Hessheim
Gemeindebücherei: Polizzano geht, Walla übernimmt
Nicola Polizzano geht offiziell zwar erst zum 1. Juni in den Ruhestand, aber er hat noch Urlaubstage gut und ist deswegen schon weg. „Wegen Corona waren wir freigestellt, haben uns aber wöchentlich getroffen, um Dinge vorzubereiten“, berichtet der 64-Jährige. Zum Beispiel will Kirti Walla gegenüber dem Tresen eine große, bunte, kuschelige Kinderecke einrichten. Ausgedünnt werde dafür der Sachbuchbereich.
Derzeit, sagt Polizzano, verfüge die Bibliothek über rund 11.000 Bücher, Hörbücher, CDs, DVDs. „Da werden im Jahreslauf rund 1000 aussortiert und rund 1000 wieder hinzugekauft“, erläutert er. Eine weitere Aufgabe: Die neuen Schutzregeln mussten umgesetzt werden. Bei maximal neun Besuchern soll der Sicherheitsabstand optimal eingehalten werden können. Jeder weitere Besucher müsse sich in der Wartezone im Flur gedulden.
Polizzano: Der Abschied wird weh tun
Seit Montag leitet Kirti Walla die Bücherei nach einem Jahr gemeinsamer Arbeit alleine. „Dieses Jahr war wichtig“, sagt Polizzano. Den Ablauf in der Bücherei habe man schnell drauf, aber Veranstaltungen wie Lesesommer, Kinderkino, Seniorennachmittage, Bastelstunden und das weit verzweigte Netzwerk im Kulturbereich, das könne man nicht von heute auf morgen kennenlernen, betont er. Der Abschied von all den Menschen, Lesern, Helfern, Künstlern „wird mir schon ein bisschen weh tun“, fügt er hinzu.
Nicola Polizzano hat den Beruf des Feinmechanikers bei der BASF erlernt. „Ich habe tausend Sachen gemacht“, sagt er. Abwechslung und neue Herausforderungen habe er gebraucht. Er sei angestellt und selbstständig sowie unter anderem in der Finanz- und Werbebranche tätig gewesen. Seine längste Zeit und schönsten Jahre aber habe er in der Heßheimer Bücherei verbracht.
Jetzt Zeit für viele Interessen
Zufällig sei er für die erkrankte Vorgängerin eingesprungen. Der Start war ehrenamtlich, „aber ich habe sofort gemerkt, dass man hier mehr machen kann, dass die Bücherei nicht nur Ausleihe und Rückgabe ist“, blickt er zurück. Seine Ideen für neue Angebote für Alt und Jung durfte er in die Tat umsetzen. „Das hat viel Spaß gemacht. Jetzt aufzuhören fällt nicht leicht.“ In diesem Jahr hätten 27 Veranstaltungen auf dem Programm gestanden, von Comedy und Theater über Konzert bis zum Kochkurs. Sie mussten wegen der Corona-Pandemie auf unbestimmte Zeit verschoben werden.
Und was kommt nun? Nicola Polizzanos Leidenschaft ist die Musik. Diesen Bereich will er im Duo mit dem Namen inTon mit seinem Partner Ernst Kaeshammer ausbauen. Zudem habe er sechs Enkelkinder und vor einigen Jahren mit seiner Schwester im italienischen Friaul, der Heimat der Großeltern, ein kleines Häuschen gekauft, das er jetzt genießen möchte. Und er kocht leidenschaftlich gern. „Kochen sehe ich als Kunst an“, sagt Polizzano.
Nein, Langeweile werde nicht aufkommen. Die Corona-Krise und die erzwungene Ruhephase haben ihm gezeigt: „Mensch, das wird gut!“ Nur die Kollegen werde er im Ruhestand vermissen: „Wir hatten ein sehr gutes Betriebsklima. Ich kann mich nun nicht persönlich verabschieden, aber das werde ich mit Sicherheit nachholen.“
Walla will Bücherei vielfältig nutzen
„Seine Geschichten werden mir fehlen, ich habe so viel von ihm gelernt“, sagt Kirti Walla. Die 29-Jährige ist gelernte Einzelhandelskauffrau und Kauffrau für Büromanagement und hat einen neun Jahre alten Sohn. Auch sie hat schon in vielen unterschiedlichen Branchen gearbeitet. Gesucht habe sie einen Job, in dem sie auch ihrem Kind gerecht werden könne. Neben den festen Öffnungszeiten der Bibliothek und den fixen Veranstaltungsterminen sei die Arbeitszeit flexibel.
„Sie wird ihre Persönlichkeit einbringen“, weiß Polizzano. Dass jetzt eine andere Generation am Start ist, soll sich im kulturellen Arbeitsfeld niederschlagen und auch in der Bücherei, die Walla „ein Juwel“ nennt. Dieses möchte sie vielfach nutzen, etwa für einen Computerkurs für Senioren, für Bastelstunden, Kleinkunst oder Leseabende.
Unterstützung und Lob
Ihr erstes Augenmerk liegt aber auf der geplanten Kinderecke. Dafür sucht sie unter anderem Vorlesetanten, auch um den Kontakt unter den Generationen zu beleben. „Tagsüber gibt sich mein Sohn cool, aber abends, da darf ich ihm vorlesen“, weiß sie aus eigener Erfahrung und ist sicher, dass dieses Angebot ankommen wird. Bestehendes wie den Treff der Strick- und Häkelgruppe oder die Plauderstunde am Mittwochmorgen sollen beibehalten, wenn möglich ausgebaut werden. So auch die Zusammenarbeit mit Schulen, Hort und Kitas.
Sie wolle ihre Ziele konsequent, aber behutsam verfolgen, sagt Kirti Walla. Nicola Polizzano macht ihr Mut: „Das Gute ist hier: Man bekommt Unterstützung von der Gemeinde und von Kollegen, Vorgesetzten und Bürgern auch viel direktes Lob. Das findet man nur auf wenigen Arbeitsplätzen.“
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