Rhein-Pfalz Kreis !GH2eTd$ – sicher ist sicher

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Mutterstadt

. Die Namen auf der großen Leinwand kommen den Jugendlichen bekannt vor. Unheimlich bekannt sogar. „iPhone von Madeline“ ist zu lesen. Oder „Luisas-iPhone-2“, oder „iPhone von Phillip“. Phillip sitzt an diesem frühen Donnerstagmorgen gerade auf der Tribüne in der Mutterstadter Rundsporthalle, zusammen mit Madeline, Luisa und gut 350 anderen Schülern der Integrierten Gesamtschule. Und der Mann, der eben noch so freundlich über das Handyverbot an der Schule scherzte, hat sich, ganz nebenbei, Zugriff auf die meisten der Smartphones verschafft. Der Mann heißt Erwin Markowsky, kommt aus München und arbeitet bei der Neustadter Firma 8com. Deren Job ist es, Unternehmen digital anzugreifen. Die Mitarbeiter hacken sich in Computersysteme, um zu prüfen, wie gut die Auftraggeber gegen diese moderne Form der Attacken geschützt sind. Denn das Internet ist – bei allen Vorteilen, die es bietet – ein Spielplatz für Verbrecher. „Es gibt immer schlechte Menschen“, sagt Markowsky. Aber auch Sicherheitsprofis wie er können sich in der Datenwelt austoben. Er widmet sich nicht nur Unternehmen, sondern vor allem Kindern und Jugendlichen. Er reist quer durch die Republik und will sie für die Gefahren des Internets sensibilisieren – „und das muss ab und zu wehtun“, sagt er. Schockstarre. Der Live-Hack hat gesessen, die Aufmerksamkeit ist Markowsky nun gewiss. Haben sich die Jugendlichen vorher noch unterhalten und laut gelacht, ist es nun ganz still. „Dass es dann schlagartig ruhig wird, ist normal“, sagt Markowsky später, „aber hier war es extrem.“ Markowsky schickt die 15-jährige Gina nach draußen. Sie soll mit einem Jungen so tun, als hätten sie sich gerade kennengelernt. In der Halle können alle mithören, Markowsky hat das Mikrofon angezapft. „Unter Freunden macht man sowas“, feixt der Experte, „Herr Obama hat Frau Merkel ja auch abgehört.“ Gefeit ist niemand. Markowsky nennt alle bekannten Namen der digitalen Welt, Apple, Samsung, Microsoft, Google, Facebook, Twitter oder WhatsApp. Jede zweite App habe Zugriff auf Kamera und Mikrofon, sagt Markowsky. Das Telefon als perfekte Wanze. Oder die Webcam am Laptop. Ein Hacker habe mit einem Schadprogramm die Computer unzähliger Mädchen kontrolliert, zehn Millionen Fotos gemacht. „Die drakonische Strafe“, stellt Markowsky nicht ohne Ironie fest, „21 Monate. Auf Bewährung.“ Ein Vorschlag: Webcam abkleben. Doch in den wenigsten Zimmern steht heute noch ein Computer. Mobile Endgeräte sind in Mode. Die Anzahl der Smartphones und Tabletcomputer bewegt sich mittlerweile im Milliardenbereich. „Ein Handy weiß immer ganz genau, wo ihr seid“, sagt Markowsky, der auf der Bühne wie ein Entertainer wirkt, immer wieder hinter seinen drei Bildschirmen hervorkommt. Sein Ratschlag: Ortungsdienst ausschalten. Es sind gerade die unscheinbaren Tipps, die das Leben 2.0 ein klein wenig ungefährlicher machen. Wobei: Es muss nicht immer eine digitale Bedrohung sein. „Manche Vollpfosten posten auch ihren Urlaubsort.“ Klar, dass dann der Einbrecher vor der Tür steht. Oder: Kippe im Mund, Nacktbilder im Internet, „bei der Bewerbung kommt das nicht gut an. Das Internet vergisst nicht.“ Mit diesen direkten Worten trifft Markowsky den richtigen Ton. Der Mann mit dem lockigen Haar und dem dichten Bart spricht die Sprache der Jugend. Nur 40 Prozent würden sich seinen Vortrag wohl dauerhaft zu Herzen nehmen, habe ein Lehrer mal zu ihm gesagt. „Na und?“, fragte Markowsky zurück, „wie viele erreichen Sie mit Ihrem Unterricht?“ Später kommen drei weitere Gruppen in die Rundsporthalle, nächste Woche ist er in Ludwigshafen und Speyer. An den Abenden bietet er Elternvorträge an. „Sie wissen oft nicht, was ihre Kinder online tun“, sagt er. David betritt die Bühne. Der Schüler soll sich ein gutes Passwort überlegen. Namen werden gerne benutzt, Geburtstage. „Eine Software kann in 20 bis 30 Sekunden über 3000 Vornamen durchsuchen“, sagt Markowsky. David hat keine Chance gegen den Experten, der ihn mit einem sogenannten Keylogger beobachtet hat. Ein vermeintlich sicheres Passwort bestehe übrigens aus Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen. Mindestens acht Zeichen lang. !GH2eTd$ – ungefähr so. „100 Prozent Sicherheit im Internet, das gibt es nicht“, sagt Markowsky, „und das beste Anti-Viren-Programm sitzt auf dem Hals.“ Deshalb gibt er den Jugendlichen vor allem eines mit auf den Weg: „Gehirn einschalten.“ Dass dieser eigentlich so simple Tipp in der digitalen Welt derart selten befolgt wird, ist für ihn vor allem eines: unheimlich.

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