Rhein-Pfalz Kreis Goldenes Kraftpaket im Rhein

91-92699220.jpg

BOBENHEIM-ROXHEIM. Wer als Angler Jagd auf Barben macht, muss ausdauernd und reaktionsschnell sein. Die nachtaktiven goldenen Kraftpakete sind kampflustig und lassen sich nur schwer überlisten. Auch wenn der Anglerverein Frühauf Bobenheim-Roxheim zwei Weiher vor seiner Haustür hat: Zum Barbenangeln müssen seine Mitglieder an den Rhein, denn dieser Flussfisch liebt die starke Strömung.

So wohl fühlt sich der schlanke und muskulöse Fisch im Mittellauf von Vater Rhein, dass er dort als Leitfisch gilt und Rheinland-Pfalz als Barbenregion gilt. Hier findet die Barbe ideale Lebensbedingungen und stromert gern in geselliger Runde über den steinigen Untergrund. Ihre kulinarischen Vorlieben wirken etwas merkwürdig, denn viele Angler, die sich in Internetforen über diesen Fisch austauschen, schwören auf Käse als Lockmittel. Offenbar ist die sportliche Flussbewohnerin ein Gourmet und zieht Edamer und Gouda den Madenködern vor. Die Barbe wird nicht nur von den Bobenheim-Roxheimer Anglern geschätzt. Ihr Ruf als kämpferische Kontrahentin lockt auch Sportangler in die Region, die es mit dem Tierschutz nicht so genau nehmen. „,Catch and release’ heißt der Trend aus den USA“, berichtet der Fischereibiologe vom Landesfischereiverband Rheinland-Pfalz, Horst Koßmann. „Das heißt: Angeln und Zurücksetzen von Fischen nur zum Spaß und zum Nervenkitzel.“ Das Tierschutzgesetz gestatte es, ein Tier aus vernünftigen Gründen zu töten. Ein solcher Grund sei der Verzehr des Tiers. Wer also einen Fisch angelt und isst, darf das, sofern er einen Fischereischein und die Erlaubnis des Gewässerpächters hat. Nun ist die an sich schmackhafte Barbe wegen ihrer vielen Gräten als Speisefisch wenig beliebt. Somit ist der Genuss beim Angeln größer als der beim Konsumieren. Horst Koßmann kritisiert, die Barbe werde deshalb bei jungen Sportanglern als „Game-Fish“ (Sportfisch) missbraucht. Nur für den Adrenalin-Kick werde sie an der Angel gedrillt, also ermüdet, und nach diesem unnötigen Stress wieder in den Fluss geworfen. Auch aus anderen Gründen ist der torpedoförmige Grundfisch mit den charakteristischen vier Barteln an der Oberlippe in der Fischküche kein Star: Zur Laichzeit im Spätfrühling sind manche Teile ungenießbar, und der Rogen ist sogar giftig. Was manchem Fischgourmet Kopf- oder sogar Bauchschmerzen bereitet, ist für den Nachwuchs der Barben eine perfekte Überlebensstrategie. Denn die Eltern wandern in den Wochen des Laichens flussaufwärts, legen die Eier an seichten Stellen ab und lassen sie dann im Stich, um zu ihren heimatlichen Flussregionen zurückzukehren. Die natürlichen Fressfeinde von Rogen wittern das Gift und verschonen die Barbeneier. Abgesehen vom Stress, den manche Sportangler diesem Fisch verursachen, geht es Barbus barbu, so der lateinische Name, seit rund zehn Jahren wieder gut und wurde 2003 zum Fisch des Jahres gekürt. Mittlerweile haben sich die Bestände erholt. Dennoch ist die Barbe in Deutschland als „Art nationaler Verantwortlichkeit“ innerhalb der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ eingestuft. Der Grund: Ein besonders hoher Anteil der Barben-Weltpopulation lebt in Deutschland. Neben der Barbe hat unter den Fischen hierzulande nur die Tiefenmaräne diesen Status als Verantwortungsart. |ous

x