RÖMERBERG RHEINPFALZ Plus Artikel Geplante Sporthalle: Ein „Monstrum“ hinterm Garten

Sportgelände hinter der Berghausener Grundschule von Süden aus gesehen: Die Sporthalle soll auf dem nördlichen Teil zur Von-Bola
Sportgelände hinter der Berghausener Grundschule von Süden aus gesehen: Die Sporthalle soll auf dem nördlichen Teil zur Von-Bolanden-Straße hin entstehen, im südlichen Teil ist eine neue Kita geplant.

Auf dem alten Sportplatz hinter der Grundschule in Berghausen soll eine weitere Sporthalle gebaut werden. Was bei den Römerberger Vereinen für Verzücken sorgt, bringt die Anwohner auf die Palme. Denn das bis zu zehn Meter hohe Bauwerk würde wohl direkt hinter ihren Gärten entstehen. Der Ortsgemeinde macht die Gruppe eine ganze Reihe von Vorwürfen.

Inge Wainz wohnt seit 1974 in der Von-Bolanden-Straße in Berghausen, hat damals mit ihrem Mann dort gebaut. Von den Römerberger Verkehrsproblemen ist in der ruhigen hufeisenförmigen Straße in Nachbarschaft der örtlichen Grundschule nichts zu spüren. Doch die Idylle ist dafür jetzt durch die Pläne für die neue Sporthalle bedroht. Diese soll kommen, weil die Kapazitäten in der Rhein-Pfalz-Halle und den übrigen kleineren Römerberger Hallen für die Sportvereine nicht ausreichen. „Ein zehn Meter hohes Monstrum“ befürchtet Inge Wainz vor den Garten gesetzt zu bekommen – und das auch noch auf der Südseite.

„Nach Gutsherrenart“

Doch Inge Wainz und die Bewohner vier weiterer Häuser – auch Grundstücke in der Germersheimer Straße grenzen an das Gelände – stört noch mehr, wie sie in einem gemeinsamen Brief an die Redaktion ausführen: So sei der Bau von offizieller Seite zunächst als Schulturnhalle bezeichnet worden – „um planungsrechtliche Probleme im Vorfeld zu vermeiden“, wie die Anwohner glauben. Erst seit Kurzem werde mit „offenen Karten“ gespielt. „Das Projekt wird trotz zu erwartender erheblicher Lärmbelästigung und zu erwartender Parkplatzprobleme, vor allem bei Veranstaltungen, verfolgt“, beklagen die Anwohner weiter. Ihre Einsprüche seien bisher nicht ernst genommen und nicht beantwortet worden.

Über die Bedenken der Betroffenen werde „gewissermaßen nach Gutsherrenart“ hinweggegangen. Durch die Größe der neuen Halle mit Maßen von rund 45 Metern Länge, 27 Metern Breite und bis zu zehn Metern Höhe „wird die Lebensqualität in den angrenzenden Häusern durch Schatten und Lärm erheblich beeinträchtigt“, heißt es im Brief der Anwohner. Der bisher bestehende Schulsportplatz, der in der Vergangenheit auch als Landeplatz für Rettungshubschrauber gedient habe, werde „massiv verkleinert“. Hintergrund: Auf dem Gelände soll neben der Halle auch noch eine neue Kita Platz finden. Letztlich bliebe nur noch ein Viertel der Fläche zur Benutzung übrig, sagen die Anwohner.

Die Bauplätze in der Von-Bolanden-Straße seien in den 1970er-Jahren als Wohngebiet verkauft worden, doch nun werde erklärt, dass es sich nicht um ein reines Wohngebiet handele, obwohl rund um das Schulgelände kein einziges gewerbliches Unternehmen angesiedelt sei. „Wir Anwohner sind empört darüber, wie hier mit uns Bürgern verfahren wird, und wir werden alles daran setzen, den Bau dieser Sporthalle zu verhindern und auch gegebenenfalls den Rechtsweg einschlagen“, kündigt die Gruppe um Inge Wainz an. Ihr Alternativvorschlag: die bestehende Ganerbhalle in Dudenhofen, an deren Kosten Römerberg beteiligt ist, zu vergrößern. Ein bereits vor Monaten vom Bürgermeister angekündigtes Gespräch mit den Anwohnern habe immer noch nicht stattgefunden, ergänzt Wainz im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die Einsprüche der Betroffenen würden offenbar ignoriert.

