Rhein-Pfalz Kreis Grüne Angst vor Quecksilber

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Altrip

. Etwas, das man den Grünen in Altrip überhaupt nicht vorwerfen kann, wäre Kurzatmigkeit. Die Grünen der kleinen Gemeinde am Rhein, in direkter Nachbarschaft des Großkraftwerks Mannheim (GKM) gelegen, beschäftigen sich seit etwa zehn Jahren mit den Schadstoffemissionen des Steinkohlekraftwerks, dessen Türme das Panoramabild des Dorfs bei östlicher Blickrichtung prägen. Schon 2008 wendeten sie sich anlässlich der Inbetriebnahme des Blocks 9 mit einem offenen Brief an Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz, in dem sie gesundheitliche Risiken für die Bevölkerung befürchteten. „Bei Ostwind und bei den nicht seltenen Inversionswetterlagen beschert uns das Kraftwerk schon heute alle Schadstoffe der Kohleverbrennung wie Feinstaub, Schwefeldioxid, Stickoxide, Quecksilber, Arsen und Dioxine“, lautete eine Passage in dem Brief. Diese Stoffe könnten für ältere Menschen und für Kinder gravierende gesundheitliche Folgen haben, weshalb entsprechende Untersuchungen notwendig wären. Auch rund neun Jahre danach sind die Grünen nicht grün geworden mit dem Großkraftwerk. Annette Meuser beklagt auch jetzt wieder gegenüber der RHEINPFALZ hohe Quecksilber-Emissionen durch das Kraftwerk, was ein Risiko für die Gesundheit der Altriper Bevölkerung darstelle. Die Antworten seitens des Großkraftwerks auf Fragen der RHEINPFALZ klingen jedoch nicht bedrohlich. „Im GKM genießt der Schutz von Mensch, Umwelt und Klima schon immer höchste Priorität. Darum legen wir größten Wert darauf, dass wir als eines der effizientesten Steinkohlekraftwerke Europas nicht nur alle gesetzlichen Grenzwerte strikt einhalten, sondern diese teilweise deutlich unterschreiten“ heißt es da. Und weiter: „Der Brennstoff Steinkohle enthält Spuren von Quecksilber, das bei der Verbrennung unvermeidbar freigesetzt wird. Die absoluten Emissionen eines Kraftwerks sind daher immer abhängig von dessen Leistung, seiner Effizienz und seines Einsatzes.“ Neben dem Einsatz modernster Anlagen sorge eine permanente Optimierung des Betriebs dafür, dass die Quecksilber-Emissionen im GKM gemittelt zurzeit bei nur circa sechs Mikrogramm pro Kubikmeter Rauchgas und damit deutlich unter dem gesetzlichen Grenzwert von 30 Mikrogramm pro Kubikmeter liegen. Selbst wenn sich 2019 die Gesetzeslage verschärfe (zehn Mikrogramm pro Kubikmeter), bleibe der Ausstoß darunter. Die Kraftwerksbetreiber sind nach eigenen Angaben stolz, dass der neue Block 9 im Vergleich zu Altanlagen pro erzeugter Kilowattstunde rund 45 Prozent weniger Quecksilber emittiere. Das GKM gehöre damit zu den Steinkohlekraftwerken mit den spezifisch geringsten Emissionen. Auch die Antwort des Regierungspräsidiums Karlsruhe, das für die Überwachung des Kraftwerks zuständig ist, gibt zumindest keinen Anlass zu Alarmstimmung. „Bei Quecksilber liegen die Betriebswerte des GKM deutlich unter dem Grenzwert für die Emissionskonzentration“, heißt es auf Anfrage. Und weiter: „Im Zuge des Genehmigungsverfahrens von Block 9 sind Ausbreitungsrechnungen für die vom gesamten GKM ausgehenden Quecksilber-Emissionen durchgeführt worden. Als Ergebnis kam dabei heraus, dass die durch das Gesamtkraftwerk im Rechengebiet verursachte maximale Immissionszusatzbelastung unterhalb der Irrelevanzgrenze der Immissionsrichtwerte für Quecksilber liegt.“ Damit könne davon ausgegangen werden, dass keine schädlichen Umweltauswirkungen durch die Kraftwerksanlagen hervorgerufen werden. Ein Sprecher des Umweltbundesamts in Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt erklärt, wie die Grenzwerte zu verstehen sind. „Wir bewegen uns im Vorsorgebereich. Grenzwerte sind Vorsorgewerte. Es geht nicht um Gefahrenabwehr bei diesen Grenzwerten. Wenn wir eine Gefahr sehen sollten, dann würden wir ganz anders handeln“, sagt der Sprecher. Für besorgte Bürger hat er einen Tipp: „Die Leute denken, wir sitzen auf einem riesigen Berg an Daten. Das stimmt nicht. Der Otto-Normal-Bürger kommt einfacher an Zahlen. Er kann basierend auf das Bundesinformationsgesetz Daten anfordern. Wir als Behörde haben diesen Anspruch nicht.“ Trotz der entwarnenden Antworten lassen die Grünen in Altrip nicht locker. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ gibt der stellvertretender Fraktionssprecher Armin Grau zwar zu, dass bei Messungen des Landesumweltamts seit der Inbetriebnahme von Block 9 keine erhöhten Werte bei Feinstaub in Altrip gemessen wurden. „Es schließt aber nicht aus, dass andere Luftschadstoffe vermehrt anfallen. Quecksilber zum Beispiel wurde nicht gemessen.“ Grau beklagt, dass man in Europa dem in der Umweltpolitik geltenden Vorsorgeprinzip nicht gerecht werde, wonach alles unterlassen werden sollte, was die Gesundheit der Bevölkerung beeinträchtigen oder gefährden könnte. Das hänge vor allem daran, dass die Quecksilber-Grenzwerte in der EU zu lax seien und die Kraftwerksbetreiber die technischen Möglichkeiten, Emissionen zu reduzieren, nicht ausschöpften. Dabei würden in den USA bereits bessere Technologien angewandt, die im Übrigen von Deutschen entwickelt worden seien.

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