Hessheim RHEINPFALZ Plus Artikel Grundschulrektorin Scott verabschiedet sich

Birgit Scott in einer ihrer letzten Unterrichtsstunden an der Heßheimer Grundschule.
Birgit Scott in einer ihrer letzten Unterrichtsstunden an der Heßheimer Grundschule.

Zum Monatsende verlässt Birgit Scott die Heßheimer Grundschule. Seit 2009 war sie dort als Schulleiterin tätig. Der Abschied fällt ihr zwar nicht schwer, aber auf die Zeit in ihrem Traumberuf schaut sie trotzdem ein bisschen wehmütig zurück.

Die 63-jährige Vollblutpädagogin bereut es nicht, sich für die Altersteilzeit entschieden zu haben. Am 1. Februar beginnt deren passiver Teil, was bedeutet, dass sie noch ein Gehalt bezieht, aber nicht mehr im Schuldienst aktiv ist. In den vergangenen Jahrzehnten sei in dem Beruf doch vieles hinzugekommen, was es in ihrer Anfangszeit noch nicht gab: „Bürokratie, Statistik, Portale, in denen man aktiv sein muss ...“ Die Menschen, mit denen und für die sie gearbeitet hat, werde sie vermissen, sagt Scott, aber die Freude über neue Freiheiten und Freizeiten scheint zu überwiegen. „Jetzt habe ich endlich mehr Zeit zum Wandern“, sagt sie und verrät, dass sie mit einer Freundin bald den Jakobsweg gehen will.

Die verheiratete Frankenthalerin, die aus Bobenheim-Roxheim stammt, hat sehr früh gewusst, dass sie Lehrerin werden will. Das Problem war nur: Sie besuchte die damalige Hauptschule, und ihr Vater hatte andere Vorstellungen von ihrer beruflichen Zukunft. „Ich hatte den Vertrag für die Ausbildung zur Bankkauffrau schon in der Tasche“, erzählt sie. „Dann habe ich mich aber doch durchgesetzt.“ Soll heißen: Sie absolvierte in der Frankenthaler Robert-Schuman-Schule das freiwillige zehnte Schuljahr, und wechselte dann aufs Albert-Einstein-Gymnasium, um das Abitur zu machen. Scotts Weg ist ein Beispiel dafür, wie durchlässig damals schon das deutsche Bildungssystem war. „Aber einfach war das nicht“, versichert sie.

Damals gab’s die „Lehrerschwemme“

In Landau studierte sie anschließend bis 1984 Deutsch und Grundschulpädagogik. Altersgenossen wissen: Damals passten Angebot und Nachfrage im Schulwesen nicht zusammen. Stichwort Lehrerschwemme. Birgit Scott bekam keine Stelle, was sie heute einen Segen nennt. Denn auf dem Ausweichposten einer pädagogischen Fachkraft in einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Sprache habe sie viel gelernt und sich das Fach Evangelische Religion erarbeitet. Später hat sie noch eine Zusatzqualifikation in Englisch gemacht.

Nach zwei Jahren gab es für sie eine Planstelle in Bad Dürkheim, 1993 wechselte sie an die Neumayerschule in Frankenthal. Von dort ging es 2007 auf die Schulleiterstelle in Gerolsheim-Laumersheim. Doch die Verteilung des Grundschulbetriebs auf zwei Standorte ohne Sporthalle mit viel Busfahrerei machte ihr zu schaffen. Im benachbarten Heßheim dagegen habe sie „ideale Bedingungen“ vorgefunden, als sie nach zwei Jahren dort die Stelle der Rektorin antrat. Die dortige Halbtagsschule mit ihren damals 90 Schülern bezeichnet sie als gut ausgestattet.

Schule wird bald vergrößert

Der schöne Schulhof hat es der Pädagogin angetan, das konnte die RHEINPFALZ im vergangenen Sommer sehen, als sie für die Artikelserie „Grundschulleben“ im Frankenthaler Umland unterwegs war. Aber das Pausengelände ist mittlerweile wegen der dort aufgestellten Unterrichtscontainer geschrumpft und wird bei der anstehenden Vergrößerung der Schule Fläche abgeben müssen. Denn mittlerweile werden von elf Lehrerinnen 144 Kinder in sechs Klassen unterrichtet. „Vermutlich wird es dann auf getrennte Pausen für die Erst- und Zweitklässler sowie die Dritt- und Viertklässler hinauslaufen“, meint Scott.

Im Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte in der Grundschulpädagogik sieht sie eine starke Veränderung in den Bedürfnissen der Kinder: „Sie brauchen heute viel mehr Aufmerksamkeit, viel mehr individuelle Zuwendung. Das ist für Lehrer eine Herausforderung.“ Früher sei es doch hauptsächlich um die Stoffvermittlung gegangen, heute müsse man Moderatorin, Diagnostikerin, Mediatorin und Medienberaterin sein. „Da ist es wirklich gut, dass es inzwischen die Schulsozialarbeit an Grundschulen gibt.“

Erinnerung an Corona

Sehr gern denkt die angehende Ruheständlerin an besondere Ereignisse im Heßheimer Schulleben zurück – an die außerschulischen Lernorte, an denen sie die Schüler noch mal ganz anders kennenlernen konnte. Auch die Hundertjahrfeier der Schule und die großen Projekte, etwa zu Nachhaltigkeit oder Experimenten, werden ihr in guter Erinnerung bleiben. Am liebsten vergessen würde sie die Coronazeit, „in der Lehrern, Schülern und Eltern unglaublich viel abverlangt wurde“.

Ihr Dank gilt ihrem über das Pflichtpensum hinaus engagierten Kollegium, dem Schulträger „für die wertschätzende Zusammenarbeit“ und „einer tollen Personalrätin, die immer ein offenes Ohr hatte“. Birgit Scott wird am 24. Januar offiziell verabschiedet und ab 1. Februar übernimmt vermutlich Steffen Schmitt die Führung an der Heßheimer Grundschule. Von der Schulaufsichtsbehörde bestätigt ist das allerdings noch nicht. Ein bisschen was davon, wie sich Schule weiterentwickelt, wird Birgit Scott auch im Ruhestand noch mitbekommen. Denn ihre Tochter hat ein Lehramtsstudium begonnen, „das Arbeitsfeld begleitet mich also weiter“.

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