Rhein-Pfalz Kreis Grüne Landschaft zum Erholen

Rund 400 Gartenfreunde haben am Sonntag einen Ausflug nach Bobenheim-Roxheim unternommen. Dort hatte das historische Hofgut Nonnenhof zum ersten Mal seine Pforten für die Initiative „Offene Gärten Pfalz und Elsass“ geöffnet.
Das schmiedeeiserne Tor mit den Initialen derer von Heyl steht weit offen. Man sieht sattgrüne Rasenflächen, dazwischen Bäume mit ausladenden Kronen, Staudenrabatten die von Buxbaumhecken gegliedert werden, und hier und da ein lauschiges Plätzchen im verwunschenen Halbschatten. Mit einer Fläche von mehr als 1500 Quadratmetern ist der Garten der Familie von Heyl eher ein Park. Dem Herrenhaus vorgelagert, dient er zur Freude und Erholung. Das war nicht immer so. „Hier war der ehemalige Gemüsegarten des Wormser Klosters“, erklärt – nach rechts deutend – Carola von Heyl ihren zahlreichen Besuchern an diesem Sonntagnachmittag. Ein Wildgehege mit Hirschen gibt es jetzt dort. Von der zentralen Terrasse aus geht der Blick auf tiefergelegtes Terrain, den sogenannten Senkgarten mit einem langgezogenen Wasserbecken mit fünf Fontänen. Flankiert wird das Arrangement von niedrigen Stauden wie Lavendel und der blassgelben Phlomis (Brandblume). Das Heyl’sche Gartengelände hat eine wechselvolle Historie, in der sich der wandelnde Zeitgeist der Jahrhunderte spiegelt. Ursprünglich wurde es als barocker Ziergarten angelegt mit geometrischen Rabatten und gestutzten Hecken. Die klassizistische Strenge der Goethe-Zeit mit ihrer Liebe zur Antike zeigt sich noch heute in Kunstwerken wie der zentral platzierten Großskulptur „Amor und Psyche“. Es ist nicht das einzige Stück Kunst im Garten: schräge Schrottvögel des Wormser Künstlers Schembs, gefertigt aus landwirtschaftlichem Gerät, schreiten über den Rasen, und eine von Tochter Nicoline gestaltete Plastik aus Carrara-Marmor liegt unterm Maulbeerbaum. Umgestaltet wurde der Park im 19. Jahrhundert im Stil eines Englischen Landschaftsgartens. Die unterschiedliche Ästhetik zu erhalten und in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen und dabei den Arbeitsaufwand zu minimieren, waren die Ziele der letzten Umgestaltung des Gartens vor 25 Jahren. Die Familie beauftragte die Landschaftsarchitektin Heike Röttgen aus Limburgerhof, die sich auf die Restauration historischer Gärten spezialisiert hat, mit der Weiterentwicklung des Botanik-Konzepts. Elemente der asiatischen Raumharmonie-Lehre Feng Shui wurden hinzugefügt: Statt eines kerzengeraden Ausfallwegs führen nun gewundene Linien zum Herrenhaus, halbrunde Bögen und plätscherndes Wasser sollen die Energie rund um Haus und Terrasse einfangen und ein positives Gefühl vermitteln. Der historische Baumbestand wird gepflegt: Es gibt einen Ginkgo Biloba, mehr als 200 Jahre alte Eichen aus der Zeit der Französischen Revolution und einen amerikanischen Mammutbaum. Neueren Datums sind ein Maulbeerbaum und eine Pavlova (Glockenbaum). Fließende Linien und fließende Grenzen: Statt Zäune und Mauern locker begrenzender Bewuchs und nahtloser Übergang in die Rheinauen-Landschaft. Nur Rosen gibt es nicht im Heyl’schen Garten – die würden von den Rehen gefressen. Die Besucher am Sonntag zeigen sich interessiert und stellen viele Fragen, allen voran die nach der Pflege der Buxhecken und dem Arbeitsaufwand im Allgemeinen. „Wir machen alles in Eigenregie, die Arbeit macht uns Freude“, betont die Hausherrin. Die Gartenarbeit bestreitet das Ehepaar von Heyl ganz partnerschaftlich: Rasenpflege per Aufsitzgerät ist Männersache, kleinere Arbeiten Frauensache und die Pflege der Stauden im Frühjahr und Herbst ist Teamarbeit. Gegen den berüchtigten Buxbaumzünsler mussten sie im Vorjahr chemisch vorgehen. In diesem Jahr wurde der Plagegeist noch nicht gesichtet.