Rhein-Pfalz Kreis Geheimes Treffen 1964

Am morgigen Samstag nimmt Europa in einem Staatsakt in Straßburg Abschied von Altkanzler Helmut Kohl. Aus diesem Anlass erinnert Klaus Graber daran, was ihm die Bobenheim-Roxheimer Naturschützer zu verdanken haben.
Zu Beginn der 1960er-Jahre sei geplant gewesen, den Hinteren Roxheimer Altrhein mit Industrieschlacken der BASF zu verfüllen und auf dem so entstehenden Hügel ein internationales Begegnungszentrum des Vereins CVJM zu bauen. Es sei eine verzweifelte Situation für die Einzelkämpfer des dort noch nicht organisierten Naturschutzes gewesen, so Graber. Günter Preuß aus Annweiler, Naturschützer, Pädagoge, Botaniker, Zoologe und später Pollichia-Vorsitzende, habe ein heimliches Treffen mit dem damaligen Referenten beim Verband der chemischen Industrie arrangiert, weiß Graber. Dieser Referent, auch Vorstandsmitglied der rheinland-pfälzischen CDU, war Helmut Kohl. Ihn konnte Preuß im Winter 1964 vor Ort vom Wert des unter Kennern als Pflanzen- und Vogelparadies bekannte Feuchtgebiet überzeugen. Die BASF-Abfälle kamen nicht in den Altrhein, sondern ab 1966 auf die Deponie Flotzgrün südlich von Speyer. Der Hintere Altrhein wurde im gleichen Jahr unter Naturschutz gestellt. „Günter Preuß hat mir das nicht lange vor seinem Tod 2011 anvertraut“, so Graber, der die Sache erst jetzt, nachdem auch Helmut Kohl verstorben ist, publik machen will. „Das Naturschutzgebiet Hinterer Roxheimer Altrhein hätte es ohne dieses Treffen nie gegeben.“