Otterstadt
Flugzeugabsturz mit Überlebendem: Ein schier unglaublicher freier Fall
Wie am 26. März 1957 durch die RHEINPFALZ würde auch heute ein Vorfall wie vor 67 Jahren bei Otterstadt als „Sensation“ bewertet. Dies deshalb, weil ein Flugzeug-Pilot nach dem Zusammenstoß zweier US-Militärmaschinen in etwa 7800 Meter Höhe in freiem Fall gut 5000 Meter gen Erde stürzte, ehe sich im letzten Moment sein Fallschirm öffnete und er wenig verletzt überlebte.
Nach der Aussage des Piloten George E. Joseph hatten er in seinem Flugzeug und eine andere Maschine die Rheinebene im Parallelflug überquert, ohne sich zu bemerken. Oberleutnant Joseph, Pilot eines im westpfälzischen Sembach stationierten Schulung-Düsenjägers, sah plötzlich einen Canberra-Düsenbomber B57 neben sich auftauchen. Joseph wollte sein Flugzeug unter der anderen, in Landstuhl stationierten Maschine hinwegziehen, doch beide Seitenleitwerke berührten sich und die Flugzeuge begannen zu trudeln.
Laut Protokoll wollte Joseph mit Hilfe des Schleudersitzes aussteigen. Weil aber dessen Katapultvorrichtung versagte, ließ sich der Pilot aus der Kabine fallen. Die Maschine stürzte in offenbar kleinem Abstand hinter ihm her, sodass er seinen Fallschirm nicht zu öffnen wagte. „Schließlich nahm er seine letzte Chance wahr und riss die Abzugsleine seines Fallschirms“, hieß es damals nach dem Unglück in der RHEINPFALZ. Schier unglaublich: Der Pilot muss etwa 5000 Meter frei gefallen sein. Dann trug ihn ein Windstoß aus der Gefahrenzone, sein Flugzeug stürzte an ihm vorbei und zerschellte am Boden, etwa 100 Meter seitlich der Straße zwischen Speyer und Waldsee bei Otterstadt. Pilot Joseph verletzte sich unwesentlich, erlitt aber einen Schock und wurde in ein Krankenhaus gebracht.
Schaulustige eilen zur Unglücksstelle
Die andere Maschine explodierte etwa 150 Meter von Otterstadter Häusern entfernt beim Aufschlag auf der Erde und wurde in Stücke gerissen. Der Pilot und ein anderes Besatzungsmitglied wurden etwa 1,5 bis zwei Kilometer entfernt tot aufgefunden. Eine ältere Frau, die in der Nähe der Aufschlagstelle mit Feldarbeiten beschäftigt war, wurde von wegfliegenden kleinen Flugzeugteilen leicht verletzt.
Die Speyerer Feuerwehr ging dem brennenden Flugzeug zu Leibe. Aber erst Amerikaner aus Heidelberg, die eine Stunde nach dem Absturz eintrafen, hatten mit ihren Schaumlöschgeräten Erfolg. Hunderte und nach Geschäftsschluss um 17 Uhr Tausende von Neugierigen fuhren auf Fahrrädern, Motorrädern und in Autos zur Unglücksstelle, sodass die Polizei Mühe hatte, die Schaulustigen zurückzuhalten.