Rhein-Pfalz Kreis Gärtnern gegen die Angst

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Mutterstadt. Pflanzen, säen, pflegen, sich an der Schönheit von Blumen freuen, Gemüse ernten – das sollen traumatisierte Jugendliche erleben können. Das Projekt „Wohlfühlort Lebensgarten“ des Ludwigshafener Vereins für Jugendhilfe ist auf dem Anwesen einer Mutterstadter Wohngruppe gestartet.

Derzeit leben acht Jugendliche in der Einrichtung. Das große Haus in der Trifelsstraße bietet Platz für neun junge Menschen. Sieben der acht Bewohner sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die 16- bis 18-Jährigen kommen aus Afghanistan und Eritrea, berichtet Einrichtungsleiter Stephan Weigert. Die jungen Männer wurden der Gruppe über das Kreisjugendamt zugeteilt. Ein Schwerpunkt der Arbeit in der Wohngruppe ist das Stabilisieren der Jugendlichen, die traumatisiert sind. „Die meisten der geflüchteten Jugendlichen haben Schreckliches erlebt“, sagt Weigert. Ein psychisches Trauma kann ausgelöst werden durch extreme Erlebnisse von Gefahr, Gewalt und Tod. Die Intensität dieser Erfahrungen ist oft so groß, dass sie von den Betroffenen nicht bewältigt werden können. Es bleiben ernste psychische Beeinträchtigungen. „Viele Geflüchtete erleben die traumatischen Situationen immer wieder in ihren Erinnerungen, viele haben wiederkehrende Albträume“, erklärt Weigert. Dazu komme eine erhöhte Sensibilität gegenüber Situationen und Reizen, die Erinnerungen wecken. Dies könne zu erhöhter Reizbarkeit führen. Die pädagogische Arbeit in der Wohngruppe sei darauf ausgerichtet, die Jugendlichen zu stabilisieren und ihnen das Gefühl von einem Leben in Sicherheit zu vermitteln. Dazu gehöre beispielsweise das gemeinsame Anlegen und Betreuen eines Gartens. Hinter dem Haus gab es bisher eine Rasenfläche. Inzwischen haben die Bewohner und Betreuer dort zwei Hochbeete mit hölzernen Einfassungen aufgebaut. Hier und an weiteren Stellen sollen Zierpflanzen, Blumen aber auch Gemüse angebaut werden. Möglich geworden sei das Projekt durch die Aktion „Gemeinsam Neues schaffen“ der BASF, sagt Tharaka Sriram, die Koordinatorin des Projekts Wohlfühlgarten. Damit werden gemeinnützige Projekte gefördert, die mehrere Kooperationspartner für eine gemeinsame Sache zusammenbringen. Partner für den Wohlfühlgarten sind laut Sriram das Gemeinschaftswerk Arbeit und Umwelt, der Wilhelm-Hack-Museumsgarten, die IGS Mutterstadt und der Bund für Umwelt und Naturschutz. „Die Partner unterstützen uns in praktischen Dingen, etwa durch Beratung, welche Pflanzen wir setzen sollen, wo es Material und Geräte gibt, und sie helfen uns mit Sachspenden, wie etwa Blumentöpfen“, erklärt Weigert. Die Wohngruppe in Mutterstadt wurde im November 2015 gegründet, berichtet Sriram. Seither habe sie sich gut in die Gemeinde integriert. Man habe tolle Nachbarn und Hilfe von Ehrenamtlichen. Die Erste Beigeordnete Andrea Franz (SPD) übermittelte im Namen der Gemeinde die besten Wünsche für das Gartenprojekt. |ghx

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