Lambsheim / Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Gemeinden machen Druck auf Kreis wegen Zuständen an Badeseen

Die Badeseen im Rhein-Pfalz-Kreis sind derzeit gut besucht, auch weil Freibäder nur eingeschränkt genutzt werden können.
Die Badeseen im Rhein-Pfalz-Kreis sind derzeit gut besucht, auch weil Freibäder nur eingeschränkt genutzt werden können.

Was soll man machen, wenn es in diesem Sommer an den Badeseen noch voller wird und niemand die Coronaregeln einhalten will? Das fragen sich im Rhein-Pfalz-Kreis zwei Kommunen, an deren Gewässern es am Wochenende zu Exzessen kam.

Auf der Liegewiese gezeichnete Kreise sollen jetzt am Lambsheimer Baggerweiher allen Badegästen zeigen, was mit dem Mindestabstand von eineinhalb Metern gemeint ist. Doch das kann nicht alles sein, wenn es darum geht, in Zeiten von Corona an dem beliebten Gewässer für Ordnung zu sorgen. Das vergangene Wochenende hat gezeigt, dass auch Drogen, Dreck und Sachbeschädigungen ein Problem sind. Und am Silbersee in Bobenheim-Roxheim haben es die Gemeinde und das Kieswerk immer wieder mit Hausfriedensbruch zu tun.

Manchmal hilft nur die Polizei

Jetzt, da viele im Urlaub nicht verreisen und Freibäder geschlossen sind oder mit Einschränkung betrieben werden, wächst der Druck auf die frei zugänglichen Weiher und Badeseen, an denen sich Jugendliche und Familien auch mal einen ganzen Tag lang ohne Online-Buchung aufhalten können. Sowohl Bobenheim-Roxheim als auch Lambsheim haben aber bei Weitem nicht genug Vollzugsbeamte, um dort ständig zu kontrollieren und Verstöße zu ahnden. Wenn’s nicht anders geht, müssen sie die Polizei holen, was aber auch nicht Sinn der Sache ist.

Im Lambsheimer Gemeinderat wurde das Problem am Dienstag ausführlich diskutiert. Ortsbürgermeister Herbert Knoll (CDU) informierte über die jüngste Party am Nachtweideweiher mit bis zu 400 Jugendlichen und fragte die Ratsmitglieder, was zu tun sei. Das Naherholungsgebiet komplett zu schließen, sieht Knoll kritisch, weil das zulasten der Lambsheimer Bürger gehe und andere Seen im Rhein-Pfalz-Kreis dann noch mehr Zulauf und Probleme bekämen.

Sondersitzung des Gemeinderats

„Bei der Party handelte sich um einen Verstoß gegen die Corona-Bekämpfungsverordnung“, sagte der Bürgermeister. Deshalb sieht er die Kreisverwaltung als Infektionsschutzbehörde in der Pflicht. Der Meinung ist auch der Erste Beigeordnete von Bobenheim-Roxheim, Frank Peter (CDU). „Der Kreis muss eine Allgemeinverfügung erlassen“, sagt er auf Anfrage. In der Altrheingemeinde soll ebenfalls der Gemeinderat über das Problem am Silbersee sprechen, und zwar in einer Sondersitzung am 14. Juli.

Michael Reith (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim, wies in der Sitzung auf eine Stellungnahme der Kreisverwaltung hin, in der ein „einheitliches Vorgehen der Eigentümer von Badeseen“ begrüßt werde. Im Kreishaus schlage man die Teilsperrung der Parkplätze und Verbotsschilder an den Zufahrtsstraßen vor, weil Parkverstöße leichter zu kontrollieren seien als die Einhaltung von Hygieneregeln. „Eine Schließung kommt angesichts der Lockerungstendenzen eigentlich nicht in Betracht“, zitierte Reith aus dem Schreiben.

Sollen Parkplätze gesperrt werden?

Das Parken am See zu beschneiden, das hielt Reith nicht für zielführend, denn schon jetzt parkten viele Badegäste in den Ortsstraßen, um die Gebühr zu sparen. Das nehme dann zu. Beigeordneter Ralf Lenke (SPD) nannte eine Sperrung der Parkplätze „Blödsinn“. Man treffe am Ende nur jene, die sich verantwortungsvoll verhielten. Dem stimmte Sebastian Dietz (CDU) zu: „Notfalls wird auf dem Autobahnparkplatz geparkt und zum Weiher runtergelaufen.“ Ähnlich sieht man es in Bobenheim-Roxheim, was die verschiedenen Zugänge zum Silbersee betrifft.

Michael Reith schlug vor, über einen Dienstleister wie Dekra ein Hygienekonzept für den Weiher mit Zugangsbeschränkungen erarbeiten zu lassen. Mit höheren Parkgebühren einen Sicherheitsdienst zu finanzieren, schlug Klaus-Peter Spohn-Logé (Grüne) vor. Gunter Steuer (FDP) sah nicht den Rat, sondern den Gemeindevorstand am Zug. Der solle „im Laufe der Woche ein Konzept möglichst ohne Sperren, ohne Kreise, ohne Reglementierungen vorlegen oder den Weiher dichtmachen“.

Kreisvertreter werden zum Austausch gebeten

Das Kreisbad in Maxdorf müsse geöffnet werden, forderte Martin Haller (SPD). Er plädierte dafür, dass sich Gemeinden mit vergleichbaren Badeseen austauschen. Weil bei dem Problem Drogen und Alkohol eine Rolle spielten, sollten die Profis vom Kreisjugendamt, „die wissen, wie man die Jugendlichen anspricht“, zusammen mit dem Ordnungsamt an Wochenenden Kontrollgänge machen.

Bürgermeister Reith teilte am Mittwoch mit, es werde am Dienstag, 7. Juli, ein Treffen mit Vertretern der Verbandsgemeinde, der beiden Kommunen, der Kreisverwaltung und der Polizei stattfinden. In Bobenheim-Roxheim möchte man einen Kreisvertreter zur Ratssitzung eine Woche später bitten.

Wenn auf dem Silberseeparkplatz alles voll ist, stellen Badegäste ihre Autos auf einer nahen Wiese ab.
Wenn auf dem Silberseeparkplatz alles voll ist, stellen Badegäste ihre Autos auf einer nahen Wiese ab.
x