Rhein-Pfalz Kreis Gestorben wird immer
«Schifferstadt.» Der Tod und das Lachen schließen sich nicht aus, schon gar nicht in Pfälzer Mundart, meinte Beate Holzwarth vom Schifferstadter Schreiwer-Hais’l und stellte Silvia Calles vor. Natürlich war das Wohnzimmer wieder voll besetzt. Die Erkenntnis: Auch eine Beerdigung kann lustig sein.
Eines ist klar: Nichts im Erdenleben ist so sicher wie der Tod, und „es misst doch mit em Deiwel zugehe“, wenn den Pfälzer Dichtern nicht so einiges dazu eingefallen wäre, findet Silvia Calles. Vor allem bei Hermann J. Settelmeyer, Paul Tremmel und Helmut Metzger ist sie fündig geworden. Allein schon die vielen Pfälzer Redensarten, in denen der Teufel herumspukt, und deren Aufzählung schon wie ein Gedicht wirkt, oder Landschaftszeichen wie der Teufelstisch bei Hinterweidenthal, dessen Sage sie natürlich vorträgt, zeigen, dass die Pfälzer wohl eine besondere Bekanntschaft mit dem finsteren Gesellen pflegen. Na, und die „Roten Teufel“ natürlich. Aber trotz intensiver Recherche sei es ihr nicht gelungen, den Ursprung des Namens für die Spieler des 1. FC Kaiserslautern herauszufinden, meint sie. Mit dem Tod hatte man früher engeren Kontakt als heute – die Leute waren zu Hause aufgebahrt im Wohnzimmer. Und nebenan in der Küche ging der Alltag weiter mit Essen und Trinken. Verwandte und Nachbarn kamen, um den Toten noch einmal zu sehen. In „Kä Zeit“ von Paul Tremmel geht es um das Verhältnis zur Zeit. Sie rast nicht immer, manchmal vergeht sie viel zu langsam – „Ach wär der Tag, die Woch doch schun vorbei, so wünscht sich jeder ohne Not beständig näher an sein Tod“. Oder „Das letzte Asyl“ der Dinge, die doch früher so viel Spaß gemacht haben – und nun beim Sperrmüll landen. Auch Dinge können sterben. Beerdigungen können manchmal lustig sein – vielleicht gerade, weil die Sache so ernst ist. Da gibt es etwa die Geschichte vom Navi in der Handtasche, das im stillen Trauerzug zum Grab plötzlich laut vermeldet: „An der nächsten Kreuzung bitte rechts ab.“ Oder die Geschichte bei Helmut Metzger vom Heim-Torkelnden, der aus Versehen im frisch ausgehobenen Grab landet. „Ui, ist mir kalt“, jammert er nach ein paar Stunden Schlaf, und der Totengräber ruft zurück: „Hättscht dich halt verbrenne losse!“. Ein eigenes Kapitel sind die Geschichten vom „Leicheimbs“, und natürlich vom Erben. Zur Einstimmung gibt es Kranzkuchen, der bei keinem Beerdigungskaffee fehlen darf. So manche dieser Imbisse sind lustiger als jede Hochzeit. Erst erzählt man, wie der Verstorbene so war, dann werden die Geschichten nach und nach lustiger, wobei der Übergang von Kaffee zu Wein sicher hilft, aber vielleicht ist es auch ein Schutz vor dem Schmerz, meinen manche im Publikum. Die Zuhörer können immer wieder eigene Erfahrungen beisteuern. Schließlich ist der Tod ein Thema, das jeder kennt.