Worms / Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Grundschüler an Rhein und Eckbach auf der Spur des Plastikmülls

Lilly, Lotta, Yaseen, Niklas und Latoja stecken an der Mündung des Eckbachs in den Rhein einen Stichprobenkreis ab.
Lilly, Lotta, Yaseen, Niklas und Latoja stecken an der Mündung des Eckbachs in den Rhein einen Stichprobenkreis ab.

Müll sammeln im Auftrag der Wissenschaft. In dieser Mission war am Mittwoch die Klasse 4b der Bobenheim-Roxheimer Rheinschule am Rhein unterwegs. Die kleinen Forscher fanden heraus, dass die Abfälle etwa in einer Woche in der Nordsee gelandet wären.

Die Expedition an den Rhein ist eine Idee der Erzieherin Nicole Born, die in der Ganztagsschule die Schüler zwischen den Unterrichtsstunden betreut. „Das Projekt wird von den Plastikpiraten des Ecologic Institut in Berlin im Auftrag des Wissenschaftsministeriums organisiert“, berichtet sie. Europaweit erfassen Schulklassen dabei, welche und wie viele Abfälle sich an oder in fließenden Gewässern befinden. Denn der Müll wandert in die Meere und belastet die Tiere und ihre Nahrungsquellen. Citizen Science (Bürgerwissenschaft) wird diese Form der Forschung genannt, bei der Amateure Fakten für Wissenschaftler sammeln.

Dass ihre Forschung viel mit Mathematik zu tun hat, erfuhren die neun Mädchen und sieben Jungen bereits bei der Vorbereitung. Allein in Deutschland werden jährlich rund 446.000 Tonnen Kunststoff in die Umwelt freigesetzt, was dem Gewicht von 300.000 Autos entspricht. Beeindruckt waren die Schüler von einem Dokumentarfilm über eine Plastikinsel im Nordpazifik von der Größe Europas.

Über Eckbach und Rhein in die Nordsee

Los geht es am Projekttag um 9 Uhr morgens. Die sechs Kilometer bis zur Mündung des Eckbachs in den Rhein bewältigen die Kinder umweltbewusst mit dem Rad. Die Stelle hat Born ausgesucht, „weil der Bach durch Bobenheim führt“. Die Schüler sollen nachvollziehen, dass der vor ihrer Haustür fallen gelassene Müll über den Eckbach und den Rhein in die Nordsee gelangt.

Gruppe A erhält einen Stock mit einem Wollfaden. Latoja und Lotte ziehen mit diesem Zirkel Stichprobenkreise, die mit Verkehrskegeln markiert werden. Neun Kreise müssen es werden, in denen die Gruppe herausfinden soll, welche Müllsorten die häufigsten sind. Den ersten Fund macht Latoja: Die Glasscherbe wandert zur Sammelstelle auf ein Handtuch. Lilly zeigt ihrer Klassenlehrerin Nathalie Dietrich eine tönerne verzierte Scherbe, die vielleicht von einer Teekanne stammt. „Ist das auch Müll?“, will das Mädchen wissen. „Klar, alles, was nicht aus der Natur stammt, ist Müll“, erklärt Dietrich.

Währenddessen schickt Nicole Born, die ehrenamtlich für die Gemeinde Bobenheim-Roxheim als Umweltbeauftragte tätig ist, Gruppe B rheinabwärts, um zwischen Ufer und Böschung Abfall zu sammeln, der später gewogen wird. Für die Beweisfotos ist Luca zuständig. Er fotografiert die Fundstücke, die später auf der Internetseite der Plastikpiraten zu sehen sein werden. „Das mit den Beweisbildern ist wie im Krimi“, meint der Junge und sucht nach der besten Perspektive für die Aufnahmen mit dem Tablet. Zwischendurch hamstert die Schulklasse fleißig Muscheln und veranstaltet kleine Wettkämpfe im Steinewerfen.

Mit Ferngläsern das Flusswasser absuchen

Gruppe C ist mit Ferngläsern ausgerüstet. „Ihr müsst eine halbe Stunde lang beobachten, ob Müll auf dem Fluss schwimmt“, sagt Svea Zander, die an der Rheinschule ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert und von der Aktion begeistert ist. „Umwelterziehung kann nicht früh genug beginnen“, findet die junge Frau. Das Projekt gefällt ihr, weil es über die sonst üblichen Aktionen zum Müllsammeln hinaus geht und Bezug zur Wissenschaft hat. Ari soll auf dem Klemmbrett die Fundstücke dokumentieren. Doch Franziska und Raghad haben in den ersten zehn Minuten nichts durch die Ferngläser entdecken können. „Das hab’ ich mir spannender vorgestellt“, meint Ari.

Doch kurz darauf meldet Raghad ein unbekanntes Objekt. „Ein Fisch oder eine Flasche!“, ruft sie aufgeregt. Der Gegenstand entpuppt sich als Plastikflasche. Später wird die Gruppe die Fließgeschwindigkeit berechnen. Bei fünf Stundenkilometern würde die Flasche in einer knappen Woche die fast 800 Kilometer entfernte Rheinmündung an der Nordsee erreichen. Das ist dann doch eine spannende Sache, findet Ari, dem der Gedanke Angst macht, wie viel Abfall sich unter der Wasseroberfläche befindet.

Gegen Mittag kehrt die Klasse in die Rheinschule zurück und wertet die Ergebnisse der Expedition aus: Knapp vier Kilogramm Müll hat sie gefunden, vorwiegend Glas, Zigarettenkippen, Kronkorken und Verpackungen von Süßigkeiten. Der ungewöhnlichste Fund war eine kleine Buddha-Statue. „Alle 16 Teilnehmer haben nach der Aktion gesagt, dass sie es überhaupt nicht okay finden, Müll in die Umwelt zu schmeißen“, berichtet Born. „Wenn das bei den Kindern hängen bleibt, bin ich schon sehr zufrieden.“

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