Mutterstadt
Freiwilligentag im Rhein-Pfalz-Kreis: Bunt und ganz viel Grün
Der Freiwilligentag bringt alle zusammen, denen ein gemeinnütziges Projekt am Herzen liegt: Gemeinden, ansässige Unternehmer, die mit Geld- oder Sachspenden helfen, und natürlich tatkräftige Freiwillige. So auch in Mutterstadt. „Blauhemden“, wohin man sieht: „Über die Online-Anmeldung erhielten alle Freiwilligen das T-Shirt der Metropolregion und den passenden Mundschutz dazu. Zudem gilt die Helferkluft an diesem Tag in allen öffentlichen Verkehrsmitteln als Fahrkarte“, sagt Michael Hemberger, Sprecher der Gemeinde und Koordinator der Projekte.
Rings um die Baumeinfassungen riecht es nach Lack. Die mannshohen Holzplatten rund um die Stämme sollen die Jungbäume vor Hitze und Fußtritten, die Wurzeln vor Verdichtung der Erde schützen. Genug Fläche also, sich mit Sprühdose und Airbrush-Pistole künstlerisch auszuleben. Unter den geschulten Händen entstehen Tiere und Blumenblüten. Daniela Kohl aus Ketsch ist eine erprobte Freiwillige: „Ich war schon öfters dabei und hätte mir für heute auch wieder ein Projekt gesucht. Da fragte unser Ausbilder aus dem Graffiti-Kurs, ob wir hier mitmachen wollten. Die Chance, einmal eine große Fläche gestalten zu können, haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen.“ Für Tina Gertjegerdes ist es eh eine Herzensangelegenheit, hier dabei zu sein: „Ich bin aus Mutterstadt, und mein Sohn geht sogar in diese Schule.“ Bleibt zu hoffen, dass die Kunstwerke nicht beschmiert werden.
„Wir machen wieder mit“, sagt der Bürgermeister
Ein paar Meter weiter türmt sich Komposterde. Sie wird mit dem Bagger in das Betonhochbeet auf dem Schulhof geschüttet. Im Beet steht Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD), die Brille voller Staub, glättet er mit der Schaufel die Erde und freut sich über das gute Wetter. Und natürlich auch über die vielen Helfer und die Projekte, die heute in Angriff genommen werden: „Es ist unser zweiter Freiwilligentag. Und wir werden auch in Zukunft mitmachen“, verspricht das Gemeindeoberhaupt.
Eine andere Gruppe hat zu Farbeimern und Pinseln gegriffen und ist dabei, die Betonspielgeräte, die Spielhäuser und den Fahrradunterstand in frischen Farben leuchten zu lassen. „Der Chef Ralf Ohl hat nicht nur die Farben gestiftet, sondern uns auch gezeigt, wie wir die Kanten am besten malen“, ist Dagmar Seel beeindruckt.
Landfrauen bereiten Vesper
Frank Schmitt, Kassenwart beim Verein Freie Saat, ist überall zu finden: Er kümmert sich sowohl um die Bepflanzung des Hochbeets auf dem Schulhof als auch um die Neueinfassung der drei Hochbeete aus Holz auf dem Gelände der Kindertagesstätte. Ziel des Vereins aus Böhl-Iggelheim ist es, samenfeste und in der Region seit Jahrzehnten bewährte Obst- und Gemüsesorten wieder in Klein- und Hausgärten anzusiedeln. „Und natürlich wollen wir den Kindern auch zeigen, woher ihr Gemüse kommt – nämlich nicht aus dem Supermarkt, sondern aus einem kleinen Samenkorn“, sagt Schmitt. Jetzt kommen allerdings Setzlinge winterharter Sorten in die Erde. Im Frühjahr soll das Projekt mit der Aussaat fortgesetzt werden. Die Namen der alten Sorten klingen nicht nur kurios, sondern halten auch ihr Versprechen. So wird im Beet auf dem Schulhof unter anderem die Birne „Gute Luise“ heranwachsen, ein Apfel heißt „Guldentaler Knorzekopp“ und der Salat „Brauner Trotzkopf“ soll tatsächlich Widrigkeiten wie Kälte und Schneckenfraß trotzen.
„Die alten Apfelsorten sind im Gegensatz zu den vielen Neuzüchtungen auch Allergikern bekömmlich“, weiß Schmitt. Um die Mittagszeit sind bereits die Betonschlange bunt bemalt, der Graffiti-Löwe schaut grimmig und die Beete haben sich mit Erde gefüllt. Zeit, eine Pause einzulegen und sich von den Landfrauen Mutterstadt verwöhnen zu lassen, bevor es mit frischer Kraft wieder an die Arbeit geht, etwa den Barfußpfad neu zu bestücken und noch vieles mehr.
Zur Sache: Drei Projekte in Schifferstadt umgesetzt
In Schifferstadt halfen 23 Freiwillige fleißig bei den Projekten in der Stadt mit. „Leider sind nicht alle Angemeldeten gekommen“, bedauert die Pressesprecherin der Stadt, Tatjana Rau. Die meisten, genau elf, waren beim Hundeplatz aktiv: Damit Hund und Herrchen mehr Spaß beim Gassigehen rund um den Hundeplatz hat, wurden zusammen mit dem Verein der Hundefreunde 1921/49 die Waldwege in der Umgebung gesäubert.
Eine Blühwiese für Schmetterlinge und Wildbienen haben acht Helfer unter der Regie des städtischen Umweltbeauftragten Kai Repp an der Außenanlage der Schifferstadter Wilfried-Dietrich-Halle angelegt. Dazu musste die 300 Quadratmeter große Fläche erst einmal mühselig vom Unkraut befreit werden, berichtet Rau, um anschließend wieder bepflanzt zu werden.
Mindestens genauso viel Muskelkraft war für das Entfernen der ausgedienten Verbissschutze rund um die Hessler Bruchwiese nötig. Die Verbissschutze sollen Rehwild davon abhalten, die Jungbäume anzuknabbern. Dann zerfallen sie aber nach und nach, bleiben auf dem Waldboden liegen und können nur schwer entfernt werden. „Gut zwei Stunden waren die Freiwilligen am Werk, am Ende konnten zehn Müllsäcke alter Verbissschutze abtransportiert werden. Eine tolle Aktion gegen Mikroplastik in der Umwelt“, sagt die Sprecherin. Die Grünen wollen sich – als Erkenntnis aus der Aktion – dafür einsetzen, umweltfreundlichere Alternativen zum Plastik zu finden.
Außerdem sollte die Nestschaukel in der Kita Herz Jesu einen neuen Fallschutz bekommen, „doch leider haben sich zu wenige Helfer gemeldet, die Aktion wurde abgesagt“, sagt Rau. Ein ortsansässiger Unternehmer möchte nun aushelfen.doo