof. Hat er ausgemistet in jüngster Zeit? „Im Lewe net“, meint er lächelnd.

Hartmut Leinweber aus Beindersheim ist das Projekt Pool angegangen. „Das war schon länger geplant, ist aber immer verschoben worden“, sagt er. Rentner Hans Günter Hörner aus Beindersheim hat ein Vordach abgerissen, wirft Ziegel in den Container. Er habe jetzt mehr Zeit, weil er ja die Enkel nicht sehen könne. Den Grünschnitt hat er schon am Donnerstag gebracht. Jochen Werner aus Großniedesheim hat nicht erwartet, dass es so entspannt zugeht: „Ich habe mich bei der Abfahrt bis zum Mittag verabschiedet.“

Den meisten war nicht langweilig

In Lambsheim findet sich eine Tasse der Schlossnarren aus der Kampagne 2006/07 im Bauschutt wieder. War in der bisherigen Pandemiephase mehr Zeit zum Ausmisten? Viele in Lambsheim verneinen das. Reiner Merz arbeitet im Homeoffice, Oliver Kluger hat im Haus mehr montiert als abgebaut, Olaf Jurk ist im Lebensmittelbereich beschäftigt, hat sogar Überstunden gemacht. Wolf Tervooren ist Arzt, und auch Erzieherin Heike Dannheim-Bentz war nicht arbeitslos.

Niemand, den die RHEINPFALZ befragt, glaubt, dass die Schließung eine überzogene Maßnahme gewesen sei. Dannheim-Bentz dankt den Mitarbeitern im Wertstoffhof für ihren Einsatz. Froh sind alle, dass die Einrichtung wieder Abfall annimmt, hauptsächlich wegen des Grünschnitts. Tervooren ist überrascht, wie entspannt alles abläuft, und Hardy Lechner verrät, dass die Abfallentsorgung für ihn gar nicht so dringend war: „Ich hätte alles noch ein wenig länger lagern können.“

Walter Frank vom Bauhof berichtet von ständigem Betrieb am Samstag. Nur ganz früh sei der Rückstau etwas länger gewesen. Doch: „Alle sind freundlich, alle haben Zeit.“ Auch einer aus der Bandfamilie Grabowsky, Erhan Yilmazlar, schleppt Grünschnitt zu den Containern. Immer nur „Wein, Weib und Gesang“ gibt’s eben selbst bei den Frankenthaler Schorlerockern nicht. Manchmal muss auch der Müll raus.

Ein Verkehrschaos blieb am ersten Öffnungstag aus. Vermutlich auch dank der Mitarbeiter, die die Einfahrten regelten.
Ein Verkehrschaos blieb am ersten Öffnungstag aus. Vermutlich auch dank der Mitarbeiter, die die Einfahrten regelten.
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