„Bedarf ist vorhanden“

Für Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) wie für den Ortsgemeinderat ist die Halle ein wichtiges Zukunftsprojekt. „Die Bedarfsanalyse hat die fehlenden Trainingskapazitäten bestätigt“, sagt Hoffmann. „Der Bedarf an mehr Trainingszeiten für die Römerberger Vereine ist vorhanden.“ Fördergelder seien beantragt, aber es gebe noch keine Förderzusage.

„Es stimmt, dass die Halle zunächst als Schulsporthalle in der Begründung angegeben war“, entgegnet Hoffmann den Anwohnern. „Wir haben aber bereits während der Offenlage in der frühzeitigen Beteiligung den Fehler eingeräumt und aus diesem Grund das Lärmgutachten in Auftrag gegeben.“ Seitdem – das sei ein Jahr her – werde auch von einer Trainingshalle für Vereine und nicht mehr von einer Schulsporthalle gesprochen. „Wir spielen also nicht erst seit Kurzem ,mit offenen Karten’, sondern eigentlich fast von Anfang an“, sagt Hoffmann.

Einen Bebauungsplan, der das betroffene Gebiet als reines oder allgemeines Wohngebiet ausweise, gebe es übrigens nicht. Das Gelände der Schule und die Sporthalle, für das der jetzt aufzustellende Bebauungsplan gelte, seien im Flächennutzungsplan als Gemeinbedarfsfläche ausgewiesen. Eine Sporthalle ist nach Auffassung des Bürgermeisters hier zulässig.

Eine optische Veränderung lasse sich bei einer Bebauung einer bis dahin leeren Fläche nicht vermeiden, sagt Hoffmann zur Kritik der Anwohner, sie bekämen die Halle direkt vor den Garten gesetzt. „Das Baufenster, also die Fläche, in der die Sporthalle gebaut werden kann ist groß bemessen“, so der Bürgermeister. „Das erlaubt uns hoffentlich, den Abstand zu den angrenzenden Grundstücken größer als vorgeschrieben zu halten.“ Lärmzuwachs durch die zweite Halle neben der Schulturnhalle erwartet Hoffmann nicht. „Dies zu prüfen ist eine der Aufgaben des Lärmgutachten“, sagt er. Für die Schüler bleibe auch künftig genug Platz, um im Freien Sport zu treiben – neben der Halle soll noch ein Kleinspielfeld entstehen.

„Aussprache sehr wichtig“

„Die Aussprache mit den Anwohnern ist sehr wichtig“, sagt Hoffmann und begründet, warum diese noch nicht stattgefunden hat: „Zwei wichtige Bausteine dabei sind das Lärmgutachten und die Bedarfsanalyse.“ Diese hätten bis zuletzt gefehlt. Jeder Einspruch der Bürger, denen er sich ebenso wie den Sportlern verpflichtet fühle, werde vom Planungsbüro geprüft und baurechtlich bewertet. Bedingt durch Kapazitätsengpässe bei den Firmen für Lärmgutachten, aber auch durch die Corona-Pandemie sei es zu Verzögerungen gekommen. Am Freitag konnte der Bürgermeister endlich verkünden: Das Lärmgutachten ist eingetroffen und werde gerade geprüft. „Danach können nun die Einwände der Anwohner beurteilt werden“, sagt Hoffmann. „Dazu würde ich mir eine Sitzung mit den Bürgern wünschen. Wir müssen aber noch prüfen, ob und wann dies in der aktuellen Corona-Situation möglich ist.“

Dem Alternativvorschlag der Anwohner erteilt Hoffmann eine Absage: „Die Ganerbhalle ist bereits die größte Drei-Feld-Halle in der Verbandsgemeinde und kann nicht vergrößert werden.“ Der Eigentümer der Halle sei im Übrigen der Rhein-Pfalz-Kreis.

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