Böhl-Iggelheim
Früh übt sich: Grundschüler demonstrieren vor Rathaus für Verbleib von Sozialarbeiterin
„Frau Seipolt! Frau Seipolt!“, skandierten die Kinder am Dienstag vor dem Böhl-Iggelheimer Rathaus. Mit dabei hatten sie Plakate und einen großen Stapel selbst gestaltete Postkarten, die sie Bürgermeister Peter Christ (CDU) überreichen wollten. So unterschiedlich ihre Werke auch waren, die Botschaft war überall die gleiche: Frau Seipolt muss bleiben!
Die dritten Klassen der Grundschule Iggelheim hatten sich am Morgen gemeinsam mit ihren Klassenleitungen auf den Weg gemacht, um den Verwaltungschef davon zu überzeugen, dass die Schulsozialarbeiterin künftig dauerhaft in der Einrichtung bleiben kann. Das Problem: Jessica Seipolt, die seit dem Schuljahr 2023/24 an der Jakob-Heinrich-Lützel-Schule arbeitet, ist derzeit an drei Tagen pro Woche in Iggelheim sowie an zwei Tagen in Fußgönheim tätig. Angestellt ist sie beim Zentrum für Arbeit und Bildung (ZAB) Frankenthal und über dieses an den Schulen eingesetzt. Der Wunsch der Grundschule ist jedoch, dass Seipolt direkt beim Schulträger, also der Gemeinde, angestellt und in diesem Zuge auch ihr Stundenkontingent erhöht werden soll.
Sorge um Fachkraftverlust
Dies sei auch der Wunsch der selbst an der Aktion nicht beteiligten Schulsozialarbeiterin, versichern das Kollegium und der Schulelternbeirat. Doch bislang seien diesbezügliche Gespräche ergebnislos verlaufen. Da Seipolt jedoch die Möglichkeit habe, an einer anderen Schule angestellt zu werden, sei jetzt die Sorge groß, die von allen geschätzte Fachkraft ganz zu verlieren.
„Für uns war es ein Schock“, erklärte Anna Wilhelm, Klassenlehrerin der 3b, die mit ihren Kollegen Katharina Jeiler und Oliver Zapp die Kinder zum Rathaus begleitete. „Die ganze Schule hat am letzten Tag vor den Osterferien Postkarten gestaltet“, sagte sie und präsentierte einen großen Stapel. „Der Wunsch kam von den Eltern“, so Wilhelm. „Sie ist sehr engagiert, sie kümmert sich und findet einen Draht zu den Kindern“, fasste Christian Oswald vom Schulelternbeirat zusammen.
Wertvolle Bindung zu den Kindern
„Wir brauchen sie wirklich“, bekräftigte auch Schulleiterin Karin Rupp-Andre. Und dabei gehe es bei Weitem nicht nur um Probleme mit dem Schulalltag. Teilweise gebe es an der Schule Kinder, bei denen auch das Jugendamt involviert sei. Die Schulsozialarbeiterin sei bei schwierigen Elterngesprächen dabei und habe zu den Kindern eine wertvolle Bindung aufgebaut.
Um zu verdeutlichen, wie wichtig ihnen Jessica Seipolt ist, nannten die Kinder dem überraschten Bürgermeister viele Gründe, warum die Gemeinde sie anstellen sollte: „Sie soll bleiben, weil sie nett ist“, meinte die neunjährige Amelia. „Sie hilft uns, wenn wir Streit haben“, erklärte Theo. Und Samuel führte an, „dass wir immer in der Pause zu ihr gehen können“.
Auch wenn sie es allzu gerne gehört hätten, aber versprechen konnte Christ den Kindern vorerst noch nichts. Nicht einmal der kleine Bestechungsversuch eines Jungen – „Ich geb' Ihnen einen 50er“ – konnte daran etwas ändern. Der Gemeindechef machte den Kindern klar, dass vor einer Entscheidung noch die Rahmenbedingungen geklärt werden müssten. Viel mehr konnte er an diesem Tag noch nicht sagen. Doch grundsätzlich sei die Gemeinde offen dafür, Seipolt direkt anzustellen. Den Beschluss, die Schulsozialarbeit auszuweiten, gebe es ohnehin bereits. Und für das Engagement der Kinder fand Christ lobende Worte: „Die Aktion finde ich toll!“