Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Griechische Landschildkröten aus Gehege gestohlen

Eine der verbliebenen Griechischen Landschildkröten. Seit ihrer Kindheit beschäftigt sich Birgit Ditter-Fauss mit den Tieren.
Eine der verbliebenen Griechischen Landschildkröten. Seit ihrer Kindheit beschäftigt sich Birgit Ditter-Fauss mit den Tieren.

Fünf Griechische Landschildkröten sind aus einem Freigehege in Mutterstadt gestohlen worden. Halterin Birgit Ditter-Fauss ist bestürzt. Nicht nur hängt sie sehr an ihren Lieblingen – die Tiere sind auch streng geschützt. Die Mutterstadterin fragt sich: „Wer tut denn sowas?“

Als sie vier Jahre alt war, hat Birgit Ditter-Fauss von ihrer Mutter eine Schildkröte geschenkt bekommen. Heute ist sie 60 und hat bis heute immer Schildkröten gehalten. „Ihre Ruhe und Bedächtigkeit finde ich sehr angenehm“, sagt die Heilpraktikerin. Die Tiere wissen, wann sie gefüttert werden und kommen dann zügig angekrabbelt. Sie hören auch auf ihre Namen, sagt ihre Halterin.

Sie wohnt im Industriegebiet in Mutterstadt, und auf der anderen Straßenseite gibt es einen Grünstreifen, der an einem Firmengebäude entlangführt und der von einem zwei Meter hohen Zaun umgeben ist. Dort hat sie ein Stück abgeteilt und hielt sieben Schildkröten. Ein weiteres, erst kürzlich geschlüpftes Jungtier hält sie noch in einem Terrarium im Haus, wo das kleine Tierchen unter einer besonderen Lampe Licht und Wärme trotz des bislang verregneten Wetters genießen kann. Das sei wichtig für seine Entwicklung, sagt die Halterin.

Regelmäßige Gesundheitsnachweise

Die Mutterstadterin weiß, was ihre Schildkröten brauchen. Sie muss, wie alle Halter von „Testudo hermanni“, so der wissenschaftliche Name des Reptils, auch regelmäßig nachweisen, dass die Tiere gesund sind. Jede der Schildkröten hat eine Art „Passbild“ und ist beim Veterinäramt der Kreisverwaltung registriert. Nach dem Schlüpfen bis zum Alter von zwei Jahren müssen Halter halbjährlich Bilder vorlegen, auf denen das Tier von der Ober- und der Unterseite auf einem Zentimeter-Raster fotografiert ist. Dazu muss auch das aktuelle Gewicht angegeben werden. Im späteren Alter ist das nur noch jährlich nötig, ab dem elften Lebensjahr alle fünf Jahre. In Gehegehaltung können diese Schildkröten 70 bis 80 Jahre alt werden, sagt Ditter-Fauss.

Der große Schreck kam am 30. Juli, als die sieben Tiere des Geheges gefüttert werden sollten: Fünf Schildkröten waren nicht mehr zu finden. Eine Möglichkeit, irgendwie zu entwischen, gebe es für die Tiere nicht, meint Birgit Ditter-Fauss. Es gibt aber zu dem eingezäunten Grünstreifen mit dem abgeteilten Gehege einen Zugang für Menschen. „Am 29. waren alle noch da, am Mittag des 30. wollte mein Mann sie füttern, da fehlten sie“, berichtet die Halterin.

„Tiere sind individuell gezeichnet“

Das älteste Tier ist Paul. Er ist 23 Jahre alt und hat einen dunkleren Panzer von 19 Zentimetern Länge. Er wiegt 1130 Gramm. Paula, geboren 2008, ist 20 Zentimeter groß, etwas breiter und flacher gebaut und wiegt 1140 Gramm. Momo (2017) ist zwölf Zentimeter groß, 250 Gramm schwer und auffällig hell. Belle (2008) ist für ihr Alter mit zwölf Zentimetern und 161 Gramm Gewicht sehr klein. Das kleinste Tier ist im vergangenen September geschlüpft und nur sieben Zentimeter groß, das aktuelle Gewicht nicht bekannt. „Jedes Tier ist individuell gezeichnet, ich würde sie aus Tausenden herausfinden“, sagt Ditter-Fauss.

Warum jemand die Tiere gestohlen hat, ist ihr unerklärlich. „Man kann die Tiere ja ganz legal kaufen“, sagt sie. Jungtiere seien für etwa 50 Euro zu bekommen, je älter und größer die Tiere sind, desto größer werde ihr Wert. Solche Tiere stammen aus Zuchten und haben die zugehörigen Herkunftsnachweise. In der freien Natur sind die Schildkröten stark gefährdet. Deshalb dürfen sie nicht ohne zugehörige Papiere gehandelt werden. Wer illegal mit den Tieren handelt, begeht eine Straftat.

Langsamer Stoffwechsel im Winter

„Wo immer sie sind, ich hoffe, dass es ihnen gut geht“, sagt die Schildkröten-Freundin. Hierzulande überleben die Tiere bei kalten Temperaturen den Winter nicht. Sie fallen in Winterstarre, der Stoffwechsel wird extrem verlangsamt. Damit kommen sie durch die Winter in wärmeren Ländern. „Ich freue mich immer auf das Frühjahr, wenn ich wieder ,aufwachen’ rufe“, sagt Ditter-Fauss. Dann sei es wichtig, den Tieren die richtige Nahrung zu füttern, die den trägen Stoffwechsel wieder anregt. Licht und Wärme sind dafür auch wichtig. Die Landschildkröten mögen es trocken – im Gegensatz zu den Wasserschildkröten, die in unserer Region als potenziell invasive Art gelten und an vielen Gewässern zu finden sind.

Birgit Ditter-Fauss hat in verschiedenen Sozialen Medien um Hilfe und Hinweise gebeten, bislang ohne Erfolg. Hinweise per E-Mail bitte an birgit.ditter-fauss@gmx.de. Am liebsten wäre es Birgit Ditter-Fauss selbstverständlich, wenn der Dieb oder die Diebe zur Besinnung kommen und die Schildkröten zurückbringen. „Einfach in einem Karton bei uns abstellen. Das würde schon reichen“, sagt sie.

Der Fall der gestohlenen Schildkröten beschäftigt auch die Polizei, die sachdienliche Hinweise entgegen nimmt unter Telefon 06235 4950 oder per E-Mail an pischifferstadt@polizei.rlp.de.

Birgit Ditter-Fauss vermisst ihre Schildkröten
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