Römerberg / Dudenhofen
Fusionierte Kirchenchöre: 21-jähriger Dirigent auf Reformkurs
Der 21-jährige Dirigent ist überzeugt, dass die neu gebildete Einheit und die Chorgattung generell eine gute Zukunft haben – vorausgesetzt, die Kirchengremien seien bereit, überkommene Rahmenbedingungen der heutigen Zeit anzupassen. 95 Prozent der einst gebräuchlichen Chorsätze seien nicht mehr zeitgemäß, findet Appelmann. Selbstbewusst wünscht er sich Veränderungen in der Liturgie, die er für „teils unverständlich, teils schematisch“ hält. Kirchenchöre und Kirchenobere müssten in dem Punkt aufeinander zugehen, unterschiedliche Meinungen aushalten und gemeinsam ein passendes Bild entwickeln.
In den Formationen, die er dirigiert, hätten sich anfangs Traditionsbewusstsein und Aufbruchstimmung in etwa die Waage gehalten, konstatiert Appelmann. Mitunter habe er „eine gewisse Trauer um verlorene“, von ihm nicht mehr ausgewählte Lieder ausgemacht, die aber die allgemeine Begeisterung für das Singen schnell vergessen ließ. Von den Gremien erhofft sich der Chorleiter, dass sie der Kirchenmusik einen höheren Stellenwert beimessen. Das sei in der Vergangenheit nicht selten am Geld – zum Beispiel für Notenmaterial – gescheitert. Appelmanns Erfahrung: „Die nötigen Mittel bewilligt zu bekommen, war zuweilen nervenaufreibend.“
Vom damaligen Pfarrer Josef Metzinger gefragt, übernahm Appelmann vor drei Jahren den Kirchenchor Berghausen. Gemessen an den eigenen Vorgaben blickt er gelassen zurück: Die Anzahl der Sängerinnen und Sänger sei stabil gehalten beziehungsweise sogar leicht gesteigert worden. Das Durchschnittsalter sank, mittlerweile sind acht Mitglieder 30 oder jünger. Nicht minder wichtig ist Appelmann, auch die Chorliteratur entstaubt, „massiv verjüngt“ zu haben.
Aus musikalischer Familie
Aufgewachsen ist Cornelius Appelmann in Dudenhofen. Mit sechs begann er mit dem Klavierspiel. Vorbild waren die älteren seiner neun Geschwister. Jeder in der Familie spiele ein Instrument, sagt er. In einem Konzert – er war acht – entdeckte er für sich die Harfe. Danach die Orgel. Er engagierte sich in der Jugendkantorei, sang bei Chorissimo und im Kirchenchor Dudenhofen. Im Alter von 13 bis 16 absolvierte Appelmann die Kirchenmusikerausbildung, die Grundlage seiner Dirigententätigkeit. Er wurde Kirchenorganist seiner Heimatgemeinde. Ebenfalls im Alter von sechzehn machte er das Abitur am Kaiserdom-Gymnasium Speyer.
Nach einem freiwilligen sozialen Jahr in der Kindertagesstätte Spatzennest in Heiligenstein und einer auskurierten beidseitigen Sehnenscheidenentzündung wollte er in Mannheim Musik studieren. Es kam anders. Appelmann entschied sich für Jura, begründet die Wahl aus einem „Bündel von Aspekten“. Einer: Die Branche, auch die der Kirchenmusik, sei hart umkämpft. Lange möchte er nebenberuflicher Kirchenmusiker bleiben – in Dudenhofen und St. Joseph Speyer sowie „überall wo in der Pfarrei Hl. Hildegard einer gebraucht wird“. Parallel will er den Chor weiter zur Einheit entwickeln. Nicht als Solist, betont der 21-jährige. Harmonie und guter Klang seien immer das Ergebnis einer Teamleistung. Appelmann sieht es als seine Pflicht, ein geschenktes Talent zum Nutzen der Gemeinschaft einzubringen.
