Bobenheim-Roxheim
Gemeindekämmerin verabschiedet sich
„Passive Phase der Altersteilzeit“, betont Claudia Kreitmair. „Ich bin zwar raus aus dem Geschäft, aber irgendwie auch noch da.“ Am 23. April ist ihr letzter Arbeitstag im Bobenheim-Roxheimer Rathaus, wo sie seit 2009 vor allem für die Haushaltspläne der Gemeinde und für die Digitalisierung der Buchführung zuständig war. Kreitmair deutet an, dass sie durchaus mal den Versuch gemacht habe, „hier wegzukommen“, aber das habe nicht geklappt. Was aber nicht schlimm sei, denn den Job an sich „mache ich unheimlich gern“, sagt sie. Und das nimmt ihr jeder ab, der sie in Gemeinderatssitzungen oder beim Versuch, darüber zu berichten, als akribische, ehrgeizige und erklärungsfreudige Expertin für kommunale Haushalte kennengelernt hat.
Der Weg ins Rathaus ihrer Heimatgemeinde war keineswegs geradlinig. Als gelernte Einzelhandelskauffrau war sie zunächst im Fotoverkauf des örtlichen Supermarkts Massa tätig und dann bei der Landeszentralbank. Nach einer Kinderpause ging’s zu Lekkerland in die Buchhaltungsabteilung, von dort zur Frankenthaler Turngerätefabrik und nach einer weiteren Familienpause zur Lohnbuchhaltung in einem Steuerberaterbüro. Egal, wo sie tätig war, nirgends habe sie die dafür vorgesehene Ausbildung gehabt, erinnert sich die dreifache Mutter. „Ich hatte aber immer Chefs, die mir was zugetraut haben.“
Abteilung mit offenen Türen
So war das auch 2002, als sie nach einem unkonventionellen Bewerbungsprozess eine Chance in der Bobenheim-Roxheimer Gemeindeverwaltung bekam. Man schickte sie beim Kommunalen Studieninstitut in Ludwigshafen in die Lehrgänge für den mittleren und den gehobenen Dienst. „Wegen meiner befristeten Einstellung habe ich das erst einmal selbst zahlen müssen“, erzählt Kreitmair. „Lohn und Gehalt“ lautete ihr Job innerhalb der Personalabteilung, bis ihr Förderer, der Kämmerer Friedel Schreiber, in Pension und der damalige Kassenleiter gleichzeitig nach Limburgerhof gegangen seien. Da musste sie wohl oder übel „runter in die Finanzen“. „Ich hatte bis dahin nie einen Jahresabschluss oder einen Haushaltsplan gemacht“, erinnert sie sich, aber der damalige Büroleiter Rigo Ritthaler habe ihr sehr viel geholfen.
Es dauerte nicht lange, da war die sparsame und gut kalkulierende Frau eines Landwirts und Tochter einer Bäckerfamilie auf dem Posten und in ihrer Führungsposition angekommen. Wenn Kreitmair in ihrer Abteilung mit den offenen Verbindungstüren hin und wieder Kollegen ins Gespräch mit der RHEINPFALZ einbezieht, dann wird deutlich: Sie ist nicht nur in eigener Sache, sondern auch mit Blick auf andere eine Befürworterin des Prinzips „Fördern und Fordern“. Der ehrliche Umgang miteinander und mit Fehlern (auch ihren eigenen) ist ihr wichtig. Sich selbst beschreibt Kreitmair als „streng und durchsetzungsstark, aber hilfsbereit“. Ihre Schwäche sei ihre „direkte Art“.
Wenn Carmen Häusler jetzt Kreitmairs Nachfolge antritt, ist sie offenbar gut vorbereitet worden und kann von dem unter ihrer Chefin begonnenen und sogar abgeschlossenen Digitalisierungsprozess in der Finanzabteilung der Gemeindeverwaltung profitieren. Was das bedeutet, bringt die angehende Ruheständlerin mit einem Beispiel auf den Punkt: „Während eine Rechnung früher auf Papier lange im Haus hin und her geschickt wurde, bis sie verbucht war, geht das heute in wenigen Minuten.“ Claudia Kreitmair freut sich über eine EDV mit Programmen aus einem Guss, über die Web-Kasse und andere neue Techniken.
Mehr Zeit für die Familie
Sorgenvoll blickt sie dagegen in die finanzielle Zukunft der Gemeinde, die ja nicht nur ihr Arbeitgeber war, sondern auch ihr Lebensumfeld ist. Bei nicht planbaren Steuereinnahmen, steigenden Personalkosten und sehr hohen Investitionskosten für Kita, Schulen und Flüchtlingsunterbringung den Haushaltsausgleich hinzubekommen, sei „eine Riesenherausforderung“. Und man möchte ergänzen: erst recht für jemanden wie Kreitmair, deren Credo stets lautete: „Man kann nicht mehr Geld ausgeben, als man hat.“
Die schwere Bürde wird der bei einer freien evangelischen Gemeinde engagierten Christin nun genommen. Sie freut sich auf mehr Zeit fürs Fahrradfahren mit ihrem Mann und fürs Zusammensein mit den Kindern und den fünf Enkeln. Die Familie habe jetzt Vorrang, betont sie, um dann doch zu bekennen, dass sie so ganz und gar noch nicht von ihrem Job lassen kann: „Die Buchhaltung bleibt mein Nebenjob, und beim Kommunalen Studieninstitut bin ich noch Dozentin für Öffentliches Finanzwesen.“