Römerberg
Gedenkstein für Flugzeugbesatzung: Erinnern – ohne Hass im Herzen
Am 20. Januar 1945 nahm in England ein Geschwader mit 36 amerikanischen Bombern Kurs auf Mannheim und Ludwigshafen. Einer der B-17-Bomber wurde kurz darauf über einem Feld bei Mechtersheim abgeschossen. Er stürzte in der Nähe des Sportplatzes ab. Unweit der Absturzstelle ist am Wochenende ein Gedenkstein eingeweiht worden. Der Zeremonie wohnten neben Militärvertretern auch Angehörige der damaligen Besatzung bei. Dabei wurde das gemeinsame Bemühen um Frieden und Freundschaft bekräftigt.
Wie Erik Wieman von der Interessengemeinschaft Heimatforschung Rheinland-Pfalz bei der Begrüßung sagte, haben der Pilot der „Black Widow“ („Schwarze Witwe“) und einer der Fallschirmspringer den Absturz nicht überlebt. Die sieben Überlebenden seien in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten. Laut Martin Heinz von der IG Heimatforschung, die die Mechtersheimer Absturzstelle dank der Hilfe von Zeitzeugen entdeckte, hat die zehnköpfige Interessengemeinschaft bislang neun Gedenkstätten für im Krieg abgestürzte Flugzeuge und ihre Besatzungen eingerichtet. Weitere seien in Planung.
Heinz enthüllte das Mechtersheimer Mahnmal gemeinsam mit dem Römerberger Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne). In den Gedenkstein, der die Namen der amerikanischen Besatzung trägt, wurde anschließend eine Zeitkapsel eingelassen, die Abzeichen, Medaillen und Überreste von Materialien des abgeschossenen Bombers enthält. Darunter auch eine Zange, mit der sich Island Bennett Brown, der als Kugelturmschütze im Einsatz war, aus dem brennenden Flugzeug befreien und mit dem Fallschirm retten konnte.
Dessen Enkel Scott Brown schilderte seinen Großvater als „ruhigen und bescheidenen Mann“, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs den Wunsch gehabt habe, nach Deutschland zurückzukehren, um die Städte zu besichtigen, in denen er als Kriegsgefangener festgehalten worden war, und auch den Ort, an dem das Flugzeug abstürzte. Der Wunsch habe sich nicht erfüllt, nun sei er im Namen seines Großvaters nach Mechtersheim gekommen, wie Scott Brown mit bewegter Stimme berichtete.
Unter den Angehörigen war auch Gary Skubik, dessen Vater Henry als Copilot in der B-17 saß und der 2018 im Alter von 94 Jahren verstarb. Skubik würdigte die deutsche Erinnerungskultur. Geschichte sei dazu da, „dass wir alle daraus lernen“. Enkel Ryan Skubik schilderte seinen Großvater als „großartigen Mann, der versuchte, nach Hause zu kommen“. Er sei dazu entschlossen gewesen, „ohne Hass im Herzen“ durchs Leben zu gehen. Tochter Karen Skubik sah ihren Vater stets auf der „Sonnenseite des Lebens“.
Auch deutscher Pilot erwähnt
Laut Bürgermeister Hoffmann ist bei dem Luftkampf am 20. Januar 1945 neben dem amerikanischen Piloten James R. Mitchell und Nelson R. Beyer, der mit defektem Fallschirm abstürzte, auch ein unbekannter deutscher Pilot ums Leben gekommen. Dank des Mutes des damaligen Kaplans Curt Schwarz hätten Dorfbewohner davon abgehalten werden können, sich an den gefangenengenommenen amerikanischen Besatzungsmitgliedern zu rächen. Dies bestätigte der Vertreter der katholischen Kirchengemeinde, Richard Schultz. Schwarz sei „ein ungewöhnlich entschlossener und mutiger Mann“ gewesen.
General Adrienne Williams von der US-Airbase in Ramstein erachtete es als gemeinsame Verpflichtung, als Partner und Verbündete auf Frieden hinzuarbeiten. Oberstleutnant Andreas Kaukel als Vertreter des Dienstältesten Deutschen Offiziers im Nato-Hauptquartier Aircom beteuerte mit Blick auf die US-Soldaten der „Black Widow“: „Sie werden nicht vergessen.“ Das heutige Deutschland habe nichts mit dem Land zu tun, das den Zweiten Weltkrieg seinerzeit ausgelöst habe.
Die Mechtersheimer evangelische Pfarrerin Bettina Beyerle bezeichnete es als Aufgabe der Gläubigen, Frieden zu erhalten und die Erinnerung an das Vergangene bewahren. Als Zeichen des Friedens wurden weiße Brieftauben in den Himmel gelassen. Außerdem überflog ein Flieger der in Ramstein stationierten US-Air-Force das Gelände. Vier Fallschirmspringer vom Aeroclub Walldorf, die über dem Acker absprangen, erinnerten an den Sprung der Überlebenden in der kalten Winternacht des 20. Januar 1945.