RHEIN-PFALZ-KREIS
Grünschnitt und Wertstoffhöfe: Kreis will bei seiner Linie bleiben
„Wir haben das Problem, dass die Leute den Grünabfall in die Landschaft kippen – teilweise sogar in Plastiksäcken“, beklagt Römerbergs Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne). So sei es vor einigen Tagen in Mechtersheim geschehen. Der Bauhof musste ausrücken und die Säcke einsammeln. „Wir wissen nicht, was sonst noch rumliegt“, sagt Bauhofleiter René Schall. Er befürchtet, dass es in den nächsten Tagen noch öfter vorkommt, dass Gartenbesitzer ihren Grünschnitt einfach in der Landschaft entsorgen. „Ich gehe davon aus, dass es mehr wird, weil tolles Wetter gemeldet ist“, meint er. Die Menschen brächten nun ihre Gärten auf Vordermann. „Nicht jeder hat die Muße, den Grünschnitt bis zur nächsten Abfuhr liegen zu lassen“, glaubt Schall.
Die gleiche Befürchtung hegt auch Peter Geisler aus Hanhofen, der sich bei der RHEINPFALZ gemeldet hat, weil er sich darüber ärgert, dass den Bürgern momentan keine Möglichkeit gegeben wird, ihren Grünschnitt loszuwerden. Für die Schließung der Wertstoffhöfe hat er grundsätzlich Verständnis, er fordert aber dafür Abholtermine alle 14 Tage. „Es ist Schnittzeit in den Gärten. Ich kann den Grünschnitt zwischenlagern, aber was ist mit den Leuten mit Doppelhaushälften und kleinen Grundstücken?“, fragt Geisler. Er hat das Gefühl, dass sich die Kreisverwaltung aus der Verantwortung stiehlt. „Zu sagen, dass interessiert uns nicht und ihr müsst sehen, wie ihr klarkommt, ist nicht die Antwort“, findet er.
Container in der „Walachei“?
Auch Römerbergs Ortsbürgermeister Hoffmann glaubt: „Manche Leute können den Grünschnitt nicht zwischenlagern.“ Das Problem: Die nächste planmäßige Grünschnittabfuhr in Römerberg ist erst am 20. April. Da der Kreis für die Entsorgung zuständig sei und er eine einheitliche Regelung im Landkreis auch nicht unterlaufen wolle, könne er wenig tun, bedauert Hoffmann. Gut findet er eine Lösung wie in Speyer. Dort werden an mehreren Stellen in der Stadt Container aufgestellt, in denen die Bürger selbstständig ihren Grünabfall entsorgen können.
Von diesem Vorschlag hält der zuständige Kreisbeigeordneter Volker Knörr (CDU) überhaupt nichts. „Die Leute sind das im Kreis nicht gewohnt“, sagt er. In Speyer gab es die Regelung auch schon vor der Corona-Pandemie, nur mit weniger Containern. „Jetzt Container in der Walachei aufzustellen und die Leute zu erziehen, dort gesittet und mit dem derzeit nötigen Abstand anzufahren, ohne dass es ein Verkehrschaos gibt ...“ – Volker Knörr lässt keinen Zweifel daran, dass er dies in der gegenwärtigen Situation für keine gute Idee hält. Außerdem verfüge der Kreis nicht über einen eigenen Abfuhrbetrieb.
Knörr macht klar, dass er es für richtig hält, gegenwärtig andere Prioritäten zu setzen. „Es gibt momentan wichtigere Dinge. Wertstoffhöfe und Grünschnitt-Entsorgung gehören nicht zu den Grundbedürfnissen“, findet er. Es sei vertretbar, dass die Wertstoffhöfe gegenwärtig geschlossen blieben, denn ansonsten könnten die Abstandsregeln und das Vermeiden von Menschenansammlungen nicht eingehalten werden.
„Das war ein Fiasko“
Die Kreisbürger hätten weiter die Möglichkeit, Grünabfall zu entsorgen, betont Knörr. Schließlich finde alle fünf bis sechs Wochen eine Abfuhr statt, womit der Kreis gegenüber vielen anderen Kommunen sogar privilegiert sei. „Wer viel Grünschnitt hat, der hat in der Regel auch ein Grundstück, das groß genug ist, dass er ihn darauf vorübergehend verteilen kann“, sagt der Beigeordnete. „Auf die Ästhetik kommt es schließlich momentan nicht an.“ Knörr gibt zu, dass der Zeitpunkt für die Wertstoff-Schließung momentan ungünstig ist, „weil jetzt alles austreibt“. Allerdings seien ihm die Hände gebunden. Auch zusätzliche Abfuhrtermine seien kaum möglich. Erstens stoße das Abfuhrunternehmen personell an seine Kapazitätsgrenzen. Zweitens müsse ein solcher Termin rechtzeitig in den Amtsblättern angekündigt werden, was zeitlich kaum möglich wäre.
Der Landkreis Südliche Weinstraße, wo zuletzt einige Annahmestelle wieder geöffnet wurden, ist für Knörr kein Vorbild. „Der Ansturm dort muss gewaltig gewesen sein. Das war ein Fiasko“, sagt er. Für solche Szenen und die möglichen Folgen wollten er und die übrigen Zuständigen auf Kreisebene nicht die Verantwortung übernehmen.
Knörr verspricht aber auch: „Sobald wir Lockerungen für möglich halten, werden wir es machen.“ In der Anfangszeit sollen die Öffnungszeiten der Wertstoffhöfe dann auch ausgeweitet werden. Der Beigeordnete ist sicher, dass die überwiegende Mehrheit der Bürger die gegenwärtigen Maßnahmen mitträgt: „Zu 99,5 Prozent ist das Verständnis der Bürger groß.“
Kommentar: Geduld gefragt
Und wenn die Welt Kopf steht, beim Grünschnitt hört der Spaß auf, könnte man ironisch anmerken. Aber irgendwie hat es ja auch etwas Tröstliches, wenn sich die Menschen in Krisenzeiten noch über so etwas Profanes wie die Entsorgung von Grünabfällen aufregen können. Ganz so stimmt das natürlich nicht, die Kritik ist meist sachlich: Die überwiegende Mehrheit der Bürger hat Verständnis für die Schließung der Wertstoffhöfe. Die Frage ist: Gäbe es Alternativen für die Gartenbesitzer? Denn die Natur schert sich nun einmal nicht um Corona und hat auf Frühlingswachstum umgestellt. Doch Container-Lösungen oder zusätzliche Abfuhren bringen neue Probleme mit sich. Klar ist es nicht schön, wenn das Grünzeug einige Wochen auf dem eigenen Grundstück liegen muss und bei manchen mag es wirklich eng werden. Aber im Moment ist eben Geduld die Tugend der Stunde.