Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Gewerbeverein: Mitglieder verlieren das Interesse

Das Feiern ist den Bobenheim-Roxheimern wichtig. Deshalb bekommt der Gewerbeverein für sein italienisches Fest weit mehr Zuspruc
Das Feiern ist den Bobenheim-Roxheimern wichtig. Deshalb bekommt der Gewerbeverein für sein italienisches Fest weit mehr Zuspruch als für seine sonstige Arbeit.

Dem Gewerbeverein Bobenheim-Roxheim geht die Puste aus. Die Jahreshauptversammlung am Mittwoch war geprägt von Frust und Ratlosigkeit. Die Mitglieder scheinen das Interesse verloren zu haben, und kurzzeitig stand die Auflösung des Vereins im Raum.

Von 67 Mitgliedsbetrieben und Vereinen hatten nur ganz wenige einen Vertreter zur Generalversammlung entsandt. Außer dem Vorstand waren gerade mal neun Personen ins Rathaus gekommen. Und dann gab Kevin Heydweiller auch noch einen äußerst deprimierenden Geschäftsbericht für 2023 ab. Der fiel so kurz aus, dass ein Mitglied sich vergewissern musste: „Kommt noch was?“ „Nein, das war’s“, sagte Heydweiller, der seit gut einem Jahr Vorsitzender des Vereins und hauptberuflich geschäftsführender Gesellschafter eines Marketing-Unternehmens ist. „Es gibt nur wenig zu berichten, weil wir nur wenig gemacht haben.“

Das Interesse der Mitglieder am Verein und die Bereitschaft zur Mitarbeit seien extrem gering, sagte Heydweiller, und das stehe im Widerspruch zur Arbeit des Vorstands. Dieser treffe sich jeden Monat und habe immer wieder gute Ideen, doch der Funke wolle einfach nicht zu den Mitgliedsbetrieben überspringen. Offensichtlich könnten sich viele nicht mit dem Verein, der sich die Förderung der Bobenheim-Roxheimer Wirtschaft auf die Fahnen geschrieben hat, identifizieren. Besonders auffällig sei dies bei Arbeitseinsätzen. Es seien eigentlich immer dieselben, die sich aktiv einbrächten. Dies sei deprimierend, demotivierend und auf Dauer nicht mehr haltbar, meinte Heydweiller.

Mehr zum Thema

In Bobenheim-Roxheim sehen viele der 300 bis 400 Selbstständigen und Firmenchefs offenbar keinen Grund, Mitglied im Gewerbeverei
Kommentar

RHEINPFALZ Plus Artikel
Schwächelnder Gewerbeverein: Durchhalten ist ein Muss

Vorstandsmitglieder verlässt die Lust

Als anschauliches Beispiel nannte er das eintägige Fest „Serata Italiana“, das der Verein 2015 aus der Taufe gehoben hatte und das mit italienischer Kultur und Kulinarik im vergangenen Juli mehrere Tausend Besucher auf den Kurpfalzplatz lockte. Die Veranstaltung ist zum Markenzeichen des Gewerbevereins geworden, doch das steht offenbar nicht im Verhältnis zur Anzahl der ehrenamtlichen Festhelfer. „Jeder hat Bock, auf die Serata zu gehen“, sagte Heydweiller, „aber nur wenige wollen sie organisieren und die Ärmel hochkrempeln.“ Trotzdem werde das Fest auch in diesem Jahr stattfinden, und zwar am 20. Juli ab 15 Uhr.

Auch andere Vorstandsmitglieder leiden unter dem Desinteresse der Basis, sie ließen durchblicken, dass sie keine große Lust mehr auf das Ehrenamt haben. Ulrike Romeo berichtete vom schwachen Interesse an der Aktion „Heimatshopping“ und an den Werbeplattformen des Vereins. Den Mitgliedern würden gute Optionen geboten, doch die Angebote würden kaum wahrgenommen. Etliche Betriebe hätten sogar Bildaufnahmen für die Vereins- und die Firmenwerbung abgelehnt. Und bei größeren Unternehmen sei es oft schwer, die Geschäftsleitung ans Telefon zu bekommen. Die Aktion mit der Lokalwährung Boro leidet laut Vorstand nach wie vor darunter, dass Bürger und Kunden die Einkaufstaler nicht einlösten, sondern in „Sparstrumpfmanier“ in der Schublade aufbewahrten.

Auch Bürgermeister droht mit Rückzug

In der Versammlung wurde aber auch der Vorstand kritisiert. Es gebe ein Kommunikationsproblem, hieß es. Es werde zu viel per E-Mail und übers Internet agiert, statt die direkte Ansprache von Mensch zu Mensch zu suchen. Man müsse den Mitgliedern verdeutlichen, welchen Mehrwert der Gewerbeverein ihnen bringe. Auch eine bessere Vernetzung mit anderen Gewerbevereinen wurde vorgeschlagen. Man müsse über den Tellerrand hinausblicken und sich Anregungen holen. Regelmäßige Unternehmerstammtische könnten das Miteinander verbessern. Finanziell gibt es dagegen nicht viel zu beklagen. Der Jahresabschluss weist zwar ein Minus von rund 5300 Euro aus, doch mit einem Gesamtguthaben von mehr als 42.000 Euro, lässt sich weiterhin ganz gut arbeiten.

Am Ende der Sitzung hatten die Anwesenden die Wahl: Soll sich der Gewerbeverein eine andere Zielsetzung geben, sich für Privatleute öffnen und vorwiegend Partys und Veranstaltungen organisieren, weil das offensichtlich gefragt ist? Oder soll er sich auflösen? Bürgermeister Michael Müller (SPD), der das Amt des Kassenwarts ausübt, sieht die Wirtschaftsförderung als wichtigste Aufgabe des Gewerbevereins. Nur deshalb sei die Gemeinde nicht mehr nur passives Mitglied, sondern im Vorstand vertreten. Müller war früher Wirtschaftsförderer der Stadt Worms und hält dieses Aufgabengebiet auch in seinem Amt als Bobenheim-Roxheimer Bürgermeister für wichtig. „Wenn es im Gewerbeverein irgendwann nur noch um Events geht, kehrt die Gemeinde in den passiven Mitgliedsstatus zurück“, sagte er auf RHEINPFALZ-Anfrage. Deshalb findet Müller gut, worauf sich die Versammlung am Ende einigte, nämlich durchzuhalten und zum Wohle des ortsansässigen Gewerbes inhaltlich in etwa so weiterzumachen wie bisher.

x