Mutterstadt Gemeindebücherei: Mit Helden aus Fernost Leselust wecken

„Manga-Offensive“: Büchereileiterin Birgit Bauer vor der stattlichen Sammlung von Mangas und Comics in der Gemeindebibliothek.
»Manga-Offensive«: Büchereileiterin Birgit Bauer vor der stattlichen Sammlung von Mangas und Comics in der Gemeindebibliothek.

Teenies fürs Lesen zu begeistern ist kein leichtes Unterfangen. Bibliotheken im Lockdown sind auch nicht förderlich für Leselust. Um dem Rückgang der Ausleihen in der Altersgruppe zehn bis 16 Jahre entgegenzusteuern, hat sich die Mutterstadter Gemeindebibliothek etwas einfallen lassen und wartet mit modernen Helden auf.

Sie heißen Naruto, One Piece, Dragon Ball, Kitaro oder Detektiv Canon und haben eines gemeinsam: Sie sind Mangas. So werden in Japan Comics bezeichnet. „Mangas sind bei Jugendlichen sehr beliebt und bringen sie zu einer anderen Art des Lesens“, berichtet die Leiterin der Gemeindebibliothek, Birgit Bauer, aus Erfahrung. Weltweit seien diese zusammen mit Animes (japanische Zeichentrickfilme) bereits seit den 90er Jahren auf Erfolgskurs. Sie würden eine Verbindung schaffen zwischen Film und Buch, seien „wie ein Film, den man liest“. Dadurch könne eine neue Klientel erreicht werden. „Plötzlich greifen Kinder zum Buch, die das vorher nicht getan haben“, sagt Bauer.

In den Manga-Serien, von denen ihre Bibliothek einige im Abo bezieht, gehe es um spannende Geschichten zwischen Gut und Böse, es würden Dörfer gerettet und Außenseiter zu Helden. Auch Alltagsprobleme oder Liebe seien Themen. Das Eintauchen in die fantastischen Manga-Welten, die sich Kindern und Jugendlichen durch aufmerksames Von-hinten-nach-vorne-Lesen erschließen, fördere in der jungen Leserschaft außer Konzentration auch den Wortschatz.

Eine anerkannte Kunstform

„Auf jeden Fall besser als vor der Konsole sitzen“, beurteilt Bauer den Manga-Trend, dessen Wurzeln in Japan bis ins achte Jahrhundert zurückreichen, als buddhistische Mönche Tiere auf Papierrollen zeichneten und sie mit menschlichen Eigenschaften ausstatteten. Erstmals sei der Begriff „Manga“ 1814 verwendet worden. Obwohl bis in die 50er Jahre in Japan streng zensiert, seien sie dort inzwischen als Kunstform in allen Gesellschaftsschichten anerkannt.

Auch in Mutterstadt sind sie nun fester Bestandteil der mehr als 29.000 vorhandenen Medieneinheiten. Der Total-Bestand habe sich etwas reduziert, weil man bewusst veraltete Titel rausgenommen habe, auch um neuen Titeln mehr Geltung zu verschaffen. Ihre Kollegin Karin Hörtel, die Kinder in diesem Alter habe, sei auf die Idee der „Manga-Offensive“ gekommen, erzählt Bauer weiter.

Selbst Mangafiguren zeichnen

Mangafans sammeln von Montag, 14. Februar, bis Ende März mit jeder Manga-Ausleihe Stempel und haben die Chance auf tolle Gewinne wie Hoodies, Tassen und Poster. Außerdem ist für Freitag, 11. März, ein Manga-Workshop geplant, bei dem Lorenzo Winter maximal zehn jungen Fans zeigt, wie sie ihre Lieblingsmangafigur selbst zeichnen oder Pinselstriche per Tastatur erstellen können. Die Möglichkeit, zu „stilisieren wie ein Mangaka“ haben zukünftige Mangakünstler nach vorheriger Anmeldung an diesem Nachmittag ab 16 Uhr.

Aktiv werden ist die Devise. „Und sich nicht nur berieseln lassen“, das möchte das Bibliotheksteam mit der Aktion erreichen. Laut Birgit Bauer lese statistisch jeder Japaner 15 Mangas im Jahr, habe sie recherchiert. „Sie brauchen dabei mehr Papier für Mangas als für Klopapier“, erzählt sie.

Kontakt

Büchertheke: 06234 9464-94, im Netz gemeindebibliothek@mutterstadt.de.

Einen Überblick bietet ein Manga-Tisch in der Gemeindebibliothek.
Einen Überblick bietet ein Manga-Tisch in der Gemeindebibliothek.
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