DUDENHOFEN RHEINPFALZ Plus Artikel Gemeinde verkauft ihr Baugebiet-Grundstück an Investor

Baugebiet „In den dreißig Morgen“ Mitte Mai: Der Ortsgemeinde gehören 4000 Quadratmeter an der Carl-Zimmermann-Straße.
Baugebiet »In den dreißig Morgen« Mitte Mai: Der Ortsgemeinde gehören 4000 Quadratmeter an der Carl-Zimmermann-Straße.

Mehr als 600 Bewerber hat es für die gemeindeeigenen Grundstücke „In den dreißig Morgen“ in Dudenhofen gegeben. Zum Zuge kommt nun – keiner. Denn die Ortsgemeinde hat beschlossen, den ihr gehörenden Teil des Neubaugebietsals Ganzes an einen Investor zu verkaufen. Der soll dort die Nachfrage nach einer bestimmten Art von Wohnraum decken.

„Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, macht Ortsbürgermeister Jürgen Hook (SPD) klar, dass auch ihm dieser Schritt nicht leichtfällt. Doch die Mehrheit im Ortsgemeinderat, bestehend aus SPD, Grünen und FDP, hat sich gegen die Stimmen der CDU am Donnerstagabend für den Verkauf des gemeindeeigenen Grundstücks an einen Investor ausgesprochen. Begründet haben die drei Fraktionen, die die Ampel-Koalition bilden, dies in einem Antrag in der jüngsten Haupt- und Bauausschuss-Sitzung: „Die Ortsgemeinde ist aufgrund ihrer Haushaltslage und den anstehenden zahlreichen Investitionsentscheidungen gezwungen, ihr Vermögen zu einem möglichst hohen Preis zu verkaufen“, heißt es darin unter anderem.

In dem 4,8 Hektar großen Neubaugebiet am östlichen Ortsrand, südlich der B39, dessen Erschließung gerade begonnen hat, gehören der Ortsgemeinde rund 4000 Quadratmeter, Auf diesen hätten nach den Planungen des Büros Piske zum Beispiel sechs Einfamilienhäuser und vier Doppelhaushälften errichtet werden können. Eine zweite Variante hätte ebenfalls vier Doppelhaushälften, aber daneben vier Mehrfamilienhäuser mit jeweils fünf oder sechs Wohnungen vorgesehen.

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Doch der Ortsgemeinderat verwarf beide Varianten zugunsten einer Nutzung des gesamten Areals, das direkt an die Carl-Zimmermann-Straße angrenzt, für betreutes beziehungsweise Senioren-Wohnen. „Die Nachfrage sowohl nach Wohnungen als auch für betreutes Wohnen ist in Dudenhofen nach wie vor besonders groß“, heißt es im Antrag von SPD, Grünen und FDP. „Der Verkauf des Grundstücks als Ganzes an einen Investor, der ein ,generationenübergreifendes Projekt’ mit betreutem Wohnen oder eine ,Seniorenresidenz’ errichtet, würde dazu führen, dass Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde auch im hohen Alter weiter in ihrem vertrauten Umfeld wohnen bleiben können.“ Und weiter: „Das Bieterverfahren hat zudem den Vorteil, dass die Gemeinde einen guten Kaufpreis erzielen und Einfluss auf die Konzeption des Projekts nehmen kann.“

„Missstimmung“ befürchtet

Für die zahlreichen jungen Familien, die gehofft hatten, von der Gemeinde ein Grundstück im Baugebiet kaufen zu können, bedeutet das allerdings: Sie gehen leer aus. Da sich mehr als 600 Interessenten für den Kauf eines Grundstücks bei der Ortsgemeinde Dudenhofen beworben hätten, sei eine Entscheidung, wer ein solches erhalten soll, „problematisch“ und könne zu „Missstimmungen“ bei jenen, die nicht zum Zuge kommen, führen, begründet die Ampel-Koalition in ihrem Antrag den Schritt. Ein Auswahlverfahren, bei dem jener Bieter den Zuschlag erhalte, der das höchste Angebot abgibt, wäre außerdem insofern ungerecht, dass nur besonders zahlungskräftige Bewerber eine Chance hätten.

„Das ist keine schöne Situation. Da gibt es keinen Königsweg raus“, gesteht Ortsbürgermeister Hook. Unmut hätte es so oder so gegeben, egal für welchen Weg sich die Ortsgemeinde entschieden hätte, glaubt er. Einen kleinen Trost für die jüngerer Generation hat er dennoch: „Generationsübergreifendes Wohnen schließt ja die Jungen nicht aus.“ Einen Investor, der bereitstehe, gibt es laut Hook allerdings noch nicht. Die Ortsgemeinde soll nun Preis- und Konzeptionsangebote von verschiedenen Investoren einholen.

Nicht glücklich mit der Lösung, für die sich der Ortsgemeinderat entschieden hat, ist CDU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Ofer. Seine Partei hat im Ortsgemeinderat gegen den Verkauf des gemeindeeigenen Grundstücks an einen Investor gestimmt. Ofer hätte die Grundstücke lieber an Familien verkauft – „gerne auch generationenübergreifend“, wie er sagt. Die Sorge, dass viele leer ausgingen und nur Menschen mit dickem Geldbeutel zum Zuge kommen, verstehe er zwar, andererseits hätte man letzterem durch die Berücksichtigung sozialer Komponenten bei der Vergabe oder durch ein Losverfahren entgegenwirken können. Die Ampelkoalition befürchtet allerdings auch, dass die Kommunalaufsicht solche Plänen durchkreuzen könnte und die Ortsgemeinde in Anbetracht leerer Kassen dazu zwinge, einen möglichst hohen Verkaufspreis zu erzielen.

Ofer hingegen glaubt, dass genau dies durch den Verkauf an einen Investor nicht gewährleistet ist. „Ein Investor will Geld verdienen, billig kaufen und teuer verkaufen“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende. Und auch die Vorstellung eines möglichen Seniorenzentrums auf der Fläche überzeugt ihn nicht. „Der Trend geht in Richtung ambulante Pflege. Langfristig ist der Bedarf für ein weiteres Seniorenzentrum nicht da“, glaubt er.

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