Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Gemeinsames Fastenbrechen soll verbinden

Die Frauen vom Kulturkreis organisierten das Essen.
Die Frauen vom Kulturkreis organisierten das Essen.

Die Idee von Karl Metzner war längst überfällig. Sein ökumenischer Arbeitskreis „Solidarität mit Ausländern“ und der Türkisch-Islamische Kulturverein veranstalteten ein gemeinsames Fastenbrechen – mit vollem Erfolg.

Immer wieder schaute der kleine Yekta auf das Handy seines Papas Teoman Yalman, auf dem der Countdown für das Fastenbrechen in der Ramadan-App läuft. Der Sechsjährige wartete wie die anderen 130 Gäste im Pfarrer-Jakob-Fuchs-Haus darauf, sich den Teller am Buffet füllen zu dürfen. Eingedeckt war ursprünglich nur für 100 Gäste, es mussten aber noch schnell einige Tische dazugestellt werden, auf jedem ganz nach der Empfehlung des Propheten Mohammed ein Schälchen mit Datteln. Die Zeit nutzte Klaus Metzner (83), um ein paar Worte an das Publikum zu richten. „Warum feiern Christen mit Muslimen?“, fragte er und stellte, da dies noch nicht selbstverständlich sei, gleich die Gegenfrage: „Warum nicht?“ Christen sowie Muslime gingen zu Gottesdiensten, um sich zu erinnern, Geschöpfe zu sein, die von Gnade und Vergebung leben. Doch sie würden im Alltag immer wieder verunsichert werden, wodurch Vorbehalte, Vorurteile und auch Unfrieden entstünden. Mit der Einladung wolle man Vertretern beider Religionen Mut machen zu achtsamer Begegnung.

Lieder als Brücken

Die Erste Beigeordnete Andrea Franz (SPD) sprach von einer wundervollen Geste, die ein Zeichen für Akzeptanz und Toleranz in Mutterstadt setze. Miteinander reden sei immer besser als übereinander reden, sagte sie und forderte auf: „Lassen Sie uns heute damit beginnen“. Der protestantische Jugendchor mit Geburtstagskind Mona Gerbig an der Gitarre und auch der Erwachsenenchor trugen Titel wie „Rock my soul in the bosom of Abraham“ oder „Alle Augen warten auf dich, o Herr“ vor, Lieder, die Brücken zwischen den Konfessionen sein sollten. In seiner Funktion als Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins bekannte Mohammad Günes im Gebet, er habe um Allahs Willen gefastet, mit seiner Hilfe nun das Fasten gebrochen und er habe vor, auch am nächsten Tag wieder zu fasten. Und er bat um Vergebung der Sünden. Dann übersetzte er den Gebetsruf des Imams Zekeriya Karaş ins Deutsche. Im Gespräch erzählte Günes, er habe die Idee für diese Veranstaltung „sofort super gefunden“. „Top, da machen wir mit“, sei seine Rückmeldung an Karl Metzner gewesen, nachdem der Vorstand seines Vereins einstimmig zugestimmt hatte. Nebeneinanderstehend versicherten sich die beiden Hauptverantwortlichen: „Ein friedliches Miteinander sollte unser Ziel sein“ – und am besten sei es eben, mitten im Krieg mit dem Frieden zu beginnen.

Schließlich, punkt 20:23 Uhr, war das Warten vorbei. „Wir fasten seit 16 Stunden, jetzt werden wir feiern“, eröffnete Günes das Buffet. Schnell häuften sich Pilaw (Reis mit Şehriye-Nudeln), Hähnchenbrust in Sauce Hollandaise mit Paprika, das Ganze mit Käse überbacken, ein gulaschähnliches Rindfleisch-Ragout mit roten Zwiebeln sowie Salat mit Joghurt-Soße auf den Tellern, die Linsensuppe im Extrateller. Zum Nachtisch wurden Grießküchlein und Baklava gereicht, dazu türkischer Tee aus dem Samowar.

Einander unterstützen

Dem kleinen Yekta schien es zu schmecken. Vor zwei Jahren ist er mit Mama Derya und seinem Papa aus Mannheim nach Mutterstadt gezogen. Papa Teoman findet es „cool“, hier zu wohnen. Derya hatte in der Moschee von der Veranstaltung erfahren, mit Ehemann und Sohn war sie gern gekommen. „Der Sinn des Fastenbrechens ist, dass man es gemeinsam macht und sich gegenseitig unterstützt“, erzählte der im Schwarzwald geborene türkische Familienvater. Eine solche Veranstaltung freut ihn, denn sie habe eine religiöse und eine kulturelle Seite. Er plauderte über die Verhaltensregeln im Ramadan, der am 21. April endet. So erzählte er, dass er in den frühen Morgenstunden gegen drei Uhr gern eine kleine leichte Mahlzeit wie zum Beispiel ein Omelett oder ein Börek zu sich nimmt. „Es ist wichtig, sich den Nichtmuslimen mitzuteilen“, ist er überzeugt.

Satt und zufrieden lauschte die Gemeinschaft an diesem Abend dem muslimischen Dankesgebet und dem Abendsegen von Pfarrer Heiko Schipper vom protestantischen Pfarramt 1. Am Ende wurden Tische und Stühle gemeinsam mit vielen Händen beiseitegeschafft, Sevim Açar bot noch eine letzte Tasse Tee im Stehen an. Die Friseurin, die seit 30 Jahren in Mutterstadt lebt, hatte mit den Frauen des Vereins das Essen gezaubert und verteilt. Und sie verriet noch die ultimative Zutat: „Getrocknete Minze. Ohne die geht bei uns nix“. Glücklich strahlte sie übers ganze Gesicht: „Sowas sollten wir viel öfter machen!“

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