Grundschulleben RHEINPFALZ Plus Artikel Programm „Ich und du und wir“ soll in Heßheim Sozialkompetenz der Kinder stärken

Birgit Scott mag ihre Arbeit an der Heßheimer Grundschule. Das Spiel- und Bewegungsgelände allerdings dürfte größer sein, findet
Birgit Scott mag ihre Arbeit an der Heßheimer Grundschule. Das Spiel- und Bewegungsgelände allerdings dürfte größer sein, findet sie. Aber daran lässt sich wohl nichts ändern.

Grundschulleben (4): „Ich und du und wir“ – der Titel eines Präventionsprogramms für Grundschulen könnte auch das Motto der Heßheimer Halbtagsschule sein. Dort wird viel Wert auf soziale Kompetenzen gelegt, wie Rektorin Birgit Scott berichtet. Die Grundlage sei, sich selbst gut wahrnehmen und anderen zuhören zu können.

„Die Grundschule Heßheim ist eine kleine, überschaubare Schule“, heißt es auf deren Internetseite. Das bedeutet im kommenden Schuljahr nach derzeitigem Anmeldungsstand: 146 Kinder in acht Klassen, darunter zwei Klassen für 37 Anfänger. Zehn ausschließlich weibliche Lehrkräfte sind für die Schüler da, acht davon sind Klassenlehrerinnen. Für Sport und Musik gibt es extra ausgebildete Kräfte, was für Birgit Scott ein großes Glück bedeutet. Grundschulpädagogen sollen zwar im Prinzip jedes Fach unterrichten können, aber gerade in den beiden genannten Fächern sind Lehrer, die sie richtig studiert haben, ein Vorteil.

Eine Heßheimer Besonderheit ist die Aufteilung der Betreuung nach dem Unterricht. Bis maximal 14 Uhr geht das tägliche Programm der von der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim organisierten Betreuenden Grundschule. Kinder, die länger (bis 16.30 Uhr) betreut werden und ein warmes Mittagessen bekommen sollen, werden von den Eltern in der Regel im Kinderhort der Ortsgemeinde angemeldet. Dabei handelt es sich um Schülergruppen, die an die kommunale Kindertagesstätte angedockt sind. Und seit einem Jahr bietet die Schule selbst montags bis mittwochs eine kostenlose Hausaufgabenbetreuung an.

Förderverein fehlt

Birgit Scott ist zufrieden, wie das Grundschulleben in der 3200 Einwohner zählenden Gemeinde organisiert ist. „Ich bin seit 2009 hier Rektorin und war vorher an der Grundschule Gerolsheim-Laumersheim tätig“, erzählt die Pädagogin, die Ende Januar 2025 im Alter von 63 Jahren in den passiven Teil ihrer Altersteilzeit wechseln wird. Sie freut sich über „starke Kinder und engagierte Eltern, die sich stark einbringen“. Beim jüngsten Schulfest zum Beispiel wurden mit Elternhilfe 1700 Euro erwirtschaftet. „Ich bedaure allerdings, dass sich noch kein Schulförderverein gegründet hat“, sagt Scott. „Denn der könnte uns abseits des Schuletats bei Projekten unter die Arme greifen.“ Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Bisweilen kümmert sich das Kollegium halt selbst darum, Sponsoren für dies und das, zum Beispiel ein Zirkusprojekt, zu finden.

Apropos Projekte: Den Unterrichtsalltag hat laut Scott zuletzt unter anderem ein naturwissenschaftliches Programm mit vielen Experimenten belebt. „Dabei ging es zum Beispiel um Elektrizität, Kraft und Gleichgewicht, Lebensmittel, Luft und Seife.“ Regelmäßig besuchten die Kinder die Stadtbücherei in Frankenthal und die Wormser „Schule im Grünen“, mit der Gemeindebücherei und der Heßheimer Kita gebe es eine gute Zusammenarbeit, ebenso mit dem Sportverein ASV, dessen Gelände man nutzen dürfe.

Groß sei der Andrang für die sogenannten stillen Pausen, berichtet die Rektorin. „An den Tagen, wenn die Schulsozialarbeiterin im Haus ist, gibt es diese Pausenzeiten, in denen die Kinder mal komplett abschalten und entspannen können.“ Ganz klar: Das Schulleben ist in den vergangenen Jahrzehnten für Schüler wie Lehrer anstrengender geworden, Rektoren müssen mehr Verwaltungs- und Statistikaufgaben bewältigen und die Bildungspolitik hält alle mit immer neuen Konzepten in Atem.

Aktuell beschäftigt die rheinland-pfälzischen Schulleitungen, wie die neue Grundschulordnung in die Praxis umgesetzt werden soll. „Das wird eine große Zukunftsaufgabe sein“, meint Birgit Scott. Die Schulordnung setzt unter anderem auf den Einsatz von Diagnose- und Förderprogrammen in den Bereichen Lesen und Mathematik. Dieser Aufwand wird ausgeglichen, indem die Anzahl der Klassenarbeiten in Deutsch und Mathe reduziert wird. Das findet die Heßheimer Rektorin gut, denn sie sieht die Notwendigkeit, dass Schulen viel stärker individuell auf die Kinder eingehen müssen.

Sozialkompetenz zur Vorbeugung aggressiven Verhaltens steht im Mittelpunkt des Programms „Ich und du und wir“, für das sich das Kollegium fortgebildet hat. „Die Kinder werden zunächst geschult in Selbstwahrnehmung und im Umgang mit sich selbst“, erläutert Rektorin Scott. „Dann geht es um die Interaktion mit einer anderen Person und schließlich um das Verhalten in einer Gruppe.“ Eines unter 20 Kindern zu sein, sei nicht so leicht, weiß die Pädagogin. Andere Meinungen gelten zu lassen und Kompromisse zu schließen, müsse gelernt werden. Ergänzt werde dieses spezielle Training in Heßheim um das Programm „Ohrenspitzer“, bei dem es ums Hören und Zuhören gehe.

Warten auf die Erweiterung

Beim Stichwort Bausachen wirkt Birgit Scott nicht mehr ganz so zufrieden. Die Heßheimer Grundschule ist für die Erweiterung vorgesehen, doch die Verhandlungen mit dem Land wegen der Zuschüsse sind zäh, die Angelegenheit zieht sich schon recht lange hin. Deshalb werden im kommenden Schuljahr wohl weiterhin zwei Klassen in Containern unterrichtet werden, was zulasten des Außengeländes geht. Der Pausenhof sei ohnehin zu klein und könne aufgrund seiner Lage nicht vergrößert werden. Das könne man sich leicht ausrechnen, meint Scott. „Als ich 2009 hier angefangen habe, waren es 90 Schüler, jetzt sind es fast 150.“

Die Serie

Es sind Sommerferien, doch das heißt nicht, dass Lehrer sechs Wochen lang die Füße hochlegen oder durch die Welt reisen können. Wenn es um die Bildungschancen von Kindern geht, gibt es immer was zu tun und zu bedenken. In der Serie „Grundschulleben“ blicken wir mit Rektorinnen und Rektoren im Frankenthaler Umland voraus auf das Schuljahr 2024/25.

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