Römerberg
Grundschulleiterin geht in Ruhestand: Schule zum zweiten Zuhause gemacht
„Mehr Zeit für Mutter und Schwiegermutter, für zwei Enkel und die Ortspolitik.“ Martina Kopf zählt auf, was ihr im dritten Lebensabschnitt wichtig ist. Die 65-Jährige bezeichnet ihn als „letzten“, doch eigentlich will sie diesen Gedanken nicht zulassen. Lieber will sie das Leben genießen, das durch ihren Traumberuf geprägt wurde.
Bereits als Kind in der Bellheimer Grundschule sei ihr klar geworden: „Ich werde Lehrerin.“ Immer habe sie sich in der Schule wohl gefühlt, besonders die ersten drei Jahre im Unterricht einer Ordensschwester. „Da hat Lernen Spaß gemacht.“ Beschlossen und getan. In Bellheim ist Kopf geblieben, hat eine Familie gegründet, zwei Töchter groß gezogen. „Ich war immer berufstätige Mutter“, erklärt die Schulleiterin ihr großes Verständnis für den Bedarf der Eltern an ganztägiger Betreuung ihrer Kinder. „Ohne meine Mutter hätte ich meinen Beruf nicht ausüben können“, sagt Kopf und berichtet von damals ab Mittag geschlossenen Kindergärten und nur wenigen Betreuungsangeboten am Nachmittag. Manchmal habe sie ihre jüngere Tochter zur Arbeit mitgenommen, erinnert sich Kopf. „Putzfrau in der Schule“ habe die Tochter damals werden wollen, weil die Reinigungskräfte sie oft unter ihre Fittiche genommen hätten. Inzwischen habe ihre Jüngste als Erzieherin ihren Traumberuf gefunden.
Motto mit Leben
erfüllt24 Jahre war Martina Kopf Lehrerin in Römerberg, zunächst als Konrektorin der Berghausener Grund- und Hauptschule. Kopf hat die Umwandlung der Haupt- in Regionalschulen und schließlich Realschulen plus mitgetragen. Nachdem die letzte neunte Klasse die Schule verlassen hatte, sei mehr Platz für die Grundschule entstanden, beschreibt sie den Übergang zur Ganztagsgrundschule am Standort Berghausen, die sie seit 15 Jahren leitet.
Bewusst werde das Tor zur Berghausener Grundschule morgens bereits um sieben geöffnet und um 17 Uhr geschlossen. „Ich weiß, was es bedeutet, pünktlich zum Arbeitsplatz zu kommen und das Kind genauso pünktlich wieder abzuholen“, sagt die zweifache Mutter und Großmutter. Kopfs Motto „Hilf mir, es selbst zu tun“ entspringt Leitgedanken der Reformpädagogin Maria Montessori. Die Berghausener Schulleiterin hat es mit Leben erfüllt.
Dass sich die Schule mit den Jahren in Richtung Zweizügigkeit verkleinert hat, betrachtet Kopf als Gewinn. Kleine Klassen sind für sie der Schlüssel für einen guten Start ins Schülerleben. „Mit 24 Kindern pro Klasse wird es schwer, Beziehungen zu entwickeln und jedes Kind da abzuholen, wo es steht“, ist Kopf überzeugt. „Unsere Klassenstärke ist so gering, dass auch in der Corona-Zeit alle Kinder in die Schule kommen konnten“, sagt sie.
Derzeit unterrichtet die Schulleiterin eine erste Klasse. Dass sie sich am Freitag endgültig von „ihren“ Kindern verabschieden soll, macht ihr am meisten zu schaffen. „Ich kenne jedes der rund 140 Kinder“, betont Kopf den familiären Charakter der Schule. Ihr großer Wunsch, dass Kollegen, Mitarbeiter und Schüler die Berghausener Grundschule als zweites Zuhause ansehen, ist in Erfüllung gegangen. Dazu gehöre auch eine ansprechende Optik der Schulräume, betont sie. Dazu und beispielsweise auch zur Anschaffung von Smartboards in jedem Klassenraum habe die Ortsgemeinde maßgeblich auch mit finanziellen Zuwendungen beigetragen.
Kopf ist froh, dass mit Lena Dubetz eine Lehrerin aus dem Kollegium ihre Nachfolge antritt. „Mit ihr geht es im gleichen Geist weiter“, ist die scheidende Schulleiterin sicher. „Sie kann mich jederzeit anrufen.“ Kopf will auch weiterhin ihre Erfahrung einbringen und helfen, wo sie kann. Sie weiß, dass Erfahrung andere Sichtweisen auf Probleme eröffnet. „Ich würde heute manches anders machen“, räumt sie ein. „Erfahrung macht gelassener.“
Für die Position der Schulleiterin habe sie sich entschieden, um Schule zu gestalten, erklärt Kopf. Hinterlassen wird sie eine Schule für alle – inklusive Lernpaten und Schulelternbeirat. „Vielleicht kann ich mich an weniger Druck und Verantwortung gewöhnen“, hofft sie mit Blick auf den Ruhestand und freut sich auf gemütliche Morgenstunden „mit ausgiebiger RHEINPFALZ-Lektüre“ am Bellheimer Frühstückstisch.