Rhein-Pfalz Kreis Gesellschaft im Umbruch mitgestalten

Auch das Ablassen von Kerosin über der Pfalz hat die Delegierten beschäftigt. Sie verabschiedeten eine Resolution.
Auch das Ablassen von Kerosin über der Pfalz hat die Delegierten beschäftigt. Sie verabschiedeten eine Resolution.

«Mutterstadt». Wie kann die IG Metall eine Gesellschaft im Umbruch mitgestalten? Bei der Delegiertenversammlung der Geschäftsstellen Ludwigshafen-Frankenthal, Neustadt und Kaiserslautern stellten Delegierte Fragen an die zweite Bundesvorsitzende Christiane Benner. Die Versammlung verabschiedete eine Erklärung gegen Spaltung, Rassismus und Hass und eine Resolution, die umfassende Transparenz bei Kerosinablässen fordert.

Günter Hoetzl, Geschäftsführer von Ludwigshafen-Frankenthal, berichtete im Mutterstadter Palatinum von einem hohen Organisationsgrad in der Metallbranche. Ein leichter Mitgliederrückgang im August von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr sei zwar gegen den allgemeinen Trend der IG Metall, aber auch saisonal bedingt. „Jetzt kommen neue Auszubildende und wahrscheinlich sind wir im nächsten Monat wieder auf Null oder im Plus“, meinte Hoetzl auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Die Werbung von Auszubildenden war ein wichtiges Ziel, sagte Hoetzl. Und werde es auch in Zukunft sein. Ebenso wie in den anderen Geschäftsstellen will Hoetzl das Profil der IG Metall schärfen und die Basis noch mehr einbinden. Die Delegierten sammelten Fragen an die stellvertretende Bundesvorsitzende, die dann ein Team zusammenfasste und formulierte. Arbeit und Gesellschaft verändern sich – die Prozesse fassen die Gewerkschafter unter dem Begriff „Transformation“ zusammen. Die erste Frage: Was bedeutet die Transformation für die betriebliche Mitbestimmung und Tarifpolitik? Christiane Benner nannte als Beispiele für Wandlungsprozesse die Digitalisierung und Automatisierung, den demografischen Wandel und die Teilhabe der Frauen in der Arbeitswelt. Um auf veränderte Anforderungen zu reagieren, sei Bildung nötig. Arbeitgeber sollen Weiterbildung ermöglichen und fördern. Die Pflege von Angehörigen und die Erziehung von Kindern müsse unterstützt werden, auch bei Männern. Hierfür müssen Lösungen gemeinsam mit Betrieben entwickelt werden. Wie gelingt es, Arbeitsplätze für Menschen mit niedrigem Bildungsstand zu erhalten? Es sei falsch, dass niedrig qualifizierte Arbeit verschwinden werde, sagte Benner. Tatsächlich sei mit neuen Beschäftigungsfeldern zu rechnen, wie das Beispiel Logistik zeige. Hier seien vor allem Ungelernte tätig. Ein bedingungsloses Grundeinkommen sei keine Lösung, das führe zu Entlastung der Arbeitgeber, während Steuerzahler für die Finanzierung sorgten. Wie geht die IGM mit der AfD und Rechten um? Klare Kante zeigen und für Solidarität und Menschlichkeit eintreten, sei wichtig. Es sei falsch, abzuwarten und zu hoffen, das Erstarken der Rechten gehe von selbst vorbei. Falsch sei die Annahme, dass AfD-Wähler, die „Abgehängten“ seien. Dies zeige das 27-Prozent-Ergebnis in Mannheim Nord, wo die Menschen Arbeit haben. Die Gewerkschaft müsse sich stärker in den politischen Diskurs einbringen und dürfe Problemfelder nicht der AfD überlassen. Spannend war dann anschließend eine WLAN-Umfrage zu Benners Antworten. Beim Thema Transformation sehen 40 Prozent der Befragten Diskussionsbedarf. Der Ausblick auf offensive Gewerkschaftspolitik stellte wenig mehr als die Hälfte der Delegierten zufrieden, gut 40 Prozent hatten weitere Fragen, knapp acht Prozent haben Zweifel. „Ich muss meine Argumente schärfen und wir müssen noch mehr in die Diskussion gehen“, war Benners Fazit.

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