Rhein-Pfalz Kreis Fußgönheimer fühlen sich abgehängt

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Fussgönheim. Was den Einwohnern Fußgönheims vor allem missfällt, sind der seit 2015 verkehrende Expresszug und dessen Auswirkungen auf den Fahrplan. Der Zug mit der Nummer 9 soll eine schnellere Verbindung zwischen Bad Dürkheim und Ludwigshafen herstellen, bedient aber nicht alle Haltestellen – Fahrgäste in Fußgönheim etwa können ihn nur bei der Durchfahrt beobachten. Durch das neue Angebot hat sich der Fahrplan-Takt geändert. Vor der Einführung des Expresszugs fuhren stündlich zwei Züge in jede Richtung. Jetzt sind es zwar drei, die alle 20 Minuten kommen. Einer davon ist jedoch der Expresszug, und da der in Fußgönheim nicht hält, beträgt die Wartezeit bis zum nächsten Zug hier 40 Minuten. Die Konsequenzen reichen noch weiter: „Wir haben jetzt Probleme mit den Anschlüssen“, sagt Jochen Schubert, Vorsitzender der FWG-Fraktion im Fußgönheimer Ortsgemeinderat. Denn Busse wie Bahnen waren auf den alten Takt abgestimmt, mit dem neuen Fahrplan harmonieren sie aktuell nicht. Das wirkt sich auf Schüler aus der Verbandsgemeinde Maxdorf, die in Bad Dürkheim zur Schule gehen, zum Beispiel so aus, dass sie eine weitgehend leere Rhein-Haardtbahn mit zwei Wagen nach Unterrichtsende nicht mehr erreichen und der folgende Zug mit nur einem Wagen den Schülern von insgesamt drei Schulen genügen soll. Auf diese unbefriedigende Situation wiesen mehrere betroffene Jugendliche die drei RNV-Vertreter Franz-Wilhelm Coppius, Thomas Weisenstein und Martin Galm hin. Eine Mutter ergänzte: „Mein Sohn fährt bis nach Ruchheim, wo wir ihn abholen müssen.“ „Wir verstehen Ihren Ärger. Sie können sich sicher sein, dass wir Ihre Anregungen sehr ernstnehmen“, erklärte Franz-Wilhelm Coppius. In Kürze tage wieder der RHB-Beirat. Dabei würden erneut Möglichkeiten erörtert, wie sich Probleme lösen oder zumindest mildern ließen. Schon ein für alle Beteiligten annehmbares Konzept für die Modernisierung der Rhein-Haardtbahn zu finden, sei schwierig gewesen – vor allem aus finanziellen Gründen. „Wir haben 18 Millionen Euro in das Projekt RHB 2010 investiert. Es ist sehr scharf kalkuliert, da bleiben keine Spielräume, hier noch eine Kleinigkeit obendrauf zu packen und da noch etwas extra zu machen“, ergänzte sein Kollege Weisenstein. Und: Ohne das Vorhaben hätte der Rhein-Haardtbahn wohl das Aus bevorgestanden. „Die Technik war so weit unten, dass die Aufsichtsbehörden mit der Stilllegung drohten“, sagte Coppius im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Bei dem vorliegenden Konzept sei es deshalb vor allem um den Erhalt der traditionsreichen und für die Region wichtigen Strecke gegangen. Um das Land als zusätzlichen Geldgeber zu gewinnen, hätte die RNV jedoch auch einige Forderungen des Landes erfüllen müssen. „Eine davon war das Umstellen der Spurbreite von Straßenbahn- auf Eisenbahnformat, eine andere das Anbieten eines dritten Zugs je Stunde, und zwar eines Expresszugs“, erläuterte Coppius. Daneben musste zunächst einmal die zugrundeliegende Infrastruktur saniert werden. Die Arbeiten wurden laut Weinstein in drei Teilpakete gegliedert. Nummer eins: Haltepunkte barrierefrei ausbauen, Stellwerke modernisieren. Nummer zwei: Gleise ertüchtigen, Fahrleitungen verstärken. Nummer drei: Höchstgeschwindigkeit von 70 auf 80 km/h steigern, Bahnübergänge ausbauen beziehungsweise schließen, zusätzliche Park & Ride sowie Bike & Ride-Plätze schaffen. Begonnen wurde 2014, fertig werden soll alles 2018. „Auch das Problem mit den leeren und überfüllten Waggons ist bekannt“, sagte Coppius. Grund seien Engpässe im Fahrzeugpark. Um kurzfristig Abhilfe zu schaffen, werde derzeit über ein Angebot aus Helsinki/Finnland verhandelt, wo es zu viele Fahrzeuge gibt und von wo mehrere gekauft werden könnten. Auf lange Sicht sei geplant, in den nächsten Jahren mindestens 80 und maximal 126 neue Fahrzeuge anzuschaffen – allerdings nicht zusätzlich zu den vorhandenen. „Es ist so, dass unsere Züge in die Jahre gekommen sind und wir in diesem Zeitraum auch 100 werden abstellen müssen“, schilderte er auf Nachfrage die Lage. „Ein neuer Zug kostet zwischen 2,5 und drei Millionen Euro, den können Sie nicht mal einfach so kaufen. Das Ganze muss politische Gremien durchlaufen, und die Fahrzeuge müssen eigens gebaut werden“, informierte Coppius. Doch der Aufsichtsrat habe inzwischen 300 Millionen Euro für die Erneuerung des Fahrzeugsparks bewilligt. „Das ist ein Jahrhundertprojekt für die gesamte Region“, fügte er hinzu. Denn zum RNV-Netz gehörten auch die Städte Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg. Der Maxdorfer Ortsbürgermeister Werner Baumann (CDU) sprach von einem „riesen Infrastrukturprojekt“. Das jetzige Konstrukt sei gewiss nicht gut, räumte er ein. „Das müssen wir verbessern.“ Doch: Wenn der Abriss der Hochstraße Nord in Ludwigshafen irgendwann in der Zukunft seine Auswirkungen zeitige, „haben wir hier den großen Vorteil einer top Infrastruktur, die wir aufstocken können“, hob Baumann hervor. Seine Fußgönheimer Amtskollegin Marie-Luise Klein (SPD) sagte, es gebe bei allem Neuen Anfangsfehler, bei denen nachgebessert werden müsse. Das müsse allerdings stets wirtschaftlich sein. „Machen Sie deshalb Werbung für die Rhein-Haardtbahn, damit mehr Leute sie nutzen“, gab sie den zahlreichen Zuhörern mit auf den Heimweg. Die nutzten im Anschluss an den Vortrag und die Fragerunde zunächst aber ausgiebig die Gelegenheit, an vier Thementischen zum Projekt RHB 2010 mit RNV-Experten in tiefere Diskussionen einzusteigen.

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