Rhein-Pfalz Kreis Große Säle für die Kleinen

Die neuen Schulräume wurden nun offiziell in Betrieb genommen.
Die neuen Schulräume wurden nun offiziell in Betrieb genommen.

«Schifferstadt.» Vor 150 Jahren ist das gelbe Schulhaus in Schifferstadt gebaut worden. Die alten Schifferstadter können sich noch daran erinnern, dort einmal die Schulbank gedrückt zu haben. In den vergangenen Jahrzehnten hat es als Haus der Vereine gedient, ist nun aber wieder zu seiner ursprünglichen Bestimmung zurückgekehrt – als Teil der Grundschule Nord. Am Freitag ist das Gebäude nach rund neun Monaten Umbauzeit offiziell eingeweiht worden. Drei Klassen können dort nun unterrichtet werden, die erste ist schon eingezogen.

Den Beschluss, das Haus der Vereine in ein Schulhaus umzubauen, fällte der Stadtrat im Juli 2016. Ein Klassensaal, eine Toilettenanlage, eine Behindertentoilette und ein Besprechungsraum sollten im Erdgeschoss Platz finden. Im Obergeschoss sollten zwei neue Klassensäle entstehen. Zwei Jahre nach dem Beschluss sind die Arbeiten nun beendet. Der Umbau habe 1,2 Millionen Euro gekostet, berichtet Bürgermeisterin Ilona Volk (Grüne). Das Bildungsministerium des Landes gibt einen Zuschuss von 390.000 Euro. Vom Kreis bekommt die Stadt dafür 64.702 Euro. Volk freute sich besonders, dass am Umbau auch sechs Firmen aus Schifferstadt beteiligt waren. Eine Herausforderung bei der Planung sei das Treppenhaus gewesen, erklärt Architekt Markus Röhrenbeck vom Architekturbüro Röhrenbeck und Pantelitsch aus Schifferstadt. Die Brandschutzauflagen fordern zwei getrennte Fluchtwege. Außerdem muss eine Schultreppe mindestens 1,20 Meter breit sein und darf nicht gewendelt sein, sondern die Richtung nur über ein Zwischenpodest ändern. Der Flur im Schulhaus ist aber nur 2,45 Meter breit. Die Architekten lösten das mit einer Konstruktion aus Stahl und Glastrennwänden, an denen das Geländer befestigt ist. „Das ist eine Sonderanfertigung. Ich glaube nicht, dass es in Deutschland noch eine Schule gibt, die so ein Treppenhaus hat“, sagt Röhrenbeck. Durch die vielen Glaselemente ist das Treppenhaus sehr hell. Aus Brandschutzgründen wurden die alten Holzbalkendecken mit Beton ausgefüllt. Dabei habe man teilweise bis zu 17 Zentimeter Differenz ausgleichen müssen, erläuterte Röhrenbeck. Das alte Schulhaus sei zwar sehr solide gebaut gewesen, aber nicht unbedingt hundertprozentig gerade. Auch an den Wänden mussten an einigen Stellen bis zu fünf Zentimeter Putz aufgetragen werden. Ein Grund, warum man am Ende des Umbaus in Zeitnot gekommen sei, da der Putz schichtweise trocknen musste. Tatsächlich hätten die Handwerker am Ende des Umbaus Sonderschichten am Wochenende eingelegt, wofür ihnen Ilona Volk und Bauamtsleiterin Jana Hempel bei der Einweihung noch einmal ausdrücklich dankten. Die drei Schulsäle sind mit je 93 Quadratmetern sehr groß. Auch hier gibt es eine Besonderheit. Die Tafel ist an einer Trennwand befestigt, die als Raumteiler fungiert. Hinter der Trennwand befinden sich die Garderobe und ein Stauraum, davor der immer noch sehr große Schulsaal. Unangenehm laut wird es dort aber nicht, selbst wenn viel los ist. Dafür sorgen moderne Akustikdecken und ein gedämpfter Boden. Für die neuen Räume wurde einiges an neuem Mobiliar angeschafft. Allerdings würden auch Möbel aus dem Bestand der Schule und dem Haus der Vereine verwendet. „Die neuen Räume waren dringend nötig“, erklärt Schulleiter Merten Eichert. Die Schule ist inzwischen durchgehend fünfzügig, einige Jahrgänge sind schon sechszügig. Außerdem würden für den Fachunterricht in Religion und Musik, der in Gruppen stattfindet, mehr Klassensäle benötigt, als es Klassen gibt. Dieser findet im Obergeschoss statt. Nachmittags belegt die betreuende Grundschule zurzeit die neuen Räume. Aktuell besuchen 429 Kinder die Grundschule Nord, davon 144 die Ganztagsschule und 102 die betreuende Grundschule.

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