Bobenheim-Roxheim
Gemeinde leitet Planung für großes Baugebiet ein
Als „Spielwiese zum Planen“ und mögliches „Musterbaugebiet“ hat Landtagsmitglied Martin Haller (SPD) vor etwa einem Jahr die Fläche zwischen dem Südring und dem Wirtschaftsweg Richtung Großniedesheim (K6) sowie zwischen L 523 und der Bahnlinie bezeichnet. Da war gerade vom Land das Signal gekommen, dass sich der Bau einer Umgehungsstraße und die Verwirklichung des amtlich festgestellten Wohnbaubedarfs für die nächsten 15 Jahre – beides im Südwesten des Orts – nicht ausschließen müssen. Wenn man denn intelligent und zukunftsweisend plant.
Ein solches Konzept konnte und wollte Ulrich Villinger vom Ludwigshafener Planungsbüro Piske vergangene Woche im Bauausschuss der Gemeinde freilich noch nicht vorlegen. Er skizzierte lediglich die Ausmaße der vermutlich in zwei Abschnitten zu erschließenden Siedlung und die Möglichkeiten ihrer Verkehrsanbindung. Sozusagen als Auftakt und Anstoß zum Nachdenken. Denn der Gemeinderat sei aufgefordert zu sagen, was er eigentlich dort haben wolle.
Mit zwei Vorentwürfen zu den Bebauungsmöglichkeiten machte Villinger deutlich, dass das Neubaugebiet ziemlich viel bieten muss, zum Beispiel 30 Wohneinheiten auf einem Hektar unterzubringen, denn das sei eine raumordnerische Vorgabe. Also müssten neben Einfamilien- und Reihenhäusern auch größere Mehrfamilienhäuser gebaut werden.
Auch muss der Lärmschutz gewährleistet sein, was angesichts der nahen Bahnlinie und der Landesstraße eine Herausforderung wird. Eine Möglichkeit wäre,
entlang der Gleise einen Riegel mit gewerblich genutzten Gebäuden vorzusehen. Jedoch: „Der müsste dann erst einmal stehen, bevor es mit der Wohnbebauung losgehen könnte“, gab Bürgermeister Michael Müller (SPD) zu bedenken. Auf RHEINPFALZ-Anfrage sagte er, er halte das Gelände frühestens in vier Jahren für baureif. Unklar ist, ob die Deutsche Bahn in der Nähe einen zweiten S-Bahn-Haltepunkt realisieren würde.
In der Aussprache nach Villingers Präsentation machten einige Ausschussmitglieder deutlich, dass sie sich mehr Informationen vor der Sitzung gewünscht hätten. Der Bürgermeister hatte allerdings bewusst zuerst die mündliche Erläuterung anberaumt. Villingers Folien gingen danach an alle Ausschuss- und Ratsmitglieder, damit die Fraktionen bis 3. März ihre Kommentare und Fragen einreichen und das Thema zum zweiten Mal am 18. März beraten werden kann.
„Wir wollen und brauchen Wohnbebauung, aber könnte das nicht etwas kleiner ausfallen?“, fragte Wolfgang Müsel (FWG). Michael Voll betonte, dass die CDU noch kein Okay für das Projekt gebe, und schlug einen Ideenwettbewerb vor, „damit man auch mal die Vorstellungen anderer Büros sehen kann“. Frank Sommer und Matthias Vettermann (Grüne) beantragten, dass das Thema Neubaugebiet gleich im Gemeinderat behandelt wird, was die anderen Fraktionen ablehnten. Die Grünen hatten sich schon im April 2020 gegen die Erschließung der betreffenden Fläche und für die weitere Nutzung durch die Landwirtschaft ausgesprochen.
Oswald Fechner machte die Haltung der SPD-Fraktion deutlich: „Wir wollen, dass Bobenheim-Roxheim wächst, und wir wollen bezahlbaren Wohnraum schaffen.“
