Rhein-Pfalz-Kreis / Ludwigshafen
Geothermie: Trucks kommen im Winter wieder
Die Vibrotrucks mit den Rüttelplatten sind immer noch ein Hingucker, wenn sie auf den Wegen in der Region unterwegs sind. In der nächsten Zeit ist ihre Arbeit im Rhein-Pfalz-Kreis aber erstmal erledigt. Unterwegs waren die Trucks mit der Rüttelplatte in den vergangenen Wochen unter anderem in Birkenheide, Lambsheim, Mutterstadt, Maxdorf, Fußgönheim und Dannstadt-Schauernheim. Damit ist die 2D-Seismik in der Vorderpfalz abgeschlossen, teilt das Unternehmen Vulcan Energy aus Karlsruhe mit, in dessen Auftrag die Fahrzeuge unterwegs waren. „Wir sind insgesamt zufrieden mit den Resultaten. Jetzt haben wir die Ergebnisse, die wir brauchen, um die 3D-Seismik planen zu können“, sagt Thorsten Weimann, Geschäftsführer der Vulcan Energie Ressourcen GmbH.
Die Messungen waren dem Unternehmen zufolge ein Teil des im November gestarteten Projekts von Vulcan Energy mit der BASF. Ziel ist dabei, die geothermische Energie des Oberrheingrabens für die CO2-freie Dampfversorgung des BASF-Stammwerks in Ludwigshafen zu nutzen. Gelingt das, könnten dort pro Jahr 800.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Hinzu käme die Möglichkeit einer Fernwärmeversorgung für die Städte Frankenthal und Ludwigshafen. „Wir werden auch dafür werben, dass noch andere Gemeinden dazustoßen“, betont Weimann. Und: Vulcan Energy könnte das im Thermalwasser enthaltene Lithium abschöpfen, das bei der Herstellung von Batterien gebraucht wird.
Bis zu drei Trucks unterwegs
Auf einer Strecke von rund 70 Kilometern waren bis zu drei Vibrotrucks in den vergangenen Wochen unterwegs. Diese haben je eine Metallplatte im unteren Bereich. Nach dem Absetzen werden Schallwellen in den Boden geschickt, die dann reflektiert und von speziellen Messgeräten, den Geophonen, aufgezeichnet werden.
Das Verfahren ist damit aber noch nicht abgeschlossen. Thorsten Weimann bemüht ein Beispiel aus der Konditorei: „Man kann es sich vorstellen wie bei einer Schwarzwälder Kirschtorte. Bei der 2D-Seismik durchschneiden wir die Torte an einzelnen Stellen und finden mit etwas Glück den einzelnen Kirschkern, der sich im Kuchen versteckt. Im Anschluss können wir mit der 3D-Seismik im ganzen Kuchen auf die Suche gehen.“ Dazu müsse man noch mal mit den Vibrotrucks die Strecken abfahren. „Allerdings intensiver“, betont Weimann. Die 2D-Seismik liefert also die Basisdaten für die Modelle, nach denen die Messparameter für die folgende 3D-Seismik festgelegt werden. Diese wird laut Weimann voraussichtlich im Winter 2025/2026 stattfinden.
Die Menschen in den Gemeinden, in denen die Trucks unterwegs waren, seien schon neugierig gewesen. Er selbst sei in Mutterstadt vor Ort gewesen und sei dort mit den Leuten ins Gespräch gekommen. Auch Fragen wie: „Bohren Sie den Teufel an?“ seien dabei gewesen. Das konnte Weimann mit gutem Gewissen verneinen. Bis in den flüssigen Kern der Erden reichen die Bohrungen in dem Fall selbstverständlich nicht. „Wir kommen in Tiefen zwischen 3000 und 5000 Meter. Das entspricht etwa zehn Prozent der Erdkruste“, erklärt der Geschäftsführer. Zum Vergleich: Die tiefste Bohrung der Welt gehe bis zu 12.000 Meter tief, die tiefste in Deutschland auf circa 9000.
Daten auswerten und interpretieren
Wie geht es jetzt weiter? Bei Vulcan Energy werden die gesammelten Daten jetzt ausgewertet und interpretiert. Thorsten Weimann spricht von etlichen Terabyte, die durchforstet werden müssen. Danach soll das Messnetz für die 3D-Seismik erstellt werden. Dabei sei man laut Weimann auch im ständigen Austausch mit Landwirtschafts- und Beregnungsverbänden. Nach Erhebung dieser Daten benötige man noch mal etwa ein Dreivierteljahr zur Auswertung dieser Daten. „Dann gehen wir in die Richtung und schauen, wo ein geeigneter Bohrplatz sein könnte“, erklärt Weimann.
Und selbst dann sei der Erfolg nicht garantiert. „Es war ja noch keiner da unten. Das sind erstmal alles nur Prognosen“, sagt der Geschäftsführer. Daher gehe man bei den Ansätzen, was eine mögliche Erfolgsrate angehe, auch konservativ an die Sache heran.