Mutterstadt
Gartenprojekt an der IGS: Schuften für den Traumschulhof
Schulranzen und Taschen auf die Seite, Jacken ausziehen, Ärmel hochkrempeln und los geht’s. 15 Schüler der IGS Mutterstadter mit dem Wahlpflichtfach Ökologie aus der Klassenstufe zehn schwärmen in kleinen Gruppen in die Wildnis des durch die Pandemie vernachlässigten Schulgartens aus. Zuvor hatte Lehrerin Sabine Geeck ihnen noch erklärt, was zu tun ist.
Umherliegende Steinhaufen müssen sortiert, ein Teil der Steine entsorgt, Sandhaufen abgetragen, alte Beetumrandungen entfernt, vorhandene Naturwandstücke beseitigt, ein Maschendrahtzaun rückgebaut und Sträucher sowie Bäume zurückgeschnitten werden. „Das Projekt läuft über drei Jahre, in jedem Jahr soll ein Abschnitt fertig gestellt werden“, sagt Mitorganisatorin Heike Hohl. Die jetzigen Aufräum- und Vorbereitungsarbeiten sollen bis zu den Sommerferien laufen, in der Woche vor den Herbstferien soll es mit der Neugestaltung so richtig losgehen. Dann werden auch zwei Vertreter von des Otterstadter Vereins Naturspur mit von der Partie sein, dessen Aktive beim Planen geholfen haben.
Mathe am Hochbeet
Die Aktion passe gut ins Konzept der Schule. Diese soll nämlich bald auch eine Zertifizierung erhalten: Bildung-für-nachhaltige-Entwicklung, kurz: BNE. Ziel ist laut Hohl nun, den Schulgarten an den Schulhof anzubinden und zugänglich für alle Kinder zu machen. Und der Garten soll möglichst fächerübergreifend genutzt werden: Ob die Schüler nun in Mathematik das Volumen des Hochbeets oder des Teiches ausrechnen, im Fach Kunst anhand der Gartenmotive Stillleben oder Skulpturen entstehen lassen und ausstellen oder im Musikunterricht durch den Klanggarten spazieren – die Ideen und Möglichkeiten seien vielfältig. Unterricht mal ganz praktisch. „Ich möchte alle Kollegen ins Boot holen“, sagt Heike Hohl, auch was die Pflege betrifft.
Derweil haben das Zweierteam Niclas Meier und Tim Mayer schon etliche der Zaunmaschen mithilfe von Gartenscheren durchtrennt und Holunderbüsche gestutzt. Gefüllt haben sie auch zwei Eimer mit Blüten, die für Sirup verwendet werden sollen. Da sie bereits in zweieinhalb Jahren die Schule beenden, könnte es für sie knapp werden, den fertigen Garten noch zu erleben. „Vielleicht bekommen wir das ja noch mit“, hoffen sie. Noah Striebinger, Noel Kelly und Colin Riccius stapeln Bestandteile der ehemaligen Naturwand zum Abtransport. Sie wünschen sich vor allem einen neuen, gut gepflegten Teich und ein Outdoor-Klassenzimmer, beides hatten sie auch in ihrem Model vorgesehen.
Ein Zuhause für Wasserläufer
Der Aktionstag im August ist Colin noch gut im Gedächtnis: „Das war nämlich ein Tag nach meinem Geburtstag“, erinnert er sich. Luna Räuchle hätte gerne einen Grillplatz und eine Chill-Ecke. Während sie das erzählt, versucht sie, zwischen dem hochgewachsenen Dickicht die alten Beetumrandungen zu finden. Das ist ihr gelungen, denn eine halbe Stunde später schiebt sie mit Holzstücken gefüllte Schubkarren davon. Spannend fände sie auch, zukünftig wieder eine reiche Tierwelt vor Ort zu haben. Als es im Biounterricht um die Tiere „rund ums Wasser“ ging, habe die Klasse den Teich untersucht. Das sei aber schon Jahre her. „Da war ein Wasserläufer dabei“, erinnert sie sich noch.
Jan Müller, Max Mayer und Ben-Hoffmann sind im Baumfäller-Team. Entgegen des Vorsatzes, Bäume zu schonen, mussten zwei mittelgroße Exemplare weg. „Die Fallrichtung beim Sägen war ein wenig problematisch, dennoch hat alles gut funktioniert“, berichten sie nicht ohne Stolz. Natürlich geht nicht alles in Handarbeit. Die Zaunpfosten beispielsweise wird demnächst ein Papa mit dem Bagger entfernen. Die Unterstützung der Elternschaft und des Förderkreises seien enorm, freut sich Heike Hohl. Auch seien von dieser Seite Sachspenden wie Mutterboden, Sandsteine, Schotter und Gitter für die Hochbeete gekommen. Die Finanzierung von insgesamt etwa 140.000 Euro sei aber noch nicht abgeschlossen.
Spender gesucht
Sehr dankbar sei man über bereits eingegangene Spenden. Förderanträge ans Ministerium liefen noch. Genauso eine Online-Spendenaktion mit dem Namen „Gofundme“, an der sich jeder beteiligen könne. Ein Spendenlauf für den 28. Juni ist zudem angedacht. Schulleiter Jens Pellkofer ist sich des zu stemmenden Kostenrahmens bewusst. Und er ist entschlossen: „Wir versuchen zu akquirieren, was zu akquirieren ist.“ Denn die tollen Ideen aus der Planungswerkstatt sollen umgesetzt werden. Und ein Plätzchen zum Chillen – das finden nicht nur Schüler toll.
Noch Fragen?
Pläne zur Schulgartenumgestaltung im Netz unter https://www.igs-mutterstadt.de; Spenden über Online-Fundraiser des IGS-Freundeskreises https://gf.me/u/zrwf82 oder Kontonummer: DE 95 5455 0010 0000 277 947, Sparkasse Vorderpfalz, Stichwort „Schulgarten“