Rhein-Pfalz Kreis Großeinsatz an der Ganerb
«Böhl-Iggelheim/ Dudenhofen.» Ein schreckliches Szenario hat sich Feuerwehrleuten und Sanitätern aus dem Kreis am Dienstagabend auf der Kreisstraße zwischen Böhl-Iggelheim und Dudenhofen geboten: Ein Traktor, ein Kleinbus und drei Pkw waren in schwere Unfälle verwickelt. Zum Glück war das alles nur eine Übung, die Unfallopfer Statisten. Für die Wehrleute, die bei der Alarmierung von einem echten Unfall ausgingen, ein realistischer Vorfall, bei dem sie auch den Umgang mit der Presse üben sollten.
„Sie sind die echte RHEINPFALZ und wollen echte Informationen?“, fragt mich Thomas Bader. Er ist Pressesprecher der Feuerwehrführung und war, wie alle anderen Einsatzkräfte, nicht vorab über die Großübung informiert. Alles sollte unter möglichst echten Bedingungen geprobt werden. Nur die Übungsleiter, die auch die Medien informierten, wussten, dass der Alarm nicht für eine tatsächliche Katastrophe gilt. Aber die Medien sollten Teil der Übung sein und sich wie im Ernstfall verhalten. Aber von vorn: Auf dem Weg von Schifferstadt zum Einsatzort fahren vor mir von der anderen Seite Wagen des Deutschen Roten Kreuzes in den Kreisel an der Speyerer Straße. Ich fahre hinterher. Dann merke ich, dass sich hinter mir Feuerwehrfahrzeuge angeschlossen haben. Ich fahre rechts ran, auch um nicht ständig Blaulicht und Martinshorn im Genick zu haben. Dann hänge ich mich hinten an. Am FSV-Sportplatz an der Dudenhofener Straße wird es richtig eng für die Einsatzfahrzeuge. Es ist ein Fußballspiel. Rechts und links parken Autos. Zum Glück machen entgegenkommende Fahrzeuge rechtzeitig Platz und wir kommen zügig durch. An der Kreuzung Dudenhofener/Iggelheimer Straße ist der Weg nach Dudenhofen gesperrt. Ich fahre nicht mit durch die Absperrung, sondern halte am Straßenrand. Ein Polizist kommt auf mich zu. Ich weise mich als Reporter aus und darf durch. Das Auto stelle ich in gebührendem Abstand ab. Nicht nur weil ich nicht im Weg stehen will. Wer einmal von einem Einsatzfahrzeug zugeparkt wurde, weiß, dass er dann lange wartet. Unzählige Blaulichter blinken auf den Feuerwehr- und Rot-Kreuz-Fahrzeugen. Von Weitem sehe ich, dass jemand auf der Straße liegt und von einem Sanitäter behandelt wird. Ein Stück weiter finde ich ein Szenario des Schreckens. Ein Traktor mit angehängtem Pflug, ein Kleinbus und ein Pkw sind offenbar in einen furchtbaren Unfall verwickelt. Presseleute dürfen sich in abgesperrten Räumen bewegen, wenn es der Berichterstattung dient. Natürlich gibt es da auch Regeln. Nie im Weg stehen, ist eine davon. Die Retter ihre Arbeit machen lassen eine andere. Die Feuerwehrleute holen Sägen und Rettungsscheren. Offenbar müssen Eingeklemmte aus Fahrzeugen geschnitten werden. Wenn man die Szenerie im Kasten hat, braucht man aber auch Informationen. Auskunftsberechtigt ist die Einsatzleitung. Die muss man erst mal finden. Auf der Suche laufe ich weiter und sehe, dass noch ein Auto einen Unfall hatte. Hier ist keiner mehr drin. „Wir brauchen einen Dolmetscher“, ruft jemand. Ich höre, dass der Kleinbus mit „polnischen Erntehelfern“ besetzt war. Tatsächlich waren es Statisten. Ich komme an einen vermeintlichen Einsatzleitwagen. Der ist aber nur für einen Abschnitt zuständig. Auf dem Rückweg schummle ich ein bisschen, denn ich frage einen der Übungsleiter, wo es Presseinformationen gibt. Er schickt mich in die richtige Richtung. Bei der Einsatzleitung verweist man mich an Thomas Bader. Der kommt gerade an – und weiß noch nichts. „Ich muss erst mit den Abschnittsleitern und der Einsatzleitung sprechen“, sagt er und bittet um Geduld. Inzwischen ist das Dach des Pkw mit der Rettungsschere aufgeknipst und das Dach des Kleinbusses aufgesägt. Dummies werden gerettet, eine Reihe Statisten auch. „Ich pass` auf den hier auf, der hat einen schweren Schock“, sagt ein Feuerwehrmann, den ich kenne, als wir kurz Hände schütteln. Das „Schock-Opfer“ neben ihm grinst, sagt „Hallo“ und hat einen festen Händedruck. Abschnittsleiter und Zugführer stehen am Einsatzleitwagen um Bader, der sich Notizen macht. Als er dann zu mir kommt, vergewissert er sich erst, dass ich „echt“ bin und nicht ein weiterer Statist. Er berichtet: Ein Traktor und ein Kleinbus mit Erntehelfern seien zusammengestoßen, ein Pkw in diesen Unfall hineingefahren. Vor der Unfallstelle sei ein weiterer Pkw gegen einen Baum geprallt. Dann habe ein weiteres Auto, der Fahrer abgelenkt durch den Unfall, einen Radfahrer überfahren und sei von der Straße abgekommen. Von dem dritten Unfall hatte ich bis eben nichts mitbekommen. Von den Feuerwehren Böhl-Iggelheim, Römerberg und Dudenhofen seien jeweils drei Fahrzeuge mit je 16 Wehrleuten ausgerückt. Zusätzlich war die Führungsgruppe Nord des Rhein-Pfalz-Kreises mit zwei Fahrzeugen und acht Mann im Einsatz. Zehn Sanitäter sind mit der Schnelleinsatzgruppe des Deutschen Roten Kreuzes und mit einem Verpflegungswagen angekommen. Sie haben einen Patientensammelpunkt aufgebaut und einen Stand, an dem es Mineralwasser gibt. Sieben Statisten und acht Dummies wurden gerettet und medizinisch erstversorgt, falls nötig weiter transportiert. Das Übungsziel sei die Zusammenarbeit und Kommunikation der drei beteiligten Wehren gewesen. Das habe auch gut geklappt, resümiert Bader.