Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Gondelfest: Andrang auch ohne Gondeln groß

Das gab’s noch nie: Im Duell zwischen RCV und Würfelclub bricht beim Fischerstechen der Stab.
Das gab’s noch nie: Im Duell zwischen RCV und Würfelclub bricht beim Fischerstechen der Stab.

Das Bobenheim-Roxheimer Gondelfest hatte am Wochenende nach zweimaliger Pandemiepause sein Comeback: Bei heißem Wetter war vor allem abends die Hölle los.

Ein lang vermisster Anblick: Plakatwände mit venezianischen Masken lotsen am Wochenende auf den Festplatz. Zur Jubiläumsausgabe des Gondelfests haben die Macher eine Handvoll Fahrgeschäfte an den Altrhein geholt und ansonsten auf kleinere Belustigungen gesetzt: Los- und Gewinnbude, Angelspiel, Schießstand, es ist alles da. Gleich am Eingang, hinter einem Stand mit bunten Hippieklamotten, ist – wohl aus Sicherheitsgründen – der bullige Autoscooter aufgebaut.

Auf seiner Piste geht’s rund, denn am Sonntag ist Familiennachmittag. Doppeltes Vergnügen zum halben Preis, das lockt vor allem junges Publikum an die Fahrgeschäfte. Adrenalin-Kicks mit Beschleunigung, Schwerkraft und Zentrifugalkräften gibt es beim Gondelfest aber für jedes Alter. Vor Schneiders Schiffschaukel bilden sich zeitweise Warteschlangen, und auf den Bungee-Trampolinen johlen die Kinder und schlagen Salti. Bei Greiffele’s Jumbo & King warten kindsgroße Kuschelbären hinter Glas auf ihre Angler. Dazwischen gibt es exotische Früchte, Eis, Süßkram und rund um die Feierfläche Stände mit Essen und Getränken.

Zu wenig Plätze im Schatten

Perfektes Wetter, die Sonne scheint, und doch bleibt die Biergartenzone in der Mitte des Platzes halb leer. Grund ist der fehlende Schatten: Lediglich drei Pavillondächer, drei Marktschirme und zwei kleinere Schirme sind aufgebaut. Die Sitzplätze in diesen schattigen Oasen sind heiß begehrt. Vom Kettenkarussell aus tönt Rihannas „Umbrella“ wie eine Mahnung auf fehlende Sonnenschirme. Mehr Sonnenschutz fordern auch Christa und Rainer Schiffmann.

Eine große Überdachung sei diesmal nicht drin gewesen, beeilt sich Bürgermeister Michael Müller (SPD) zu sagen. Die Gemeinde muss sparen: Zwei Millionen Minus im Gemeindeetat haben das Gondelfest-Budget auf 30.000 Euro und damit die Hälfte schrumpfen lassen. In Sachen Sonnenschutz gingen die Überlegungen hin zu kleineren, flexiblen Einheiten. Auch sind aus Müllers Sicht die Beschicker in der Pflicht.

Das Kinderprogramm lädt die jüngsten Besucher vor der Bühne zum Mitmachen und Tanzen ein.
Das Kinderprogramm lädt die jüngsten Besucher vor der Bühne zum Mitmachen und Tanzen ein.

Fehlende Schattenplätze machen den Bobenheim-Roxheimern Gregor und Elisabeth Mengelberg wenig aus: „Was soll’s, es ist Sommer.“ Sie sind einfach froh, endlich wieder feiern zu können. Nur die Gondelfahrt, die vermissen die Stammgäste auf dem Fest. Früher sei es besser gewesen, mit Braten und Grillhaxen, meinen Ursula und Uwe Ehleiter sowie Petra und Rainer Schalk. Die Bobenheim-Roxheimer vermissen die bürgerliche Volksfestküche, denn „Steak und Würstchen können wir auch daheim essen“.

„Stimmung wie bei Rock am Ring“

Der Sparzwang zeigt sich auch im Programm: Man habe auf lokale und regionale Bands gesetzt, die man unterstützen wolle und die in der Regel günstiger seien, erklärt Bürgermeister Müller. Dass es auch ohne „große Namen von außerhalb“ gehe, hätten die ersten beiden Festtage bewiesen. „Gestern bei Rokko Rubin war Stimmung wie bei Rock am Ring“, heißt es aus den Reihen der Beschicker, während Videos zum Beweis gezeigt werden. Trotz großer Feierlaune sei alles ganz friedlich geblieben, die Security sei entspannt unterwegs.

Fischerstechen: RCV „unsinkbar“

Action-Höhepunkt des Gondelfests ist wie immer das Fischerstechen. Diesmal – Premiere! – sei sogar ein Glasfaserstab gebrochen, berichtet Ortskartellvorsitzender Florian Lobocki. Den Wanderpokal nimmt am Ende das Team „Blubberbärchen“ vom RCV mit nach Hause, weil sie „mit 380 Kilo unsinkbar“ seien, wie Lobocki feststellt. Am Abend zeigen die Kinder der kommunalen Kita „Haus der kleinen Füße“ auf und vor der Bühne ein Animationsprogramm, bevor die Jungs von „Horsch mol hie“ zum Soundcheck kommen, damit später alles gut klingt, wenn sie vom Riesling singen und zum Schlag des Cajons „Du bischt mein Held“ intonieren.

Eine Blitzumfrage bei den Beschickern fällt positiv aus: Die Geschäfte laufen gut bis bestens. Vor allem abends sei es brechend voll, der Andrang wird auf 2000 Besucher geschätzt. Neben dem Kettenkarussell hat der Würfelclub seinen Getränkewagen aufgebaut. Der mit 13 Mitgliedern wohl kleinste Verein in der Altrheingemeinde ist zum dritten Mal dabei und nahezu vollzählig im Einsatz. „Schorle ist tagsüber der Renner, abends unsere Longdrinks“, erklärt Würfelbruder Deniz Wetzler. Im Getränkewagen der Karlsbergstube zapft der Sänger der „Smokies“ gerade ein Bier. Seine Band musste ihren Auftritt nach einem Hörsturz des Gitarristen kurzfristig absagen, freut sich nun aber umso mehr auf den Gig bei der Kerwe im September. Doch erstmal wird ausgeschenkt: Jacky Cola ist hier beliebt.

Nervenkitzel: In die Luft geht’s mit dem „Caribbean Star“.
Nervenkitzel: In die Luft geht’s mit dem »Caribbean Star«.

Am fernen Ufer leuchtet die Rialto-Brücke in der Abendsonne. Eine einsame Gondel dümpelt festgebunden in der Altrheinlagune. Doch auf der Wiese quillt schon lange der Abfalleimer über. Das ikonische Panorama, für viele Einheimische wie Auswärtige der Inbegriff des Gondelfests, mutiert zur Müllkippe? Schade.

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