DUDENHOFEN
Friedwald im Klimawandel
Waldsterben? Vertrocknete Buchen? Zweimal Fehlanzeige im Friedwald zwischen Dudenhofen und Hanhofen, wenige Hundert Meter nördlich der Bundesstraße 39. Dieses Bild zeichnet Immo Schilling, bei der „FriedWald“ GmbH einer von rund 40 Mitarbeitern, die für den Bereich Waldbetreuung zuständig sind. Er zeigt auf eine junge Buche, die im Schatten größerer Bäume langsam in die Höhe wächst. „Trotz Trockenheit und wenig Licht gedeiht dieser Baum“, sagt Schilling. Das sei kein Einzelfall, sondern die Regel. Der ausgebildete Förster arbeitet seit 18 Jahren bei dem Anbieter von Waldbestattungen mit Sitz in Griesheim bei Darmstadt.
Der Bestattungswald in Dudenhofen ist im April 2008 eröffnet worden. „Er ist ein Mischwald mit neun Baumarten“, informiert Schilling. Dazu zählt er Traubeneichen, Buchen, Sommerlinden, Esskastanien, Birken und Kiefern. Insbesondere die Eichen, Linden, Esskastanien und Kiefern seien Arten, die gut mit Trockenheit und Wärme zurecht kämen. Außerdem sei das Waldstück weitgehend naturnah, weshalb sich die Bäume gut an Umweltveränderungen anpassen könnten.
Mehr als 4000 Bestattungen
Sarah Mitze ist seit einem Dreivierteljahr als Försterin für den insgesamt 54 Hektar großen Friedwald zuständig. „Bisher gab es mehr als 4000 Bestattungen. Für das Jahr 2021 planen wir eine Erweiterung“, sagt sie und verweist auf ein Info-Blatt mit einer schematischen Karte des Bestattungswaldes mit Haupt- und Nebenwegen sowie den Bestattungsflächen. Demnach wird die 54 Hektar große Fläche, die 99 Jahre betrieben werden darf (also bis 2107), bisher nur zu circa 60 Prozent genutzt; die Erweiterung ist im noch unerschlossenen Bereich vorgesehen. Waldbesitzer und Friedwald-Betreiber ist die Ortsgemeinde Dudenhofen. Sie ist laut Schilling damit auch für die Erschließung der Fläche als Bestattungswald zuständig. Die „FriedWald“ GmbH selbst fungiert als Dienstleister.
Für die Sicherheit der Friedwaldbesucher ist ebenfalls die Gemeinde zuständig. Laut Schilling gibt es einmal jährlich, im Frühjahr oder Herbst, eine Waldbegehung mit einem Baumkontrolleur der „FriedWald“ GmbH. Die Beseitigung der dabei erkannten Gefahren oder akute Einzelfälle im Jahreslauf seien Sache der Gemeinde. „Bei der Waldbegehung wird jeder Baum angeschaut – nach Totästen, die eventuell als Gefahrenquelle herausgenommen werden müssen, und nach der Vitalität“, sagt er. Försterin Mitze ergänzt, dass „wir unseren Blick dabei zuerst in die Baumkronen richten“. Dafür gebe es zwei Gründe, so Schilling: „Die Krone ist ein Indiz dafür, wie es dem Baum geht. Und von ihr können Gefahren durch trockene Äste ausgehen.“ Er betont, dass man einen kranken Baum möglichst erhalten möchte für Spechte und andere Höhlenbrüter. Das sei aber nur so lange möglich, wie keine Gefahr für Besucher bestehe.
Vereinzelte Fällungen
Bisher sei bloß „vereinzelt“ einmal ein Baum abgestorben, betont der Waldbetreuer. Försterin Mitze sagt: „Wenn eine Fällung nötig ist, dann ziehen wir die Forstarbeiter der Verbandsgemeinde Dudenhofen hinzu. Wir zeichnen die Problembäume in die Karte ein. Im Winter werden diese dann gefällt.“ Schilling: „Dabei wird besondere Rücksicht auf benachbarte Bestattungsbäume genommen.“ In besonders schwierigen Fällen werde ein Baum durch Spezialisten von einer Hubarbeitsbühne aus „heruntergesetzt“. Falls möglich, lasse man vier, fünf Meter vom Stamm zum Nutzen von großen Spechtarten stehen – von Grün-, Bunt- und Schwarzspecht. Er betont, dass die Zusammenarbeit der Friedwald-Mitarbeiter mit den Beschäftigten von Bauhof und Forst inklusive Förster Jürgen Render einfach „perfekt“ sei.
„Die Bestattungsbäume sind zu mehr als 90 Prozent Laubbäume“, sagt Mitze. Kiefern seien dennoch wichtig; nicht zuletzt weil diese im Winter zumindest ein wenig Grün bieten würden. Die Anzahl der Nadelbäume, die bisher im Friedwald eingegangen seien, ist laut dem Waldbetreuer „vernachlässigbar“ klein. Die Gründe des Absterbens seien meist nicht eindeutig zu bestimmen.
Sollte einer der Bestattungsbäume krank oder gar abgestorben sein, dann könne man betroffenen „Vertragspartnern“ verschiedene Lösungen anbieten, teilt Schilling mit. Falls bereits eine Urne beigesetzt ist, dann werde auf Kosten von „FriedWald“ direkt nebendran ein Ersatzbaum gepflanzt. Vor der ersten Beisetzung an einem Baum gebe es die Alternative, sich ein Exemplar an anderer Stelle auszusuchen. „Falls ein ähnlicher Baum in der Nähe steht, gibt es auch noch die Möglichkeit, den als neuen Bestattungsbaum auszuwählen“, sagt Mitze.
„Vereinzelt kam schon die Frage auf, was man einem Baum angesichts der Klimaerwärmung Gutes tun kann“, teilt der Waldbetreuer mit. Wenn man seinem Bestattungsbaum mit einer Gießkanne oder einem Kanister Wasser gebe, dann sei das in Ordnung, findet er. „Es dient auch der Trauerbewältigung. Da man im Friedwald keinen Grabschmuck ablegen sollte, gibt es immer die Frage, was man stattdessen tun kann. Das kann das Aufhängen eines Nistkastens oder das Gießen eines Baumes sein“, erklärt er.