Drei Fragen
Geschäftsführer der Lambsheimer Firma Gaia über Sturm Sabine: „Windräder haben Abschaltmechanismen“
Herr Szielasko, kann ein Orkan wie jüngst Sabine den Windrädern in der Region gefährlich werden?
Normalerweise kann ein solcher Sturm den Windrädern nicht gefährlich werden. Sie sind für Extremwindgeschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometer ausgelegt. Und auch Orkan Lothar, der im Dezember 1999 besonders extrem in Süddeutschland gewütet hat und deutlich stärker als Sabine war, hat den Windrädern nichts anhaben können. Man muss aber in der Errichtungsphase der Windräder aufpassen, wenn sehr starke Winde auftreten und der Kran aufgebaut wird. Oben an der Kranspitze befindet sich ein kleines Anemometer, das dem Kranführer Infos über die Windgeschwindigkeiten liefert. Und da hat die Branche gelernt, dass ab bestimmten Windgeschwindigkeiten die Errichtung unterbrochen werden muss. Glücklicherweise ist uns bisher weder in der Errichtungsphase noch im Betrieb ein Sturmschaden entstanden. Auch nicht bei Sabine. Alle unsere Windräder, etwa in Klein- und Großniedesheim und Lambsheim, haben den Sturm unbeschadet überstanden.
Gibt es denn Mechanismen, die bei zu starkem Wind das Windrad abschalten, damit nichts passieren kann?
Ja. Auf der Anlage sind Sensoren, die ständig die genauen Windgeschwindigkeiten messen. Im Allgemeinen schalten sich die Windkraftanlagen bei einer Windgeschwindigkeit von mehr als 20 Metern pro Sekunde in zehn Minuten Mittelwert ab – das entspricht etwa einer Geschwindigkeit von 75 Stundenkilometern. Sie schalten sich dann erst wieder ein, wenn der Sturm etwas abgeflaut ist. Dieser sogenannte Wiedereinschaltepunkt ist bei den Windrädern aber unterschiedlich geregelt.
Viel Wind klingt doch eigentlich erst mal danach, als könnte das Windrad auch mehr Energie erzeugen, oder?
Bei konstanten Winden eher ja, bei sehr böigen, wie es bei Sturm Sabine der Fall war, eher nein. Um den Wind gut zu nutzen, muss das Rotorblatt immer in der optimalen Position sein. Das heißt, der Anstellwinkel zum jeweils vorherrschenden Wind muss optimal sein. Wenn der Wind sehr schnell schwankt, muss die Rotorblattverstellung der jeweils vorherrschenden Windgeschwindigkeit folgen.
Interview: Anne Lenhardt