Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Getreideernte: Dürre sorgt für Frust bei Bauern (mit Video)

Jungfernfahrt: Der nagelneue Mähdrescher der Firma Agrom aus Harthausen hatte am Freitag seinen ersten Einsatz auf den Feldern d
Jungfernfahrt: Der nagelneue Mähdrescher der Firma Agrom aus Harthausen hatte am Freitag seinen ersten Einsatz auf den Feldern des Mechtersheimer Landwirts Andreas Jester.

Landwirte müssen wegen der Trockenheit früher als gewohnt mit der Getreideernte beginnen und mit deutlich geringeren Erträgen rechnen.

40,9 Millionen Tonnen Getreide werden die deutschen Landwirte in diesem Jahr wohl ernten, prognostiziert der Deutsche Bauernverband. Das wäre deutlich weniger als die 42,2 Millionen Tonnen im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre und käme auch nicht an die 43,6 Millionen Tonnen im Jahr 2022 heran.

Zwar ist der Rhein-Pfalz-Kreis eher als Gemüsegarten denn als Kornkammer bekannt, aber auch hier gehört Getreide zu den von Landwirten angepflanzten Kulturen. Das Statistische Landesamt gibt die Anbaufläche mit mehr als 4000 Hektar an, allerdings sind die verfügbaren Zahlen schon einige Jahre alt. „Im Rhein-Pfalz-Kreis haben wir keinen Schwerpunkt des Getreideanbaus. Den gibt es stärker im Westen und Norden der Pfalz“, sagt Johannes Zehfuß, Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd. Der Böhl-Iggelheimer Landwirt baut selbst Weizen nur auf relativ kleinen Flächen an. Das Getreide sei prinzipiell schön aus dem Winter gekommen, findet er. „Aber im Mai hätten wir mehr Niederschlag gebrauchen können.“ Bei der Wintergerste seien die Landwirte noch mit einem blauen Auge davongekommen, berichtet Zehfuß. „Aber bei Getreide, das im Frühjahr gepflanzt wurde, wird es Ertragseinbußen geben“, ist er überzeugt.

Als „katastrophal“ bezeichnet der Bobenheim-Roxheimer Landwirt Markus Voll die diesjährige Getreideernte, mit der er schon begonnen hat. Normalerweise komme erst Mitte Juli der Mähdrescher. „So schlechten Weizen hatten wir noch nie“, sagt er. Gerste sei genauso betroffen. Die Körner seien oft „verschrumpelt“. Mit der Hälfte bis zwei Dritteln des Ertrags im Vergleich zu normalen Jahren rechnet Voll. 2022 sei es zwar auch trocken gewesen, aber nicht so früh im Jahr. „Diesmal ist es schon außergewöhnlich“, schildert er seinen Eindruck.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Ährenbildung behindert

Der Mechtersheimer Landwirt Andreas Jester hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Regenfälle im Frühjahr seien wichtig gewesen. „Aber dass es zuletzt sechs bis acht Wochen nicht geregnet hat, war problematisch für die Ährenbildung“, sagt Jester, der auf zirka 32 Hektar Weizen, auf zehn Hektar Dinkel und auf acht Hektar Roggen anbaut. Die verschiedenen Getreidesorten seien gleichermaßen von der Trockenheit betroffen. „Dramatisch ist, dass es ein paarmal über 30 Grad war“, erklärt der Landwirt. „Der Weizen riegelt dann von unten ab und die Pflanze geht in die Notreife.“ Die Körner seien deshalb noch nicht so stark ausgebildet wie gewünscht, doch das Getreide müsse geerntet werden. Bei Andreas Jester ist der Mähdrescher am Freitag angerückt. „Wir ernten dieses Jahr so früh wie noch nie“, sagt er. „Der Ertrag wird weniger sein als in einem normalen Jahr“, ist der Mechtersheimer sicher. Zum geringeren Ertrag kommt für Jester das Problem, dass der Preis für Getreide gegenüber dem Vorjahr wieder gesunken ist. „Fast 40 Prozent weniger“, sagt der Landwirt. 2022 hatten die Getreidepreise in Folge des Ukrainekriegs deutlich angezogen, doch mittlerweile hat sich die Marktlage wieder normalisiert.

Mähdrescher bei der Arbeit: Die Körner des Getreides sind durch die Trockenheit nicht so stark gewachsen wie gewünscht.
Mähdrescher bei der Arbeit: Die Körner des Getreides sind durch die Trockenheit nicht so stark gewachsen wie gewünscht.

Auf länger anhaltende Trockenheit reagieren die Bauern in der Vorderpfalz normalerweise mit der Beregnung mit Wasser aus dem Otterstadter Altrhein. Das Leitungsnetz des Beregnungsverbands Vorderpfalz transportiert dieses zu den Feldern. Getreidefelder werden allerdings in der Regel nicht beregnet. Woran liegt das? Das hat laut Bauernfunktionär Zehfuß vor allem finanzielle Gründe. Während sich der Gemüseanbau trotz der Kosten für die Bewässerung immer noch rechnet, sei das beim Getreide nicht der Fall. „Da gibt es finanziell nicht viel zu ernten“, sagt der Böhl-Iggelheimer. Die Wassermengen seien begrenzt und daher anderen Kulturen vorbehalten, bestätigt Markus Voll. Der Bobenheim-Roxheimer, der viel für die Firma Frosta produziert, klagt über hohe Kosten für die Bewässerung von Petersilie, Dill oder Basilikum. Andreas Jester hätte erwogen, das Getreide zu beregnen, wenn der Preis auf dem Niveau des vergangenen Jahres gelegen hätte.

Hat Getreidefelder rund um Mechtersheim: Landwirt Andreas Jester.
Hat Getreidefelder rund um Mechtersheim: Landwirt Andreas Jester.

Allen Kulturen fehlt Wasser

In anderen Regionen fehlen aufgrund des Bodens und des Klimas zum Teil die Alternativen zum Getreideanbau. Aber warum pflanzen Bauern in der Vorderpfalz Weizen, Roggen und Co. an, wenn sich damit kein gutes Geschäft machen lässt? Bei Andreas Jester ist der Fruchtwechsel der Hauptgrund. Auf einem Feld kann nicht jedes Jahr die gleiche Kultur angebaut werden. Der Mechtersheimer zieht auch Kürbisse, Zuckerrüben oder Mais heran. Außerdem hat er Obstbäume. Viele Produkte verkauft er im Hofladen. Das Getreide bleibe größtenteils ebenfalls in der Region, sagt er: Raiffeisen oder die Walter-Mühle in Böhl-Iggelheim seien Abnehmer.

Gerste, Weizen, Roggen und Co. mögen die ersten „Opfer“ der Trockenheit sein, doch auch andere Pflanzen leiden darunter: „Der Mais ist strapaziert und wartet sehnlichst auf einen schönen Landregen“, erklärt Johannes Zehfuß. Dabei könne der Mais eigentlich gut mit Trockenheit umgehen. Bei den Zuckerrüben sei es ähnlich, ergänzt Andreas Jester. „Tagsüber hängen sie die Blätter, erst nachts stellen sie sich wieder auf“, hat der Landwirt beobachtet. Wenn es trocken bleibe, seien die Rüben als nächste betroffen, andere Pflanzen würden folgen. „Egal welche Kultur, alle brauchen Wasser“, sagt Jester.

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