Bobenheim-Roxheim
Grundschüler spielen „Papageno und die Zauberflöte“
Die jungen Akteure, Mädchen und Buben im Alter von sechs bis zehn Jahren, nahmen ihre Aufgabe sehr ernst, ob als Papageno, als Schlange, als Musiker, als Chormitglied, als Regisseur, Intendant oder Requisitenmeister. Die Hauptrollen – Königin der Nacht, Prinz Tamino, Prinzessin Pamina und der Naturbursche Papageno – hatten jeweils ein kindliches Double, das an ihrer Seite oder auch allein agierte.
Der Inhalt des Stücks: Pamina, die Tochter der Königin der Nacht, wurde entführt. Prinz Tamino soll sie mit Hilfe Papagenos befreien. Ihre Hilfsmittel: Glockenspiel und Zauberflöte mit magischen Kräften. Papageno, der es mit der Wahrheit nicht so ernst nimmt – „der eine erzählt eine Geschichte, und der andere hat andere Fakten“ – und sich auch gern besser darstellt, ist gar nicht so begeistert, weil ängstlich, aber Tamino ist wild entschlossen, hat er sich doch in das Foto der Prinzessin verliebt. Doch bevor er sie am Ende gewinnt – und auch Papageno seine Papagena findet – gilt es „gefährliche Prüfungen“ zu meistern. Wie die Feuer-Wasser-Probe. Hier musste das Publikum beim Wort Wasser blaue und beim Wort Feuer rote Fähnchen schwenken.
Alltagssprache, Komik und Action
Immer wieder brach in den Dialogen unsere Alltagssprache durch, etwa als drei Damen – vom schönen, ohnmächtigen Prinzen bezaubert – zum Abschied ein „ciao bello“ hauchten. Auch Komik und Action fehlten nicht. Gerade Papageno ließ diese Elemente nicht zu kurz kommen.
Jede der wenigen verkürzten Arien wurde eingeführt, erklärt. Beeindruckend war das mehrmals wiederkehrende, verbindende und einende Lied „Glockenspiel und Zauberflöte“. Kinder, Schauspieler und Lehrer wandten sich zur Empore, sangen und tanzten in einheitlicher Choreografie zu modernen Rhythmen. Es stammt aus der Feder des Schwetzingers Jürgen Färber, berichteten im Anschluss die Schauspiel- und Gesangprofis Lena Hartmann und Frederik Baldus.
Sie gehören zum 2009 gegründeten Tourneeensemble Opernretter, gehen in Schulen, erarbeiten mit den Kindern ein Stück oder kommen gezielt für ein, zwei Aufführungen an die Schulen, erläuterte Baldus. Ziel sei es, Kinder an klassische Musik heranzuführen, zu zeigen, wie Rektor Martin Lubojanski es ausdrückte, dass der „Opern- und Operettenstil nichts Altmodisches ist“.
„Alle sollen mal vorne stehen“
Frederik Baldus sieht bei Grundschülern in ländlichen Gegenden kaum Zugang zu Kultur. Diese kulturelle Diaspora sei Ziel des Ensembles. „Wir holen die Kinder da ab, wo sie stehen“, meinte der Sänger. Dafür würden Stücke gekürzt und angepasst oder aus einem Mix an klassischen Vorlagen neue Stücke kreiert. Baldus ist überzeugt: „Man kann Kindern Kultur zumuten, am besten gelingt das, wenn sie mitmachen dürfen.“
Vier Tage dauerte die Projektwoche. Gemeinsam mit den Opernrettern – teils verfügen die Sänger über ein pädagogisches Studium im Nebenfach – erarbeiteten die Kinder ihr Stück, gestalteten das Bühnenbild mit, die Choreografie, probten Lieder, schneiderten. Alle Jobs vor und hinter den Kulissen übernahmen sie. „Alle sollen mal mit vorne stehen“, betonte Rektor Lubojanski. Das hat wohl auch gut geklappt. Die Kinder waren am Ende voll begeistert. Chorsänger und zweiter Knabe Luca Rogalski hat die Probezeit sehr gut gefallen, einziger Wermutstropfen: „Blöd fand ich nur, dass man nicht öfter drankam.“
Die Schule und der Förderverein als Veranstalter gönnten sich nach der Coronapause dieses Schulprojekt für rund 7500 Euro, so der Rektor. Dafür habe er gerne Klinken geputzt, Technik und Musikanlage sogar gestellt bekommen. Zwei Drittel des Geldes sei bereits zusammengekommen, die Lücke, hoffte er, werde über den Kartenverkauf sowie Essen und Getränke gestopft. Für ihn sei es eine lohnenswerte Investition gewesen, „alle wirkten mit, dieses Gemeinschaftsgefühl, das dadurch entstanden ist, das unterscheidet dieses von anderen Projektwochen. Das war toll.“