Rhein-Pfalz-Kreis
Garten-Wettbewerb: Auf die Plätze, fertig, grün
Immerhin 30 Zuhörer kamen in die Turnhalle des TV Rödersheim, um sich zu informieren, was es mit dem Wettbewerb „Naturnaher Garten“ auf sich hat. Der Grundgedanke ist einfach: Vorgärten, Gartenbereiche, aber auch Balkone und Innenhöfe sollen grüner und bunter werden. Alles Bereiche, die für eine Prämierung im August 2023 in Frage kommen. So lange haben die Rödersheim-Gronauer Zeit, für mehr Artenvielfalt zu gärtnern. Informationen zu den Bedingungen des Wettbewerbs gaben Petra Jörns und Karl-Heinz Hetze, die das Projekt federführend in der Hand haben.
„Um die Biodiversität ist es schlecht bestellt“, stellte Christiane Brell dann zu Beginn ihres Referats fest. Von 1989 bis 2017 sei in Deutschland die Zahl an Insekten um 79 Prozent zurückgegangen. Bundesweit habe sich die Anzahl bei Vögeln um die Hälfte auf aktuell 300 Millionen Brutpaare reduziert. Bei der Schmetterlingsart Tagpfauenauge sei es ein Schwund von 99 Prozent gewesen. In der Südpfalz ist die Zahl an Amphibien merklich geschrumpft. Als Gründe nannte die Dudenhofenerin den erheblichen Verlust von Grünland in Deutschland, die Entwässerung von Mooren, den viel zu hohen Flächenverbrauch für Baugebiete und Straßen und den Verlust gärtnerischen Wissens, der sich heute in „ökologisch völlig wertlosen Gärten“ mit Thuja, Kirschlorbeer, Nadelgehölzen und Rasen offenbaren würde.
Raus aus der Steinzeit
„Zurück in die Steinzeit“, erklärte Brell angesichts der seit zwei Jahrzehnten in Mode gekommenen Schottergärten. „Ein Verlust von Lebensraum, in dem Igel nur noch in Form von Steinfiguren zu sehen sind, es gibt keine Versickerungsfläche und damit keinen Hochwasserschutz, keine Feinstaub- und Kohlendioxidbindung“, bilanzierte Brell.
Wie mit wenig Mühe eine solche Fläche in eine Oase für heimische Pflanzen und Tiere umgewandelt werden kann, zeigte die Biologin anhand von Beispielpflanzungen im Speyerer Pikopark und einer Verkehrsflächenbegrünung in Dudenhofen, für die der Natur- und Vogelschutzverein des Dorfs 2018 mit dem zweiten Preis des bundesweiten Wettbewerbs „Deutschland summt!“ ausgezeichnet worden war.
Von Berberitze bis Wildrose
Von einjährigen Ackerwildkräutern wie Kornrade und Kornblume über die zweijährigen Kräuter Natternkopf und Wegwarte, Zwiebelpflanzen wie Bärlauch und Weinbergstulpe bis hin zu mehrjährigen Stauden, Gräsern, Farnen und Moosen plädierte Brell für die Verwendung heimischer Pflanzen in Gärten und auf öffentlichen Flächen. Insektenfreundliche Gehölze wie Berberitze, Wildrose, Zwergmandel, Obst und Wildobst sollten vorrangig im Garten verwendet werden. Der beliebten exotischen Forsythie stellte sie dabei ein schlechtes Zeugnis aus: „Ökologisch nullwertig“.
„Biodiversität entscheidet, ob wir leben“, mahnte Brell angesichts des aktuell drohenden Aussterbens vieler Arten. Mit Pflegehinweisen für naturnahe Gärten, Buchtipps zum Thema und Bezugsquellen für heimisches Grün, darunter eine Wildpflanzengärtnerei in Alzey, rundete sie ihr Referat ab.
Karl-Heinz Hetze versprach, die Informationen von Christiane Brell auf die Website der Rödersheim-Gronauer Initiative zu stellen. Wer noch mehr über den Wettbewerb wissen möchte, geht auf www.roe-gro-inselderartenviefalt.de.